Uckerland IV: Offene Türen

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Von der Virtualität,

hin zu einer anderen Form der Begegnung.

Nein, ich möchte es nicht Realität nennen,

obschon man es könnte,

sogar dazu geneigt wäre.

Ich habe also das Handy am Ohr,

höre die Stimme, höre die Worte:

„Du gehst den kleinen Weg entlang.

Es ist nicht weit.

Auf dem Platz steht mein Auto…“

Während Ulrich mir also in klarer Sprache erklärt

wo es lang geht, versucht mein Hirn ihm zu folgen.

Ich sage einfach mal „gut“, vielleicht etwas vorschnell?

Meine Augen wandern hin und her.

Immerhin hat man vier Himmelsrichtungen.

Und frisch bin ich auch nicht mehr.

Aber in der Nähe ist nunmal in der Nähe.

Das werde ich ja wohl noch schaffen.

Ich entscheide mich also für einen kleinen Weg

und höre Stimmen in einem Garten.

„Hallo!“

Eine Frau kommt näher.

„Können sie mir sagen, wo Herr Kasparick wohnt?“

„Da!“

Sie zeigt in eine Richtung.

„Direkt daneben?“

„Ja.“

„Danke.“

Kurze Wege. Ich mag kurze Wege.

Also hole ich meinen Drahtesel und klingel.

Die Türe öffnet sich:

„Grüß dich!“

Da steht er also und da stehe ich.

Von Facebook aus bis zur Haustüre,

ist es manchmal kein weiter Weg.

„Dann komm`mal rein.“

„Gerne.“

„Ein Glas Wasser?“

„Kann ich gut gebrauchen.“

Die Luft im Haus ist angenehm kühl

und geräumig ist es auch.

„Da haste ja heute schön Sonne abbekommen“, sagt Ulrich.

„Allerdings. Die ganze Zeit von vorne.

Erinnert mich an beste Zeiten in Südrankreich.“

„Eine Dusche?“ fragt Ulrich.

„Ja. Das wärs jetzt!“

„Und danach essen wir was“, sagt Ulrich.

Es wird nicht lange rumgeplänkelt.

Das Wesentliche wird geklärt und dann gibts eine kleine Führung

durch Garten und Kirche.

Der Rosengarten von Hetzdorf.

Da stehen und ranken sie also, die Zeichen der Liebe.

Es wächst und gedeiht.

„Diese Rose ist 4000 Jahre alt“, sagt Ulrich.

Habe ich mich verhört?

Gut, das Persische Reich ist schon eine Weile her.

Rosen haben dort schon immer eine Rolle gespielt.

Ulrich erwähnt kurz Rumi und die Derwische.

Da werden wir noch einiges zu besprechen haben.

Wir gehen den kleinen Weg wieder hinauf.

Der Schlüssel zur Pforte dreht sich.

Die Kirche ist klein, aber fein.

So mag ich das, habe es immer gemocht.

Schlichte Klarheit. Reduktion auf das Wesentliche.

Was das Wesentliche ist, darüber kann man lange nachdenken,

braucht es aber manchmal nicht.

Es kommt und ist da. Sichtbar, erfahrbar.

Mein Drahtesel bekommt seinen Stall.

Alles klar. Die wichtigen Eckpfeiler sind gesetzt.

Da kapiert jemand, was ein Radwanderer braucht.

Der Akku muss wieder aufgeladen werden.

Und wie läd man einen Akku auf?

Zunächst durch ein Willkommen!

Die Türen öffnen sich…

und dann die Frage:

Was brauchst du?“

Uckerland III: Immer der Nase nach

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Ich sehe den Kirchturm aus der Ferne,

da will ich hin.

Hetzdorf im Uckerland.

Denke kurz an die Blues Brothers.

„Sweet home Chicago“.

Sweet home Hetzdorf, das wird sich gleich zeigen.

Von der Bundesstraße aus rechts abbliegen und

dann noch zwei Kilometer.

Ich komme durch einen Ort namens Gneisenau.

Wie kam das Dorf zu seinem Namen? – frage ich mich.

Assoziation: Schlachtschiff Gneisenau.

Sieht aber recht friedlich aus, das Dorf.

Und dann rolle ich vor die Kirche von Hetzdorf.

Auf einer Wiese unterhalb der Kirche gibt es einen

Holztisch mit zwei Sitzbänken.

Der Drahtesel wird abgestellt.

Ein Blick in die Umgebung, ein Schluck Wasser.

Und nun Herr D.?

Teilziel erreicht.

Ist doch was, oder?

Es ist heiß. Ich setze mich,

hole mein Handy raus und wähle die Nummer.

Jetzt wird es spannend.

Auf was für einen Menschen treffe ich?

Da gibt es ein paar Assoziationen, Informationen,

aber nicht viel.

Internet-Garten. Rosen.

Das Buch „Notbremse“ mit dem Untertitel:

„Ein Politjunkie entdeckt die Stille“.

Und ein Schreibjunkie wählt die Nummer

und dann melde ich mich mit den Worten:

„Hier ist Stefan Dernbach von Facebook!“

Uckerland II: „Der Weg ist das Ziel“

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Manchmal sollte man

sich nicht lange fragen,

was man tut, sondern

es einfach machen.

Hetzdorf?

Dann fahre ich halt nach Hetzdorf

und schaue, was dort passiert.

Es passiert immer etwas,

mal das, was wir uns wünschen,

mal etwas anderes,

da steckt man nicht drin.

Der Bundestraße schnurwegs entlang.

Reichlich Lastwagenverkehr.

Polen ist in der Nähe.

In Polen war ich noch nie,

so wie mir auch der Osten Deutschlands eher unbekannt ist.

Frankreich kenne ich wie meine Westentasche,

von Pasewalk und Woldegk,  habe ich noch nie was gehört.

Wenn die Lastwagen an mir vorbei donnern,

gibts frischen Wind. Die können mich locker von der Straße pusten.

Beim Anhalten am Straßenrand ist mir etwas mulmig,

wenn so ein Ungetüm sich nähert.

Die Jungs geben Gas. Man hat es eilig.

Termindruck.

Die Schweine müssen heute noch nach Krakau.

 

Ich schaue über weitläufige Felder.

Kornfelder am späten Nachmittag.

Die Bauern sind mit ihren großen Maschinen

auf den Feldern.

Es wird gemäht und es staubt. Getreidestaub fliegt auf.

Ich halte Ausschau nach einer Kirche.

Hetzdorf müsste bald kommen,

sollte bald kommen, denn der Schweiß fließt reichlich.

Beim Anblick der Landwirtschaftsmaschinen, jenen großen

Monstern einer Fressindustrie, fällt mir der Song „Thrasher“ von Neil Young ein.

Ein Lied mit Aussagekraft und Melancholie, aber auch mit klarer Richtung.

Die „crystal canyons“ sind es nicht, aber natürlich locken sie.

Glaspaläste, Shopping-Center, Kreditkarten, Versicherungstempel,

Konsumalleen. Alleen ohne Bäume.

Wofür braucht man auch Bäume?

Auf dem Lande ticken die Uhren anders.

Die Schloßstraße von Berlin habe ich hinter mir gelassen.

Was ich finden werde, das wird sich zeigen …

Uckerland I: In der Ruhe liegt die Kraft

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Von der betriebsreichen Hauptstadt Berlin,

eine Reise ins Uckerland.

Zielpunkt: der Internet-Garten von Hetzdorf.

Internet-Garten?

Aber dazu später.

Mit dem Drahtesel

also von Prenzlau nach Hetzdorf.

Die Sonne knallt ins Gesicht.

Nicht wirklich ein Glutofen wie damals in Thessalien,

aber gegrillt fühle ich mich schon.

Die Windräder machen wenig Wind.

Statuen der Neuzeit.

Riesige Flügel.

Unweigerlich fällt mir Don Quichotte ein.

Der Kampf mit den Windmühlen…

Berlin Berlin VII: Schloßstraße bis Schwartzsche Villa

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Also nochmal auf die Berliner Piste.

Schloßstraße, dort wo der Bär tobt.

Einen tanzenden Bär habe ich nicht gesehen.

Menschenmassen. Oh je.

Und alle wollen weiter …

Es wird gegangen, gerannt, geradelt.

Rein in die Post, raus aus der Post.

Blick zum Bierpinsel.

Komisches Ding.

Sieht aus, als ob ein Raumschiff gelandet sei.

Schnell zu Hugendubel.

Landkarte abholen.

Rügen / Usedom / Vorpommern.

Vom ADFC geprüft.

Ich bin auch geprüft, berlingeprüft.

Auszeit auf dem Land steht an.

Noch einen Kaffee in der Schwartzschen Villa.

Hübsche Außenanlage,

Ruhepol nach der Shopping-Meile.

Berlin Berlin VI: Früh morgens

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Morgengang zum Kippen-Händler.

Auf dem Rückweg  ein paar Fotos.

Dann der Akku leer.

Flott die Stufen hoch.

Reinhold Messner hätte seine Freude.

Ach ja, noch einen Kaffee.

Willkommen

in der Pension „Gerania“.

Zimmer mit Auslick, guter Room-Service.

Er schläft noch.

Das macht ihn mir sympathisch.

Nichts ist für einen Schreiber schlimmer,

als schon morgens genervt zu werden.

Was hat man da nicht schon alles erlebt!

Berlin Berlin V: Feuerbach am Sonntag

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Endlich gutes Wetter.

Gestern nochmal zu Fuß unterwegs.

Es empfiehlt sich eine Stadt zu Fuß

zu erkunden.

Aber welche Teile der Stadt?

In Berlin latschen natürlich alle zum

Brandenburger Tor, zur Museumsinsel,

zum Reichstag.

Immer die Highlights aufsuchen.

Ich nicht.

Ich folge keinem Reiseführer,

sondern meiner Nase, nehme mir Zeit

und den Raum, den ich will.

Der Raum hieß gestern nochmal Steglitz.

Wer kennt schon Steglitz?

Also ging es zum S-Bahnhof Feuerbachstraße,

ein altes Gebäude, rund, und wenn kein Sonntag

ist, voller Leben.

Drinnen gibt es ein paar Geschäfte.

Und draußen laufen die Passanten.

Eine leichte Anhöhe, wo öfters Radler

des Weges kommen.

Tour de Berlin.

Frau gegen Mann, der Mann auf einem Rennrad.

Zweikampf., fast wie bei einem Zielsprint

der Tour de France mit Schlussanstieg.

Ich ging dann die Schönerberger Straße

gemächlich runter, schlenderte an kleinen

Läden, Cafés und Kneipen vorbei.

Ein paar Fotos bis zur Ecke, wo das Café

Feuerbach ist. Ein Blick, ein Tisch in der Sonne

noch frei. Schneller Zugriff.

Tasche und Kamera auf den Stuhl,

Tagebuch raus. Neben mir eine Frau sitzend, mit allerlei

Lesestoff versehen.

Frauen und Literatur, mein neues Thema.

Also fragte ich denn gleich mal,

ob ich ein paar Fotos von der jungen Dame mit Buch

machen dürfe?

Ich will nicht sagen, dass sie meine Frage konsternierte,

aber es dauerte schon eine Weile bis die Antwort kam.

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