Nach der Schreibsession unterm Apfelbaum,

geht es auf einen Spaziergang.

Abschalten.

Durch Kornfelder, an Gehöften vorbei.

Eine Runde drehen.

Ich weiß nicht wohin ich gehe, aber ich gehe.

Vogelschwärme steigen auf,

umkreisen ein dunkles Gehöft.

Es hat etwas von Hitchcock`s  „Die Vögel“.

Plötzlich greifen die Vögel an.

Was wäre, wenn die Vögel plötzlich angreifen würden?

Wahrscheinlich würde man ziemlich dumm gucken.

Diese großen Gehöfte wirken auch immer etwas unheimlich.

Was geht darin vor, was wird dort getan?

Die Landwirtschaft. Mastbetriebe. Futterbeimischungen.

Enge. Medikamente. Antibiotika-Hühner.

Wahrscheinlich gibt es auch Amphetamine-Schweine,

Valium-Ochsen, Paracetamol-Schafe.

Was dem Vieh so alles verabreicht wird?

Und später landet es auf unserem Tisch,

in unseren Mägen, in unseren Zellen.

Was wissen wir?

Wir wissen etwas, aber nicht viel.

Und was wir wissen, das genügt oftmals schon,

um kotzen zu müssen.

Da wir aber nicht kotzen wollen, verdrängen wir es.

Aber irgendwann werden wir eingeholt.

Das ist so sicher wie das Amen in der Kirche.

Kann man immer hinschauen? Nein!

Man würde bei all den Desastern verrückt oder

wie man bei uns sagt, „bekloppt“ werden!

Aber wegschauen?

Wie lange will man wegschauen?

Unterm Strich steht doch die Frage:

Was kann man verkraften?

Das Korn wiegt sich im Wind.

Hannes Wader fällt mir ein: „Bin ein Rohr im Wind…“

Und manchmal eine Blume.

Den Wegesrand zieren Mohn- und Kornblumen.

Hin und wieder duftet es nach Kamille.

Wo ich herkomme, da duftete es auch nach Kamille.

Eine Kindheitserinnerung.

Spielen auf Wiesen.

Durch Wälder ziehen, Hütten bauen, Lagerfeuer, Würstchen überm offnen Feuer grillen.

Verbundenheit mit der Natur.

Die ist geblieben, wird nie weggehen, selbst wenn sie oftmals verdrängt wird.

Männer wollen Cowboy und Indianer spielen.

Das ist nunmal so. Derer Spiele gibt es aber viele.

Oben drüber steht oftmals Abenteuer.

Man will etwas erleben, hinaus ins Unbekannte ziehen.

Männer, die nur noch in Büros vor ihren Laptops sitzen,

sind schon längst erledigt, ohne dass ein Cowboy oder Indianer auf sie je

geschossen hätte. Diese smarten Kerle verteidigen in Wahrheit nur ihre

bekloppte Existenz.

Besonders schlimm sind die Schreihälse vom Börsenparkett.

Schreien Sie mal, lieber Leser, wie unsere vermeintlichen Finanzexperten

in aller Öffentlichkeit. Stelle Sie sich mal in eine bevölkerte Einkaufsstraße

und schreien Sie so laut wie sie können.

Was meinen Sie, wie schnell die Jungs mit den Zwangsjacken kommen.

Dann fällt plötzlich der persönliche Kurs rapide.

Und dann können Sie wedeln mit ihren Optionsscheinen, mit ihren Verwaltungsakten,

mit ihren Wahrnehmungen und wegen mir mit ihrer Geburtsurkunde.

Man wird sie einkassieren.

Wer zu laut schreit, wird einkassiert.

Nur die Jungs von der Börse nicht.

Warum?

Irgendwo auf dem Land läutet eine Glocke.

Sie tut das so beständig, dass man weiß, woran man ist.

Und wer möchte nicht wissen, woran er ist?

Es gibt viele Arten von Glocken.

Manchmal macht es bimm bimm und ding dong.

Dann gibt es das große, schwere Bong, Bong, Bong.

„For whom the bell tolls“ ( Ernest Hemingway )

Signale. Wachmacher. Erinnerungsläuten.

Es ist Mittag. Ulrich und ich sind zum Mittagessen verabredet.

Im Stammlokal trifft man sich, die Handwerker, die Lastwagenfahrer,

die Durchreisenden. Das Lokal liegt an der Bundestraße.

Unweigerlich denke ich an den Film „Bagdad Café“.

Es gibt nicht viele Lokale auf dem Lande, aber die, die es gibt,

die haben es in sich.

Wer was erfahren und erleben will, muss dort vorbeischauen.

Eine Informationsbörse erster Güte.

Aber man muss die Zeichen zu deuten wissen …

Advertisements