Ein Haus am See, das wäre schön.

Es ist gar nicht so weit bis zum Haussee.

Der liegt am Rand von Wolfshagen.

Ulrich sagt, es gäbe einen schönen Weg dorthin.

Ach, die kleinen Sträßchen, denke ich.

Sowas mag ich, kenne ich aus Frankreich.

Abgelegen und weitgehend ruhig.

Verbindungsrouten von Dorf zu Dorf.

Und so mache ich mich denn in Hetzdorf auf den Weg,

vorbei an Vorgärten und Gehöften.

Es dauert nicht lange, da lande ich auf einem

nicht asphaltierten Feldweg, mit tiefen Kuhlen

und hohem Gras.

Fahren geht nicht mehr.

Also schiebe ich mein Rad. Es sind nur noch drei Kilometer bis Wolfshagen,

aber die haben es in sich.

Den Feldern entlang, wo Mohnblumen ein Rot in die Landschaft zaubern.

Hier ist bestimmt schon Goethe mit seiner Kutsche einst hergeruckelt,

aber der hat sich fahren lassen, der Dichterfürst.

Und ich? Wer sein Rad liebt, der schiebt.

Der Haussee liegt direkt am Eingang von Wolfshagen.

Gutes altes Kopfsteinpflaster führt zum Ort.

Ich denke an das Radrennen Paris-Roubaix,

fahre so gut es geht am Rande, um mir meine Felgen

nicht zu ruinieren.

Dann gehts rechts hoch auf eine Anhöhe.

Dort steht ein pompöses Denkmal mit mehreren Inschriften.

Das Gesamtkunstwerk weiß ich nicht zu deuten,

nur geht es irgendwie um Schlachten,

wo auch die Franzosen mitgemischt haben.

Ein Blick nach unten, dort liegt der Haussee.

Es gibt eine Liegewiese, die von zwei Müttern

und ihren Kindern belebt wird.

Wahrlich, wahrlich, der Osten lebt.

Es wird geplanscht, gejubelt, geweint, gesungen…

und mit Schwimmflügeln gerungen.

Ich stelle meinen Drahtesel auf die Wiese,

hole meine Badehandtuch raus und frage mich,

ob ich heil durch diese Kinderschar in den See komme?

Akklimatisieren ist angesagt…

„Mami!“ „Mami!“

Plansch. Plansch…

Fehlt nur noch, dass jemand fragt:

„Du Onkel, spielste ma Ball mit mir?“

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