Zeitgeister XX: Willkommen in Absurdistan

Hinterlasse einen Kommentar


Berlin.   

Pariser Platz.

Das Hotel Adlon in Sichtweite,

direkt am Brandenburger Tor,

Flüchtlinge protestieren gegen die restriktive Asylgesetzgebung

in Deutschland.

Im Klartext: Residenzpflicht, Arbeitsverbot, Abschiebepraxis,

katastrophale Wohnverhältnisse, Benachteiligung und Diskriminierung

auf allen denkbaren und undenkbaren Ebenen.

Man sollte meinen, es sei ihr gutes Recht zu protestieren.

Wer würde nicht demonstrieren wollen, wenn er sich solchen Lebensbedingungen

ausgesetzt sähe?

Auch verständlich ist es, dass die Flüchtlinge keinen Protest

in Hintertupfingen, Lüdenscheid oder Prenzlau abhalten wollen,

schliesslich geht es um Wahrnehmung ihrer berechtigten Interessen in der breiten Öffentlichkeit,

es geht um den Blick zur deutschen Verfassung und ihrem Artikel1:

„Die Würde des Menschen ist unantastbar!“

Dieser Artikel wurde aus historischen Grunde an die erste Stelle

unserer Verfassung gesetzt, weil wir durch zwei Weltkriege unsägliches Leid

über die Menschheit gebracht haben.

Die Väter unserer Verfassung sahen uns in Pflicht und Verantwortung,

auch was den Schutz und die Behandlung von Flüchtlingen anbetrifft.

Wenn nun Ende Oktober 2012 deutsche Polizeibeamte Flüchtlingen

Decken und Sitzgelegenheiten, womöglich Regenschirme und Rollstühle

wegnehmen, mit Polizeiknüppeln drohen und womöglich zuschlagen,

dann wirft das nach dem Entsetzen und der Empörung, Fragen auf.

Wo ist der Bundespräsident, der einschreitet?

Wo ist die Bundeskanzlerin, die so gerne Machtworte spricht?

Wo ist der Bürgermeister von Berlin?

Wenn die Politik einfachen Polizeibeamten die Handlungsverantwortung für Verfassungsrechte

zuschustert, sich selbst nicht blicken lässt,

wenn es um Menschenrechte geht, dann wirft das ein Bild auf Deutschland,

welches an finsterste Kapitel deutscher Geschichte erinnert.

Man schaute nicht nur weg, man war nicht nur gleichgültig,

sondern man scherte sich einen Dreck um Menschenrechte.

Wenn die politische Führung eines Staates solche Signale in der Öffentlichkeit

setzt, wie wirkt sowas auf das Volk?

Was sollen und können die Bürger daraus schliessen?

 

P.S. Spenden für dieses Schreibprojekt können Sie unter:

Stefan Dernbach LiteraTour

Sparkasse Siegen: BLZ 460 500 01

Konto: 330 707 662

Manche nennen das Beteiligungsgesellschaft, andere  Sponsering.

Zeitgeister XVIII: Auf der Flucht

Hinterlasse einen Kommentar


Trends.  

Hypes.

Moden.

Alles intensiv und rasend schnell.

Da kann kein normaler Mensch mithalten.

Aber jeden Tag wird das gnadenlose  System befeuert.

Feuer frei auf allen Kanälen !

Wer die dickste Kanone hat, macht den größten Lärm.

Wen wundert es da, wenn vieles überhört und übersehen, weil übertönt wird.

Der Hurrikan Sandy macht alles platt.

Berichterstattung zu einem Thema rund um die Uhr, auf allen Kanälen.

So beeinflusst man Wahrnehmung, so steuert man Menschen.

Während alle zum Sturm nach Amerika schauen,

schaut man eben nicht nach Berlin,

wo Flüchtlinge am Brandenburger Tor liegen und in einen Hungerstreik getreten sind.

Sie wollen auf Menschenrechte aufmerksam machen, wollen,

dass ihnen auch der Artikel 1 unseres Grundgesetzes zuteil wird.

Artikel 1?

Wie lautete der noch?

P.S. Spenden für dieses Schreibprojekt können Sie unter:

Stefan Dernbach LiteraTour

Sparkasse Siegen: BLZ 460 500 01

Konto: 330 707 662

Manche nennen das Beteiligungsgesellschaft, andere  Sponsering.

Zeitgeister XVII: Grätschengesellschaft

Hinterlasse einen Kommentar


Es grätscht an                 

allen Ecken und Enden.

Finanzgrätsche,

Kommunikationsgrätsche,

Mobilitätsgrätsche,

schlimmstenfalls Blutgrätsche,

aber hier nicht im fußballerischen Sinne gemeint.

Viele Menschen zerreißt es,

mal halb getroffen, mal voll getroffen.

Wie geht man damit um?

Man könnte versuchen es zu verdrängen,

man könnte versuchen es  zu thematisieren.

Wer ständig grätscht, dem fehlt nicht nur der Überblick,

sondern auch die innere Ruhe,

um wirklich zu sich und zu den anderen zu kommen.

Somit entstehen ganz sonderbare Gebilde im Innen und Außen,

die zuweilen ablesbar, beobachtbar und spürbar werden.

Andere Prozesse bleiben aus diversen Gründen unsichtbar.

Manche nennen das Black-Box, andere Vakuum …etc.

Wer abgegrätscht wird, der geht erst einmal zu Boden,

atmet hastig, ist schockiert oder schreit auf!

Manche fallen gleich ins Koma, andere stehen auf und taumeln benommen

durch die Gegend. Sie sind angeschlagen.

Es macht sich Angst breit.

Schlimmstenfalls wird aus der Grätschengesellschaft eine Angstgesellschaft.

Und das wäre alles andere als wünschenswert, weil Angst Komponenten beinhaltet,

die schwer zu händeln sind.

„Angst fressen Seele auf!“ – so ein Filmtitel.

Nur das hier ist kein Film, sondern Realität.

 

P.S. Spenden für dieses Schreibprojekt können Sie unter:

Stefan Dernbach LiteraTour

Sparkasse Siegen: BLZ 460 500 01

Konto: 330 707 662

Zeitgeister XVI: Bauernopfer in der CSU

Hinterlasse einen Kommentar


Strippenzieher Strepp, 

Sprecher der CSU,

fortan zum Schweigen

befördert.

Warum?

Weil der Herr eine Dummheit begangen hat.

Er wollte die Berichterstattung durch einen Anruf beim ZDF beeinflussen,

so der Sender.

Muss es denn unbedingt sein, dass man auch noch über die SPD berichtet? –

so Strepps  nachvollziehbarer Wunsch.

Aber öffentlich-rechtliche Berichterstattung ist nunmal kein CSU-Wunschkonzert.

Welch bayerischer Ochse Herrn Strepp bei seinem Anruf beim ZDF geritten hat,

wird wohl sein und das Geheimnis der CSU bleiben.

Christlich Soziale Union!?

Herr Jesus Christus, was hätten Sie dazu gesagt?

Wir wissen es nicht, könnten es aber ahnen.

Buße tun und zwar die gesamte Mannschaft !

Die will es aber nicht gewusst haben, was da ihr Sprecher Strepp fabriziert hat.

Man hat mal wieder ein Bauernopfer !

 

Wie hätte Franz Josef Strauß – der ehemalige Kampfochse der CSU  reagiert?

Es hätte Hiebe auf die Lederhose seines Sprechers gegeben, natürlich nicht öffentlich.

Sowas muss intern bleiben. Politprofis wissen das.

Franz Josef Strauß hätte niemals so einen Amateur als seinen Partei-Sprecher fungieren lassen.

So wirft denn der Vorgang einen Schatten auf Horst Seehofer, den bayerischen Ministerpräsidenten,

zwingt Herrn Dobrindt ( Generalsekretär der CSU ) zu wenig glaubhaften Aussagen:

Es wäre kein Versuch der politischen Einflussnahme auf die Berichterstattung des ZDF gewesen !!!

Ja, warum hat dann Herr Strepp beim ZDF angerufen?

Zeitgeister XV: Gnadenbrot III

Hinterlasse einen Kommentar


Nein,

wir sind nicht

in Kalkutta und auch

nicht in Lahore,

sind fern von Schiraz

und Timbuktu.

Gerne wird die materielle Armut verglichen,

wenn es darum geht, die Ausgaben zu senken,

die vermeintlichen Kosten zu reduzieren und den

Hilfsempfängern ein schlechtes Gewissen zu bereiten.

„Stellt euch nicht so an! – es könnte noch viel schlimmer sein!“

Billige Armutsvergleiche hinken nicht nur,

sondern beschämen, bedrohen und beschuldigen diejenigen,

denen das Wasser bis zum Halse steht.

Man verpasst ihnen diverse Stempel.

Drum heißt es auch abgestempelt.

Menschen abzustempeln, bedeutet sie auszugrenzen.

Und dabei spielt die vorhandene und nicht vorhandene Sprache

eine entscheidende Rolle.

Man höre auf die Melodien, schaue sich vor Ort um,

wie weit das Unwesen schon gediehen ist.

Nicht nur die Situation an der Tafel wirkt gespenstisch,

nein, es ist das Gesamtszenario und zugleich der einzelne Mensch.

Eine ganz reale Fahrt in der Geisterbahn, aber ohne Aufschrei !

 

P.S. Spenden für dieses Schreibprojekt können Sie unter

Sparkasse Siegen: BLZ 460 500 01

Konto: 330 707 662

Manche nennen das Crowdfounding, andere Beteiligungsgesellschaft oder Sponsering.

Zeitgeister XIV: Gnadenbrot II

5 Kommentare


Da stehen sie 

und warten.

Unter mächtigem

Betondach, welches

an einen Bunker erinnert.

Das Dach schützt nur bedingt,

da es keine Wände gibt.

Für frische Zugluft ist gesorgt.

Nein, sie sollen nicht träge werden, so sagt man.

Aber essen sollen sie schon.

In der Umgebung laufen Ratten herum und das Klärwerk ist gleich um die Ecke.

Es stinkt nicht nur zum Himmel, sondern vor allem aus diversen Windrichtungen.

Das Verfallsdatum vieler Speisen ist abgelaufen,

aber dieses Datum soll relativ sein,

wie man in den Medien mal wieder erfuhr.

Es wird viel relativiert und manchmal auf den Kopf gestellt.

„Armutsbekämpfung verlangt mehr als Barmherzigkeit“, schrieb Heribert Prantl in der Süddeutschen Zeitung.

Ob die Tafeln wirklich barmherzig sind?

Erbarmen mit Herz?

Keine Frage, das funktionalisierte Gebilde basiert auf deutschen Fähigkeiten.

Man kann organisieren und auf vielfältige Weise auch disziplinieren.

Das geschieht sicher nicht mehr so holzschnittartig wie früher,

man hat die Methodik verfeinern können.

Dafür gibt es Werbeagenturen, die bei der Selbstdarstellung behilflich sind.

Social Public Relation. Advertising for helping the poors.

Je mehr, je plakativer und  marktschreierisch das geschieht,

umso fragwürdiger wird es.

Es erinnert an einen Ablasshandel.

Der Versuch einer „reichen“ Gesellschaft, sich von ihrem Sündenfall freizukaufen.

Ein Selbstheilungsversuch, der scheitern muss.

 

P.S. Spenden für dieses Schreibprojekt können Sie unter

Sparkasse Siegen: BLZ 460 500 01

Konto: 330 707 662

Manche nennen das Crowdfounding, andere Beteiligungsgesellschaft oder Sponsering.

Zeitgeister XIII: Gnadenbrot

Hinterlasse einen Kommentar


An der Tafel  

von wessen Gnaden?

Da liegt er also,

der Text von Heribert Prantl:

„Die Tafeln –

Gnadenbrot im reichen Land“.

Ja, Prantl ist nicht der erste und nicht

der letzte denkende, schreibende Mensch,

der sich mit dem Thema „Die Tafeln“ befasst.

Sozialstaat. Krümel. Außenseiter. Reiche Gesellschaft.

Unterm Strich stellt Prantl der reichen Gesellschaft ein Armutszeugnis aus !

Immerhin !

Nein, der Text ist kein Aufschrei, eher eine Beschreibung, eine Kurzanalyse.

Prantl ist keine Aufschreier, kein Hysteriker, kein Fahnenschwenker.

Und das tut an mancher Stelle gut,

in dieser schreihälserischen Gesellschaft,

wo ein Gros meint, seine Befindlichkeiten und Fürze

nicht nur alltäglich, sondern im Minutentakt unters Volk bringen zu müssen.

Es geht dabei nicht nur um Meinungsäußerung, sondern an entscheidenden

Stellen um Meinungshoheit und zuweilen Meinungskrieg!

Und bei Meinungskriegen, gibt es nicht einmal mehr

ein Gnadenbrot, noch ein Süppchen…

( Zu: „Die Tafeln –  Gnadenbrot im reichen Land“ von Heribert Prantl,

Süddeutsche Zeitung, 19. Oktober 2012 )

 

P.S. Spenden für dieses Schreibprojekt können Sie unter

Sparkasse Siegen: BLZ 460 500 01

Konto: 330 707 662

Manche nennen das Crowdfounding, andere Beteiligungsgesellschaft oder Sponsering.

Older Entries