Französisch-deutsche-Freundschaft IX

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Um die Basilika Sacré-Cœur zu erreichen,                               Spektakel_Sein_Reinhard

gingen wir durch mit Kopfstein gepflasterte Gassen

den Montmartre hinauf.

Kleine Läden zu beiden Seiten,

hier eine Bäckerei, dort eine Metzgerei.

Es gab Buchläden, Puppenläden, Kitschläden, Klamottenläden.

Ein Gassengewirr. Links rum, rechts rum.

Wegeslalom. Immer schön den Hang hinauf, ohne einen freien Blick zu haben.

Die Gassen strahlten Geschichte und Geborgenheit aus.

Und dann kamen wir zu einem Vorsprung, der den freien Blick

auf die Basilika Sacré-Cœur gewährte.

Ein erhebender Moment.

Dieser weiße Bau unterschied sich von den grauen Gotteshäusern

nicht nur in der Farbe, sondern auch in der Form.

Es gab viele Rundungen.

Der Baumeister hatte weitgehend auf das Spitze und das Eckige verzichtet.

Vom Vorsprung aus, führten zahlreiche Stufen flankiert von Grünflächen, nach oben.

Ein imposanter Bau. Nach der Flipperhalle, ein wohltuender und beruhigender Anblick.

Wir kletterten die Stufen hinauf und drehten uns um.

Paris lag uns zu Füßen. Ein Häusermeer ergoss sich in die Ebene.

Wir standen dort oben und betrachteten das Ausmaß.

„Ganz schön groß“, sagte ich.

„Und wir ganz schön klein“, antwortete Thomas.

„Stimmt.“

Wir schwiegen eine Weile.

Jeder schaute für sich, machte sich so seine Gedanken.

Auf den bisherigen 1600 Kilometern unserer Radtour, hatten wir schon einiges zu Gesicht bekommen.

Das hier stand nochmal für sich, hatte seine ganz eigene Ausstrahlung,

die nicht unmittelbar und vielleicht nie in Worte zu fassen war.

Wir staunten und schwiegen …

 

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Französisch-deutsche-Freundschaft VIII

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Paris!                                                                                         Djuna_Barnes_Mahlzeit

Auf der Suche nach Kultur?

Wir waren alles andere als Museumsgänger.

Abgesehen davon,

dass uns ganz Paris wie ein Museum erschien,

zogen wir am nächsten Tag es vor, in eine Flipperhalle zu gehen.

Das hielten wir für spannender.

Anstatt Mona Lisa, einige Runden Boule-Attack.

Es regnete und zwar beständig.

Mit Somaly und Soryan hatten wir eine Verabredung am Nachmittag.

Das Gitarrespielen würde wohl ausfallen.

Unser  Treffpunkt war ein Café unweit der Metrostation Pigalle.

Da wir uns in Paris nicht besonders gut auskannten,

nahmen wir einen plakativen, wohlbekannten Ort,

der mal vom Bill Ramsey als Mausefalle besungen worden war.

Käse und Sünde ziehen an.

Rotlichtviertel. Clubs. Türsteher mit Schnauzbärten.

Überall Shows, flimmernde Lichter und gierige Blicke.

Zunächst sahen wir beim Flipperspiel rot, weil wir nicht besonders in Form waren.

Der Spielrekord an der Maschine, war utopisch, exorbitant und schamlos.

Da hatte jemand dran gedreht: der Flipperautomatenhändler.

Um den Rekord zu knacken, musste man die Augen und das Gespür eines Geparden haben.

Wir waren müde, hatten uns am Vorabend noch eine Flasche Wein gegeben,

und in Paris war es empfindlich kühl und nass geworden.

Bonjour Tristesse.

Als wir aus der Flipperhalle kamen, war uns schwindelig.

Unsere Augen standen überkreuz und wir hatten mächtig Geld verprasst.

Ich wurde sauer. Da war man mal in Paris und spielte stundenlang Flipper.

Mein schlechtes Gewissen griff mich am Kragen, zog mich ziemlich weit nach oben,

um mich dann gnadenlos auf den harten Boden der Tatsachen fallen zu lassen.

„Idiot!“ sprach mein Gewissen.

„Redest du mit mir?“

„Du weißt schon ganz genau, was los ist!“

„Und nun?“

„Ihr geht den Montmarte hinauf und zwar bis ganz oben.“

„Bis zur Basilika?“

„Oui Monsieur…!“

„Und dann?“

„Auf die Knie!“

 

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Französisch-deutsche-Freundschaft VII

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Aus einigen Metern Entfernung              Trauerkarte_Reinhard

vernahmen wir Gitarrenklänge.

Es waren keine Chansons,

sondern Klassiker der Popmusik.

Ein asiatisches Pärchen, umringt von einigen Zuhörern,

gab Songs wie „Dream“ oder „Wake up little Susi“

von den Everly Brothers zum Besten.

Darauf folgten John Lennon, die Beatles, die Animals und

andere.

Wir gesellten uns zu der singenden Schar, die den Abend auf der Wiese

unterhalb des Palais de Chaillot genoss.

Zur linken Seite der Eiffelturm und das Marsfeld.

Es war ein lauer Sommerabend.

Eine Internationale junger Leute verband sich durch Musik.

Man erinnerte sich, beglückte sich, gab sich kämpferisch und war romantisch.

Zwei junge Mädels aus Irland, ein glatzköpfiger Äthiopier, ein Franzose,

zwei Italiener und das asiatische Pärchen mit der Gitarre, welches aus Kambodscha

stammte und seit drei Jahren in Paris lebte, genauer gesagt am Rande der Metropole.

Das Mädchen hieß Somaly und er Soryan. Sie waren in unserem Alter.

Er trug einen Anzug und sie war nicht weniger anmutend gekleidet.

Beide spielten gut Gitarre und sangen gemeinsam.

Sie hatten ein großes Repertoire an romantischen Liedern und Gassenhauern.

„Those were the days my friend…“

Von Kambodscha wusste ich damals nur wenig, außer dass die Roten Khmer

dort ein unglaubliches Massaker in der Gesellschaft angerichtet hatten.

Man sprach von drei Millionen Toten.

Und nun saßen wir mit zwei Überlebenden auf der Wiese

und sangen „Imagine“, „Let it be“ oder „Nowhere Man“.

Am Palais de Chaillot ging die Sonne unter und zugleich ging sie auf…

 

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Französisch-deutsche-Freundschaft VI

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Wir schauten auf die Fontänen                                       Paris_Flore2

und ließen die Stadt auf uns wirken.

Die Architektur war beeindruckend.

Gut erhaltene Häuser, symbolträchtige Bauten,

breite Boulevards.

Paris erschien uns wie ein großes Freilichtmuseum.

Dazu entdeckten wir großzügige Rasenflächen,

wo Menschen aller Nationen sich ausruhten, lebhaft miteinander diskutierten

oder musizierten.

Überall gab es kleine Parks, Ruhezonen zum Abschalten von der betriebsamen Stadt.

Dort führten die Leute ihre Hunde aus, lasen ein Buch oder zogen etwas Wegzehrung

aus ihren Taschen, bevor es wieder zur Metro ging.

Von Camus, Sartre, Beauvoir …etc., hatten wir vielleicht mal am Rande gehört.

Mir war bekannt, dass Hemingway ein Buch mit dem Titel: „Paris – ein Fest fürs Leben“

geschrieben hatte. Der Name Rousseau sagte auch etwas aus, nämlich dass der

Mensch zurück zur Natur sich begeben sollte.

Rousseau hatte sich auch einst zur Erziehung von Kindern geäussert.

Über allem schien das Datum: 14. Juli 1789 zu schweben.

Der Sturm auf die Bastille, die französische Revolution mit ihren Eckpunkten:

Liberté – Egalité – Fraternité

Freiheit – Gleichheit – Brüderlichkeit

Dass nicht alles Gold war was glänzte, konnten wir auf der Strasse erleben.

Auf der einen Seite das Pompöse, auf der anderen Seite Bettler.

Natürlich hörte sich Clochard besser an, wie sich die meisten französischen Wörter

geschmeidiger als die deutschen anhören.

Aber ein Bettler blieb nun mal ein Bettler .

Dieses Dasein war alles andere als romantisch und inwieweit freiheitsliebend,

das war oftmals schwer zu beantworten.

Es schienen mehr Sehnsüchte als der Wille zur Freiheit vorhanden zu sein.

Und es gab knallharte Grenzen.

Eine davon, war die Gleichgültigkeit der Besitzenden gegenüber den Gestrandeten,

den Verwirrten und Verlorenen…

 

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Französisch-deutsche-Freundschaft V

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Man betritt ein Land,                                                            Paris_Maler_dernbach

man betritt eine Stadt,

und es ist so,

als ob man vor einem weißen Blatt stünde.

Vielleicht gibt es ein paar Fragmente,

die einen dorthin führen,

aber man hat keine weitreichenden Kenntnisse, noch Erfahrungen.

Es ist nicht mehr als ein Rand, ein grober Rahmen.

Frankreich?

Paris?

Und so ging es ab aufs Rad.

Mit dem Fahrrad kann man fast überall anhalten,

kommt relativ schnell voran,

vor allem in einer Großstadt wie Paris.

Der Triumphbogen, der Eiffelturm, die Oper, Montmartre, St. Germain,

das Centre Pompidou, der Boul Mich, der Louvre, die Place de la Concorde

und die große Glanzmeile, mit ihren sündhaft teuren Läden und Cafés.

Gegen Ende des Tages, dann nochmal zum Palais de Chaillot.

Fontänenschau. Sich auf der Wiese ablegen und zum Eiffelturm schauen.

So macht man sich ein Bild vom Groben zum Feinen,

was jedoch nicht linear verläuft.

Das wäre langweilig.

Wir hatten keinen genauen Plan, noch ein genaues Ziel.

Wir wollten die Stadt erleben, von der man behauptet,

sie würde von der Liebe träumen.

Anstatt der Romantik, gab es eine gute Dosis Abgase in die Nase.

Dazu kamen die großen Kreisverkehre,  wo außer uns

kein Mensch mit dem Fahrrad unterwegs war.

Dort ging es recht lieblos und rasant zu.

„Wer zuerst kommt, malt zuerst“ – so heißt es.

Einfach rein, ohne nachzudenken.

Dem eigenen Instinkt folgen, den eigenen Augen und Ohren trauen.

Und dann mit Courage sich in das automobile Karussell begeben,

na ja, eher aufspringen und eine Runde drehen.

Wenn man die Abfahrt verpasste, gab es eine Extrarunde …

 

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Französisch-deutsche-Freundschaft IV

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Monsieur Morel,                                                         Paris_Night_Metro_Dernbach

ein kleiner Mann, nahm es gelassen.

Zwei junge Kerle, die er nicht kannte,

benötigten für eine  Zeit

eine Unterkunft in Paris.

Er schlug zunächst vor,vielleicht auf den Schrecken hin, eine Bar aufzusuchen.

Für jeden ein Bier, wahrscheinlich weil wir Deutsche waren.

Franzosen trinken doch nur Wein, so unsere Annahme.

Nein, Bier sei gut, meinte Monsieur Morel.

Was sollte er mit uns anfangen?

Wahrscheinlich kam er gerade der Arbeit und wollte die Füße hochlegen.

Jetzt hatte er was am Hals.

Wir erzähltem ihm etwas von unserer heroischen Tour de France,

meiner Tante und erkundigten uns nach seinem Vater,

um unsere Glaubwürdigkeit unter Beweis zu stellen.

Einen Brief von meiner Tante hätte er nie erhalten, sagte Monsieur Morel.

Nach dem Bier ging es hoffnungsvoll zu seiner Wohnung, die ein kleines Einzimmerappartement war.

Tiefe Ernüchterung machte sich breit. Paris de luxe. Ein Hüttchen.

Der Film war gelaufen.

 

Er müsse mal telefonieren, meinte Monsieur Morel.

Da standen wir nun nach 1600 Kilometern, wir Fahrradhelden.

Zwei geschaffte, ratlose, ernüchterte Gestalten.

Monsieur Morel fragte uns, wie lange wir in Paris bleiben wollten.

Wir zuckten mit den Schultern. Es lief auf zwei, drei Tage hinaus.

Monsieur Morel schaute uns an:

„O.k. – pas de problem.“

Dann griff er in die Hosentasche, holte die Schlüssel seines Appartements hervor,

überreichte sie uns, als ob das völlig normal sei.

Er käme in drei Tagen wieder.

Monsieur Morel wünschte uns einen angenehmen Aufenthalt und verschwand.

Es hatte uns die Sprache verschlagen.

Der Erbfeind. Der Unbekannte. Der Fremde.

Wir schauten uns wortlos an und fragten uns:

„Was war das?

Was ist hier gerade passiert?“

 

Sowas macht man doch nicht.

Man überlässt doch nicht einfach zwei wildfremden Kerlen seine Behausung.

Hatte der Kerl noch alle Tassen im Schrank?

Hatte er gesagt, wann er wiederkommen würde?

Wir schauten uns an.

Es war still, eine seltsame wie seltene Stille.

Wir waren zutiefst ergriffen, waren nicht nur Zeuge eines Wunders geworden,

sondern waren unmittelbar beteiligt.

Das machte uns sprachlos, weil wir solch eine Dimension der Gastfreundschaft

noch nie zuvor erlebt hatten.

Das würde ein Deutscher nicht tun, darin waren wir uns einig…

 

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Französisch-deutsche-Freundschaft III

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Paris mit dem Fahrrad zu erkunden,                   Paris_Night2

das war schon ein Abenteuer für sich.

Sommer 1979 –

über Orleans zum ersten Mal nach Paris.

Bonjour Millionenstadt!

Zwei hoffnungsvolle Greenhorns kommen per Rad.

Eine Adresse in der Tasche, eine Straße, eine Hausnummer,

ein uns unbekannter Mensch.

Monsieur Morel, Sohn eines französischen Kriegsgefangenen.

Der Vater, einst in unseren Heimatort verschickt, verschleppt, dort lebend.

Unter welchen Umständen einst, das war uns nicht bekannt.

Mit einem Schreiben meiner Tante im Gepäck, hofften wir auf Unterkunft.

Ihr Brief an Monsieur Morel, so erfuhren wir später, war nie angekommen.

Ohne Stadtplan durch Paris. Nach zwei Stunden hatten wir die Rue Alexandre Dumas gefunden.

Nur Monsieur Morel war nicht da. Wir warteten ein paar Stunden, dann kam er,

ohne zu wissen, was auf ihn zukam …

„Sind sie Monsieur Morel?“

„Ja und …?“

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