Zur französischen Kultur                                                                 Hände_Tasse

gesellte sich nun noch die kambodschanische.

Daraus entstand ein Gemisch, welches nicht leicht

zu entziffern war.

Unsere Freunde lebten in einem Vorort von Paris,

einer Hochhaussiedlung, die wir Pyjama-City nannten.

Man hatte den tristen Hochhäusern ein paar vertikal

verlaufende Farbstreifen verpasst, die für etwas

seelische Erheiterung sorgen sollten.

Ein zarter Versuch in Klinkerstein, der kurz für ein Lächeln sorgte.

War man dann aber am Hauseingang, so fühlte man sich in einer Art

von Ghetto, welches sich in einem engen Fahrstuhl fortsetzte,

einer unsäglichen Blechschaukel, die nach Steckenbleiben roch.

Eine moderne Version von: „Der Fahrstuhl zum Schafott.“

Nur Jeanne Moreau fuhr nicht mit. Und es gab auch keine Musik

von Miles Davis.

Hier war also der ehemalige kambodschanische Diplomat Mr. Som

gelandet. Das Ende einer Karriere, eines Lebensweges war eingeläutet.

Und wir durften zeitlich begrenzt Zeuge werden.

Von den reich gedeckten Tafeln der Diplomaten, ab in eine triste, beengte Sozialwohnung.

Mr. Som strahlte eine schwer zu deutende Gelassenheit aus,

die kurz aus der Fassung geriet, wenn er sich kleine, sehr scharfe Chilischoten

in den Mund schob. Was für ihn eine alltägliche Gewohnheit war,

wurde für uns zu einer Mutprobe.

Auch wir griffen uns ein paar Schoten aus dem Plastiktütchen,

die er uns mit einem kleinen Lächeln anbot.

Wir überlegten eine Weile, schauten ihm zu, wie er eine Schote langsam kaute.

„Very hot!“ sagte er.

Dann hauchte er Hitze und Schmerz aus …

 

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