Wenn einer eine Reise tut :XVII Zum Mittelpunkt der Birne XIII

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Die Frauen der Expedition,                                                                la_momenta_tasse_Augenhöhe_Dernbach

waren voneinander nicht weniger verschieden,

als ihre männlichen Kraxelgenossen.

Es war schon erstaunlich,

welche Charaktere sich begegneten.

Zugleich bestätigte die Zusammenstellung der Seilschaft,

die besonderen Fähigkeiten ihres Frontman und Leiters.

Von Gallenfels wusste mit kuriosesten Persönlichkeiten umzugehen.

Er betrachtete das als Herausforderung, wie eine Besteigung des Nanga Parbat

oder des K2.

 

Die Evolution des Menschen interessierte ihn nicht weniger als

die Evolution der Natur. Und er wusste, dass es überlappende Muster gab.

Frau Meier hatte jahrelang an der Kasse einer Drogerie gesessen.

Dabei war nicht nur ihr Hintern breit geworden,

sondern sie hatte sich eine Parfüm- und Waschmittelsucht eingefangen,

ein bis dahin noch unbekanntes Krankheitsbild.

Eine andere Dame der Seilschaft war Monika Schmitt, von Beruf Controllerin

in einem mittelständigen Verlag, der auf dem besten Wege war zu versumpfen

und zu schrumpfen. Frau Schmitt wurde von ihren Freunden Schnitti gerufen.

Sie war nicht allzu groß, verfügte über ein agiles Auftreten und machte sich

keine allzu großen Sorgen über die Folgen ihres Handelns.

Frau Schmitt war sozusagen die Idealbesetzung für den Beruf einer Controllerin.

Sie hätte den Job an jedem Ort der Welt, in jedem Unternehmen ausführen können,

ja wäre sie nicht auf einigen Gebieten ihres Daseins eingeschränkt und beschränkt gewesen.

Die dritte Frau der Seilschaft hieß, wie das Schicksal es manchmal so will,

Petra Engel, eine OP-Krankenschwester aus Dortmund mit einer Vorliebe für Fußball.

Frau Engel war, wie schon der Name auswies, ein eher sanftmütiges Wesen mit viel Geduld.

Das Famose an ihrer Persönlichkeit war, dass sie blitzschnell umschalten konnte.

Wenn man sie im Alltag wahrnahm, sie aber nicht näher kannte,

wäre man nie darauf gekommen, dass sie mal aus der Haut fahren würde.

Sie war der personifizierte Ruhepol, eine Brachlandschaft der Friedfertigkeit.

 

Von Gallenfels wusste aus Erfahrung, dass es immer auf Ergänzung ankam.

Nach vielen Expeditionen war ihm klar,

dass man dieses Ziel nur mittels gemeinsamer Anstrengung erreichen konnte.

Würde man nicht wenigstens einige Gleichklänge in der Kakophonie der Persönlichkeiten

heraushören, ja spüren können, dann war jede Expedition von Anfang an bis zuletzt bedroht.

Herauszufinden, zu wissen, an welchem Punkt der Skala sich eine Seilschaft befand,

das war ein kunstvoller Prozess, der keine Aufgabe für Handwerker war.

Ohne solides Handwerk ging vieles nicht, das wusste von Gallenfels,

aber eine höchst divergente Seilschaft auf einen Gipfel und wieder hinunter zu bringen,

dazu bedurfte es mehr …

 

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Wenn einer eine Reise tut :XVI Zum Mittelpunkt der Birne XII

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Der Seilschaft sah aus,                                                       Brief_Blök_Herde_Popart_Dernbach

wie eine Truppe bunter Mainzelmännchen,

die dick verpackt in Schlechtwetterkleidung

sich auf den Weg

zu einem gefährlichen Kindergeburtstag machte.

Man war zweifellos aufgeregt, hippelte herum oder machte Witze.

Die üblichen Ablenkungsmanöver. Irgendwo musste die Anspannung hin.

Was würde beim Aufstieg durch den Kamin passieren?

„Sie bleiben dicht beieinander!“ rief Seilschaftsführer von Gallenfels.

„Niemand lässt seinen Nebenmann aus den Augen! Jetzt können sie zeigen,

was sie in den letzten Wochen gelernt haben.“

Fast alle nickten ergeben. Hier und da war ein Grinsen zu beobachten,

aber auch fester Wille zum Erfolg. Andere dachten daran, ob ihnen das Schicksal

wohlgesonnen sein würde, andere dachten an ihre Familie oder ihren Partner.

 

„Der Herr wird es richten!“ sprach Seilschaftsmitglied Jürgen Bruch aus Geilenkirchen.

Er war Militärpfarrer a.D. und betreute mittlerweile eine kleine Gemeinde

in Cloppenburg, wo er keinen leichten Stand hatte.

„Wir werden das schaffen!“ rief Johann Hartklug von Piepenhahn & Söhne.

Ausgerechnet der größte Egoist der Truppe, benutzte das Wort: „Wir!“

„Gut“, sagte von Gallenfels zu Hartklug. „Dann gehen sie voran und setzen die Haken

für die Nachkommenden. Bohren sie so tief sie können und dann rein mit Dingern.“

„Ich weiß schon“, sagte Hartklug. „Damals im Himalaya habe ich …!“

„Haben sie ihre Urkunde dabei?“ fragte von Gallenfels.

„Welche Urkunde?“

„Ihre Ehrenurkunde von den Bundesjugendspielen oder war es nur eine Siegerurkunde?“

„Ich hatte immer eine Ehrenurkunde!“ empörte sich Johann Hartklug.

„Leistungskurs Sport?“

„Ich habe sogar Sport studiert.“

„Wo?“

„An der renommierten Sporthochschule in Köln.“

„Dann haben wir ja einen Fachmann an der vordersten Front“, sagte von Gallenfels.

„Ich hoffe, sie haben ihren Abschluss nicht in rhythmischer Sportgymnastik gemacht“,

lachte von Gallenfels und klopfte Johann Hartklkug auf die Schulter, dass dieser fast

zwanzig Zentimeter im Boden versank.

 

Hartklug hatte sich über die Jahre ein dickes Fell zugelegt, was er aber gar nicht gut

vertragen konnte, das war, wenn jemand sich über ihn lustig machte.

Er hatte es immerhin zum Abteilungsleiter Ausland bei Piepenhahn & Söhne gebracht,

einem der größten Landwirtschaftkonzerne mit internationalen Niederlassungen

in Nigeria, Bhutan, der Ukraine, Rumänien und auch in Jacksonville in Australien.

Er hatte was aus seinem Leben gemacht, wie man so sagt.

Und das reizte von Gallenfels…

 

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Wenn einer eine Reise tut :XV Zum Mittelpunkt der Birne XI

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„Wir müssen noch ein paar Aufnahmen machen!“                      Brief_France_Opportunisten_dernbach

rief Rudi Zeckmann, der Reporter vom Sender Joy.

„Stellen sie sich in zwei Reihen auf!

Die Kleinen nach vorne“, grinste er.

Sein Ton war zackig, ähnelte dem eines Kompanieführers.

Er wäre auch zweifellos ein Mann für die Kaserne gewesen,

ja, würde er nicht so gerne reisen.

Wer Zeckmann verstehen wollte, der musste wissen, dass er

tatsächlich früher als Zwölfender unterwegs war.

 

„Eine Jugendsünde“, bekannte er mittlerweile lakonisch. 

Als junger Kerl hatte er sich nach Schulabgang für zwölf Jahre bei der Bundeswehr verpflichtet.

Er wollte eine sichere Perspektive für sein Leben haben.

Das konnte man damals bei der Kirche, beim Roten Kreuz, bei der Feuerwehr

und bei der Bundeswehr, herrlich deichseln. Man könnte auch sagen, drechseln.

Zeckmann arbeitete sich zum Manöver- und Empfangsberichterstatter in angenehme Höhen.

Bequeme Arbeit, Zulagen und ein gutes Salär, wo man auch gut was zur Seite legen und schaffen konnte.

Kostenloses Essen und Trinken, drei feine Ausgehuniformen und eine gute technische Ausrüstung,

waren unbestritten eine feine Sache, für die er sich gelegentlich auch mal in den Dreck warf.

Aber immer nur zum Spiel, das war ihm wichtig. Und es musste schnell wieder vorüber sein,

außer es handelte sich um einen Sektempfang des Stabes oder der Generalität.

Da machte Zeckmann damals gerne Überstunden.

Es gab kein besseres Budget als bei der Bundeswehr. Das konnte nur noch vom Vatikan überboten werden.

Aber eine Kirchenkarriere hatte Zeckmann für sich ausgeschlossen.

Dafür gab es zahlreich berechtigte Gründe. Zum einen war jedes fünfte Wort bei ihm „Fuck“,

zum anderen hätte er selbst beim besten Willen weder Demut noch Friedfertigkeit darstellen können.

Selbst als Schauspieler, wäre er nicht als Diener Gottes durchgegangen.

Vielleicht hätte er noch das erste und zweite Casting überstanden, spätestens in der Endrunde

hätte der genaue Blick eines Kirchenoberen erkannt, dass Rudi Zeckmann das System gefährden würde.

Zeckmann konnte nicht dichthalten. Er hatte, wie man es im Volksmund so sagte, eine große Klappe,

die sich ständig veräußern musste.

 

Von Gallenfels hätte Zeckmann am liebsten schon am ersten Tag der Expedition heimgeschickt.

Aber der Sender Joy war einer der Hauptsponsoren dieser Unternehmung.

Ohne Joy, hätte von Gallenfels seine Reise an einem Leuchtglobus im heimischen Wohnzimmer

abhalten können, ja müssen. Also musste er wohl oder übel, mit dieser Hohlbirne seine Expedition durchziehen.

„Machen sie ihre Fotos und ihre Interviews, aber fix“, sagte von Gallenfels zu Zeckmann.

„Das Wetter ändert sich!“

 

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Wenn einer eine Reise tut :XIV Zum Mittelpunkt der Birne X

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Fünf Stunden würde es brauchen,                                Countdown_Dernbach2011

fünf lange Stunden für den Aufstieg

durch den Kamin.

Die Speiseröhre war eng und glitschig.

Leicht rutschte man ab.

Es kam darauf an,

dass die Sicherheitshaken gut gesetzt wurden.

Von Gallenfels baute in diesem Bereich auf doppelte Sicherung.

„Sie klettern mir nicht alleine, ist das klar!“ sagte er unmissverständlich.

„Aber ich war schon im Himalaya“,

antwortete Johann Hartklug, der Manager  des Landwirtschaftskonzerns Piepenhahn & Söhne.

„Keine Widerrede“, antwortete von Gallenfels. „Sie klettern an der Seite von Frau Meier.“

Johann Hartklug wurde  blass.

„Warum denn ich?“ fragte er.

Frau Meier hatte gute 80 Kilo Übergewicht und war von ihrer Krankenkasse zur Expedition geschickt worden.

Ein Fehler an der Wand, eine Unaufmerksamkeit,

und Frau Meier würde selbst einen top-trainierten Bergsteiger vom Kaliber

eines Messners oder Kammerlanders, unwiderruflich in die Tiefe reißen.

Selbst die Huber Buam samt Milchschnitte, hätten keine Chance.

„Wissen sie Herr Hartklug, ich setze sie an die Seite von Frau Meier,

weil sie schon im Himalaya waren und ich auf ihre großartigen Fähigkeiten baue.“

„Ach so…“, antwortete Hartklug. „Aber könnte ich nicht an der Seite von Herrn Greifer klettern?“

„Nein, da habe ich mir schon jemand anderes ausgeschaut. Sie sind der richtige Mann für Frau Meier!

Verstehen sie das bitte nicht falsch. Das meine ich nur rein klettertechnisch.“

Johann Hartklug seufzte. Er spürte wie seine Hände feucht wurden.

Frau Meier stöhnte schon beim Anlegen der Steigeisen. Sie hatte große Probleme sich zu bücken.

Beide Knie waren über die Jahre in Mitleidenschaft gezogen worden.

Premium-Athrose, nannte das von Gallenfels.

„Kommen sie Herr Hartklug, ich setze auf sie. Drei Wochen haben sie mir nun jeden Tag

von ihren Heldentaten im Annapurna-Gebirge erzählt, jetzt können sie zeigen,

was sie drauf haben. Sie werden doch nicht kneifen,oder?“

„Ich kneife nie!“ tönte Johann Hartklug.

„Sind sie sich da so sicher?“ fragte von Gallenfels.

 

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Wenn einer eine Reise tut :XIII Zum Mittelpunkt der Birne IX

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Manche machten gute Miene

zum bösen Spiel.Pyrenäen2

Sie hatten sich völlig verausgabt,

wollten es aber nicht zugeben.

Sie scherzten, sie wiegelten ab.

Andere beschworen das große Ziel.

Es zog sie magisch zum Gipfel.

Ihre Augen glänzten, wenn sie nach oben schauten.

Dort schien die Belohnung zu warten.  Dort mussten sie hin.

Ob sie konnten oder nicht.

 

Diese Expeditionsteilnehmer, das wusste von Gallenfels, gefährdeten den Aufstieg der Seilschaft.

Sie wollten mehr sein, als sie tatsächlich waren. Es war ein Zwang, wodurch auch immer gespeist,

er war stark und unberechenbar in seinen Auswüchsen.

Bei diesen Unternehmungen hatte von Gallenfels zwei Herausforderungen vor denen

er Respekt, ja manchmal Furcht hatte. Es war der Aufstieg und es waren die Zwanghaften.

An beiden Erscheinungen ließ sich kaum etwas ändern.

Man konnte nur eine andere Route, einen anderen Zugang versuchen zu finden.

Dann musste man wählen und sich entscheiden.

Entscheidungen wurden durch Steinschlag und Wetterstürze beschleunigt.

Das konnte manchmal sogar gut sein.

 

Die Natur hatte mehr Kraft als jeder Mensch,

einen Einspruch wirksam zu plazieren.

Da hatte von Gallenfels schon einiges erlebt.

Wenn es von oben dicke kam, wurde so mancher Sunnyboy,

der in Salewa und lockeren Sprüchen vollverkleidet war, plötzlich blass und schweigsam.

Das dämliche Grinsen, das Gefasel von Heldentaten war urplötzlich beendet.

Aus der große Fresse wurden ein kleinlautes Mäulchen, welches wimmerte.

Dann war es gut, weil es nicht zu spät war.

 

Die Natur hatte eine Tür geöffnet und nun konnte von Gallenfels den Raum betreten,

der zuvor eisern verschlossen war.

Die starre Maske zerbrach. Und was dann zum Vorschein kam, das hatte von Gallenfels

schon manchen kalten Schauer über den Rücken getrieben.

Da waren die Abgründe im Gebirge wesentlich leichter zu bewältigen,

denn sie waren relativ stabil in ihrem Dasein, sie waren nach Erfahrung und Ermessen

recht gut kalkulierbar.

Ein Sunnyboy, den es aber gerade aus der Wand gehauen hatte und der verletzt an

beschädigtem Seil über 1000 Meter Abgrund baumelte und nach seiner Mutter schrie,

der erforderte alles an Einsatz und Erfahrung, welche man sich in einem langen

Bergsteigerleben erarbeiten konnte.

Das waren Grenzbereiche, Sonderzonen.

Betrat man solche Bereiche, geriet man in sie hinein, das wusste von Gallenfels,

gab es zwei Maxime: Ruhe bewahren und handlungsfähig bleiben.

Das waren die Anforderungen an die Seilschaftsführung, die nicht immer erfüllt werden konnten.

Auch von Gallenfels hatte über die Jahre bitteres Lehrgeld bezahlen müssen.

Dennoch war er der Bergsteigerei treu geblieben.

Sein Naturell hatte sich zu einer Art Berufung entwickelt, die sich in dieser Profession manifestierte.

Er hatte sich irgendwann dafür entschieden. Dann formte er das Gebilde und wurde geformt.

Es gab unzählige Facetten, aber es gab auch eine Struktur.

„Legen Sie die Steigeisen an!“ rief von Gallenfels. „Wir werden uns nun auf den Weg machen!“

 

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Wenn einer eine Reise tut :XII Zum Mittelpunkt der Birne VIII

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Vielleich würde es seine letzte Expedition sein,                       Pyrenäen_Wolkenbild

dachte von Gallenfels.

Zuviele Dinge hatten sich verändert.

Neben der fast totalen Technisierung,

hatte sich auch die Landschaft verändert.

Und die Kundschaft ohnehin.

Ihnen mangelte es an good spirit, so nannte das von Gallenfels.

Aber er sprach nicht darüber und er würde es erst wieder tun,

wenn ihn dieses Gefühl ergreifen würde.

Eine Berührung reichte nicht aus. Da war er misstrauisch geworden.

Zuviel hatte er gehört und nichts war passiert.

Es erschien ihm auch so, dass mehr Geschwätz als jemals zuvor unterwegs war.

Er deutete das als Zeichen von Verunsicherung, als eine Flucht nach vorne,

bis zu den Gipfeln der Absurditäten.

Dahin hatte uns also der Fortschritt gebracht, dachte von Gallenfels.

Ob es jemals wieder besser würde, die Aussichten darauf, schätzte er als gering ein.

 

Manchmal dachte er, er würde niemals mehr vom good spirit sprechen,

niemandem mehr von seinen Erfahrungen und Erlebnissen erzählen.

Er würde seine Steigeisen an den Nagel hängen und sich ein kleines Domizil suchen.

Irgendwo an einem Bergsee am Rande des Waldes, mit einem Ausblick auf ein Gebirge

seiner Wahl. Und dieses Gebirge würde nicht allzu weit vom Meer entfernt sein,

das war seine Vorstellung, sein Wunsch, sein Traum.

Sein Wille war es noch  nicht. Erst hatte er diese Seilschaft nach oben zu bringen.

Und vielleicht käme nach dieser Seilschaft noch eine weitere.

Aber es würde nicht mehr viele geben, das wusste er und das war auch sein Wille,

der sich mehr und mehr formierte und konkretisierte.

Der Wille wuchs wie ein kleines Kind, das wusste von Gallenfels.

Und dieses Kind würde er, so gut er vermochte, beschützen.

Das war er nicht nur diesem Kind schuldig, das war er allen Kindern schuldig,

die man versucht hatte zu brechen …

 

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Wenn einer eine Reise tut :XI Zum Mittelpunkt der Birne VII

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Die Qualität der Seilschaft,                                    Alpen

entschied über das Fortkommen,

dachte von Gallenfels.

Er lag am Rande der linken Herzkammer

und schaute Richtung Speiseröhre.

Wie würde man den Einstieg schaffen?

Manchmal gab es gleich zu Anfang Verluste, weil sich die Leute nicht konzentrierten.

Sie wollten schnell rein und wieder raus. Aber so funktionierte das nicht.

Wie oft hatte von Gallenfels ihnen das erklärt und dennoch wusste er,

wenn es drauf ankam, war alles Gehörte und Gesagte wie verflogen.

 

Die Schnelligkeit führte zur Unachtsamkeit und die Unachtsamkeit oftmals zur Schnelligkeit.

Es gab Expeditionsteilnehmer, die waren erstaunlich schnell im Setzen

von Handgriffen, waren flink mit ihren Füßen, aber sie zogen den dritten Part

zuwenig in Betracht, nämlich das, was über ihnen oder generell jenseits von ihnen geschah.

Sie waren regelrecht fixiert auf ihre nächste Umgebung. Dort funktionierten sie glänzend.

Aber schon zehn Meter weiter, endete ihr Radius der Aufmerksamkeit,

was nicht hieß, dass sie über keine Antizipation verfügten.

Sie antizipierten falsch. Und dabei war die adäquate Vorwegnahme möglicher Ereignisse,

eines der wesentlichen Elemente auf solch einer Expedition.

 

Von Gallenfels dachte an den Spruch aus Kindertagen:

„Alles Gute kommt von oben!“

Das war in diesem Falle anders.

„Halten sie sich immer nahe der Wand! Und achten sie darauf, dass ihr Seil nicht zu straff gezogen ist“,

rief er.

„Sie müssen flexibel bleiben!“

Die Seilschaft nickte allzu gefällig. Das behagte von Gallenfels nicht.

Schnelle Zustimmung, das wusste er, hatte keinen Wert. Ganz im Gegenteil.

Sie täuschte über Vieles hinweg, genauso wie Schweigen ja nicht bedeutete,

dass keine Meinung vorherrschte oder sich konstituiert hatte.

Es kam zu keiner Äußerung, aber es war etwas da, was man vielleicht von außen nicht erkannte,

was aber dennoch wirkte.

 

Jeder Charakter unterschied sich in vielfacher Hinsicht, dachte von Gallenfels.

Und jede Expedition war anders.

Auch er musste jedes Mal von Neuem beginnen. Im Laufe der Jahre fiel ihm

das zunehmend schwerer. Die Frische war verlorengegangen, die Neugier gewichen.

Er schien alles zu kennen, aber dieses Gefühl durfte nicht die Oberhand gewinnen.

Dadurch konnte er andere und sich selbst in Gefahr bringen.

Auch er musste trotz langer und vielfältiger Erfahrungen offenbleiben.

Es gab Kombinationen, die waren selbst ihm nicht bekannt und das würde

bis zu seinem Ende so bleiben…

 

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