Die  Reise ist eine Baustelle.                                           Zeltlager

Man schaut in die Schränke,

man schaut in den leeren Koffer.

Wie wird das Wetter?

Was nimmt man mit?

„Kofferpacken“ – ein altes Kinderspiel

zur Verbesserung der Merkfähigkeit.

Auch für Erwachsene geeignet, für Senioren sowieso.

Wie ein aufgescheuchtes Huhn gehts durch die Wohnung:

Was ist schon drin, was kann noch weg, was muss noch mit?

Gut, wenn man sich selbst mitnimmt.

Aber was nimmt man von sich mit?

Diese Frage fällt zumeist dem Zeitdruck zum Opfer,

dem Diktat des Faktischen, dem was sichtbar ermittelt werden kann.

Badelatschen mitnehmen!

Kaum etwas ist schlimmer als mit nackten Füßen in einer

von Schimmelpilz befallenen Duschwanne zu stehen.

Natürlich hatte man den neuen Bio-Urlaub gebucht, weil man auch

was für die Umwelt tun möchte, aber hatte das Kleingedruckte im Reisevertrag nicht gelesen.

Immer dieses Kleingedruckte.

Fünf bis zehn  Sätze Lockvogel, zwei Seiten Kleingedrucktes,

so klein geschrieben, dass selbst ein Habicht seine Probleme im Erkennen der Schriftzeichen hätte.

Und so hatte man eben nicht gelesen:

„Wir schützen die Schimmelpilze nach der Bio-Verordnung der Europäischen Gemeinschaft,

Aktenzeichen 24/ 6709, Teilerlass mit beschränkter Haftung von 1998,

erweitert in der Konferenz von Den Haag im Jahre 2002 ( Aktenzeichen 28 / 2301 )

Darin wurde wie folgt festgelegt, dass bestimmte Schimmelpilzarten schützenwert sind.

Näheres dazu erläutert das Naturschutzabkommen der Schengen-Staaten von 2001

in Oberschnurzbach, wo der Schimmelpilz auch als Freund des Menschen bezeichnet wurde.

Diese Ansicht wurde auch von der Heinz Sielmann Stiftung diskutiert, jedoch vom

Deutschen Bundestag wieder verworfen ( Bundessache: Aktenzeichen: 777 / 333 xy ),

nachzulesen im Bundesanzeiger auf den Seiten 467 – 628.

Und so wird aus dem Kleingedruckten schnell ein Semester Jura- und Politikwissenschaft.

Eigentlich wollte man nur verreisen, man wollte es sich mal so richtig gutgehen lassen.

Ausspannen. Entspannen. Wellness. Massage.

Und da scheitert es schon bei Beginn der Passage.

Alles wird plötzlich unheimlich kompliziert, so dass man

an Dinge vorab denkt, an die man eigentlich gar nicht denken möchte.

Katzenfutter? Herdplatte? Kaffeemaschine? Ehefrau? Geo-App?

Kabelsalat? Testament? Hundeleckerli? Reiserücktrittversicherung?

Bundesanzeiger? Toilettenbürste?

Simplify your life?

Wenn die anderen nicht mitmachen, hat man schlechte Karten.

Es geht los. Irgendwann geht es los.

Man steht vor einem Automaten, der wohl automatisiert,

aber nicht das, was man will. Und hinter einem eine lange Schlange.

Man dreht sich um. Sie schauen einen an.

Da sind sie, die Mitreisenden, die Mitmenschen.

Gesichter von Ungeduld zerfressen, Gehirne unter Druckluft,

dass man mit ihr einen Fesselballon aufblasen könnte.

Und dann kommt auf dem Display des Automaten die Meldung:

Error!

Please try it again …

 

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