„The daily travel.                                     Marseille_Plateau

The voyager discovers,

what he never expected“,

sagte einst Jack Burnpiper.

Und John Lennon sang:

„Surprise Surprise!“

Wollte man noch entdecken, noch überrascht werden?

Sah man die Möglichkeit des Neuen?

Reisen konnte so erfrischend sein.

Die Bildung bekam man frei Haus.

An jeder Ecke konnte man was entdecken, welches sich irgendwie unterschied,

einen aufregte und in Spannung versetzte.  Ja, das konnte auch bedrohlich wirken, aber eigentlich nur

auf dem Wochenmarkt von Accra, Mogadischu oder Aleppo.

Dort gab es  keine „Bild“-Zeitung.

„Scheiße!“

Die eigene Identität wurde verunsichert, wenn nicht gar erschüttert.

Es fehlte einem sozusagen das Standbein, das Meinungsgerüst, die klare Perspektive.

Das lag aber nicht nicht nur am billigen Blättchen, am nicht Vorhandensein

der Volksposaune, nein, es lag auch an fehlenden Gerüchen und  fremdartigen Klängen.

Man vermisste die Drogerie an der Ecke, die Bäckerei, den Aldi, den Zeitungsladen,

den Bekleidungsdiscounter …etc.

Und was war mit der kleinen Kneipe in unserer Straße, die uns so vertraut war?

Dort, wo man fast täglich zusammensaß, wo man Fußball rund um die Uhr schauen konnte,

dort, wo uns ein Herr Strunz nochmal die Geschichte mit der leeren Flasche erzählte.

„Ganz großes Kino!“

Alles das fehlte in Accra, Mogadischu und Aleppo.

Wie konnte man so leben? Das ging eigentlich gar nicht.

Bei 45 Grad im Schatten Tomaten verkaufen, Handtaschen und Munition anpreisen.

Es ging um die Ananas, es ging um Bananen, es ging um Orangen.

Die Früchte des Lebens.

 

Man hatte geerntet und geangelt, nun wurde gehandelt.

Man sprach über Piraten, Yamaha-Motoren und Öltanker.

Man schaute zum Meer und fürchtete sich.

Aber vor wem fürchtete man sich?

 

Als Reiseweltmeister hat man seine Verpflichtungen.

Man musste sich dem Titel würdig erweisen, musste der Welt zeigen,

dass man auch etwas wagt, dass man Botschafter einer grandiosen Kultur ist,

eine Bereicherung, eine Erweiterung, ein Segen.

„Wir werden zu euch kommen! Harret aus!“

Und dann kamen wir mit schicken Kreuzfahrt- und Kriegsschiffen,

die so feierlich die Küsten bevölkerten, dass Kolumbus es gerne gesehen hätte.

Welch erhebender Anblick.

Da kommt der Weltmeister!

Ach, Weltmeister.

Blumenkränze für den Weltmeister.

Heute Mogadischu und übermorgen Madagaskar.

Nicht die Pest, sondern Schätze hatte man an Bord.

Fürstliche Abendkleider, Smokings, Fliegen aus indischer Seide.

Die Schuhe glänzten. Naturleder vom Hornochsen.

Dazu High Heels, die einen Takt vorgaben, dass es einen an Marschmusik erinnerte.

Es waren diese geordneten Verhältnisse, die einen glücklich machten,

wenn man nach dem Markt in Accra, Mogadischu und Aleppo,

wieder den klimatisierten Reisebus bestieg.

Es tat so gut, wieder heimkehren zu können…

 

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