Manche machten gute Miene

zum bösen Spiel.Pyrenäen2

Sie hatten sich völlig verausgabt,

wollten es aber nicht zugeben.

Sie scherzten, sie wiegelten ab.

Andere beschworen das große Ziel.

Es zog sie magisch zum Gipfel.

Ihre Augen glänzten, wenn sie nach oben schauten.

Dort schien die Belohnung zu warten.  Dort mussten sie hin.

Ob sie konnten oder nicht.

 

Diese Expeditionsteilnehmer, das wusste von Gallenfels, gefährdeten den Aufstieg der Seilschaft.

Sie wollten mehr sein, als sie tatsächlich waren. Es war ein Zwang, wodurch auch immer gespeist,

er war stark und unberechenbar in seinen Auswüchsen.

Bei diesen Unternehmungen hatte von Gallenfels zwei Herausforderungen vor denen

er Respekt, ja manchmal Furcht hatte. Es war der Aufstieg und es waren die Zwanghaften.

An beiden Erscheinungen ließ sich kaum etwas ändern.

Man konnte nur eine andere Route, einen anderen Zugang versuchen zu finden.

Dann musste man wählen und sich entscheiden.

Entscheidungen wurden durch Steinschlag und Wetterstürze beschleunigt.

Das konnte manchmal sogar gut sein.

 

Die Natur hatte mehr Kraft als jeder Mensch,

einen Einspruch wirksam zu plazieren.

Da hatte von Gallenfels schon einiges erlebt.

Wenn es von oben dicke kam, wurde so mancher Sunnyboy,

der in Salewa und lockeren Sprüchen vollverkleidet war, plötzlich blass und schweigsam.

Das dämliche Grinsen, das Gefasel von Heldentaten war urplötzlich beendet.

Aus der große Fresse wurden ein kleinlautes Mäulchen, welches wimmerte.

Dann war es gut, weil es nicht zu spät war.

 

Die Natur hatte eine Tür geöffnet und nun konnte von Gallenfels den Raum betreten,

der zuvor eisern verschlossen war.

Die starre Maske zerbrach. Und was dann zum Vorschein kam, das hatte von Gallenfels

schon manchen kalten Schauer über den Rücken getrieben.

Da waren die Abgründe im Gebirge wesentlich leichter zu bewältigen,

denn sie waren relativ stabil in ihrem Dasein, sie waren nach Erfahrung und Ermessen

recht gut kalkulierbar.

Ein Sunnyboy, den es aber gerade aus der Wand gehauen hatte und der verletzt an

beschädigtem Seil über 1000 Meter Abgrund baumelte und nach seiner Mutter schrie,

der erforderte alles an Einsatz und Erfahrung, welche man sich in einem langen

Bergsteigerleben erarbeiten konnte.

Das waren Grenzbereiche, Sonderzonen.

Betrat man solche Bereiche, geriet man in sie hinein, das wusste von Gallenfels,

gab es zwei Maxime: Ruhe bewahren und handlungsfähig bleiben.

Das waren die Anforderungen an die Seilschaftsführung, die nicht immer erfüllt werden konnten.

Auch von Gallenfels hatte über die Jahre bitteres Lehrgeld bezahlen müssen.

Dennoch war er der Bergsteigerei treu geblieben.

Sein Naturell hatte sich zu einer Art Berufung entwickelt, die sich in dieser Profession manifestierte.

Er hatte sich irgendwann dafür entschieden. Dann formte er das Gebilde und wurde geformt.

Es gab unzählige Facetten, aber es gab auch eine Struktur.

„Legen Sie die Steigeisen an!“ rief von Gallenfels. „Wir werden uns nun auf den Weg machen!“

 

Thanks for your support!

Spenden für dieses Schreib- / Fotoprojekt können Sie unter:

Stefan Dernbach LiteraTour

Sparkasse Siegen: BLZ 460 500 01

Konto: 330 707 662

 

Advertisements