Der Seilschaft sah aus,                                                       Brief_Blök_Herde_Popart_Dernbach

wie eine Truppe bunter Mainzelmännchen,

die dick verpackt in Schlechtwetterkleidung

sich auf den Weg

zu einem gefährlichen Kindergeburtstag machte.

Man war zweifellos aufgeregt, hippelte herum oder machte Witze.

Die üblichen Ablenkungsmanöver. Irgendwo musste die Anspannung hin.

Was würde beim Aufstieg durch den Kamin passieren?

„Sie bleiben dicht beieinander!“ rief Seilschaftsführer von Gallenfels.

„Niemand lässt seinen Nebenmann aus den Augen! Jetzt können sie zeigen,

was sie in den letzten Wochen gelernt haben.“

Fast alle nickten ergeben. Hier und da war ein Grinsen zu beobachten,

aber auch fester Wille zum Erfolg. Andere dachten daran, ob ihnen das Schicksal

wohlgesonnen sein würde, andere dachten an ihre Familie oder ihren Partner.

 

„Der Herr wird es richten!“ sprach Seilschaftsmitglied Jürgen Bruch aus Geilenkirchen.

Er war Militärpfarrer a.D. und betreute mittlerweile eine kleine Gemeinde

in Cloppenburg, wo er keinen leichten Stand hatte.

„Wir werden das schaffen!“ rief Johann Hartklug von Piepenhahn & Söhne.

Ausgerechnet der größte Egoist der Truppe, benutzte das Wort: „Wir!“

„Gut“, sagte von Gallenfels zu Hartklug. „Dann gehen sie voran und setzen die Haken

für die Nachkommenden. Bohren sie so tief sie können und dann rein mit Dingern.“

„Ich weiß schon“, sagte Hartklug. „Damals im Himalaya habe ich …!“

„Haben sie ihre Urkunde dabei?“ fragte von Gallenfels.

„Welche Urkunde?“

„Ihre Ehrenurkunde von den Bundesjugendspielen oder war es nur eine Siegerurkunde?“

„Ich hatte immer eine Ehrenurkunde!“ empörte sich Johann Hartklug.

„Leistungskurs Sport?“

„Ich habe sogar Sport studiert.“

„Wo?“

„An der renommierten Sporthochschule in Köln.“

„Dann haben wir ja einen Fachmann an der vordersten Front“, sagte von Gallenfels.

„Ich hoffe, sie haben ihren Abschluss nicht in rhythmischer Sportgymnastik gemacht“,

lachte von Gallenfels und klopfte Johann Hartklkug auf die Schulter, dass dieser fast

zwanzig Zentimeter im Boden versank.

 

Hartklug hatte sich über die Jahre ein dickes Fell zugelegt, was er aber gar nicht gut

vertragen konnte, das war, wenn jemand sich über ihn lustig machte.

Er hatte es immerhin zum Abteilungsleiter Ausland bei Piepenhahn & Söhne gebracht,

einem der größten Landwirtschaftkonzerne mit internationalen Niederlassungen

in Nigeria, Bhutan, der Ukraine, Rumänien und auch in Jacksonville in Australien.

Er hatte was aus seinem Leben gemacht, wie man so sagt.

Und das reizte von Gallenfels…

 

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