Es gibt Tage, da hat man morgens                                   Brille_Horror_Dernbach

keine Lust zum Aufstehen,

fühlt sich träge wie ein Sack,

dessen Inneres nicht mit Blumen,

sondern mit Steinen gefüllt ist.

Man erinnert sich an ein bekanntes Märchen,

schaut nach draußen und stellt fest, dass es regnet.

Der Himmel ist so grau wie eine Leiche.

Man drückt den Kopf tief ins Kissen, dreht ihn und schiebt die Hand drunter.

Es passt nicht, fühlt man. Es passt einfach nicht.

Also nochmal Kopf hoch und ausloten.

Gott, was für eine Anstrengung am frühen Morgen. Da hätte man auch fast aufstehen können.

Warum muss das Leben so eine Qual sein?  denkt man.

Und dann fängt man an nachzudenken.

Ist das Wort – MUSS – richtig gewählt?

Das Kissen liegt immer noch nicht richtig. Jetzt tut die Hand weh.

Wenn einem die Hand weh tut, kann man aber nicht nachdenken, denkt man.

Das Prozedere wird wiederholt.

Es kann doch nicht angehen, dass man nicht mal in der Lage ist,

sich richtig ins Bett zu legen.

Wie heißt dieser Spruch?

Wie man sich bettet, so schläft man.

An Schlaf ist nicht zu denken. Man bemüht sich, aber es gelingt nicht.

Mittlerweile liegt man besser. Also kann man zumindest etwas nachdenken,

obschon man lieber schlafen würde.

 

Grauer Himmel. Man fühlt sich verarscht.

Im Fernsehen hatten sie blauen Himmel angekündigt.

Man dreht den Kopf zur Seite, weil man diesen grauen Himmel nicht mehr sehen kann.

Er ist nicht mehr zu ertragen. Also weist man ihn aus, indem man versucht ihn auszublenden.

Das Sichtfeld wird geändert.

Aber plötzlich stellt man fest, dass der graue Himmel sich schon im Kopf befindet.

Er hat Besitz von einem ergriffen.

Das ist Wahnsinn, denkt man.

Was die Vorstellung so alles zu leisten vermag.  Was geht da oben ab?

Ein fast gesellschaftspolitischer Gedanke, so denkt man. Aber eigentlich wollte man gar nicht

an die Gesellschaft und die Gesellschaften denken.

Nun lag aber dieses Buch auf dem Nachttisch, es lag direkt im Blickfeld.

Man schaute auf den Titel: „Abgewirtschaftet – Warum unser Land verkommt und wer daran verdient“

Darunter prangt die Deutschlandfahne. Der Umschlag ist eindringlich gestaltet,

man könnte auch sagen: PLAKATIV !

Alles ist so plakativ, denkt man. Man kann scheinbar gar nicht mehr leben, ohne plakativ zu sein.

 

Das ist die Normalität. Ecken. Kanten. Balken.

Wahnsinn!  Wenn das die Normalität ist, was ist dann die Steigerung davon?

Hier ist noch nicht die Rede von den Spitzen.

Es geht nur um Millionen von Plakaten. Aber immerhin.

Jeden Tag aufs Neue. Was wird da alles rausgepfeffert.

Gott, würde man gerne schlafen. Aber es geht einfach nicht.

Man ist unruhig, aufgeregt, angespannt.

Vielleicht liegt das an den vielen Krimis? denkt man.

Das könnte doch sein, oder?

Ach, es kann viele Gründe geben, denkt man. Es werden ja nicht nur Krimis plakatiert,

auch Katastrophen und Skandale, die Entsetzen und Angst implizieren und injezieren.

 

Es gibt soviele Ängste, denkt man.  Deshalb kann man auch nicht schlafen,

sich nicht ausruhen, nicht einmal zurücklehnen.

Alles ist marode geworden und was noch nicht marode ist,

das wird marode gemacht oder zerfetzt.

Eine unglaubliche, aber ganz reale Dynamik, denkt man.

Sie ist sichtbar und unsichtbar. Und genau daraus entstehen Spannungen.

Wenn das Verhältnis von Sichtbarkeit und Unsichtbarkeit, in Schieflage gerät,

steigt der Spannungsbogen. Das trifft auch auf das Gehörte und Nichtgehörte zu,

das Gesagte und Ungesagte.

Unterm Strich denkt man, wenn das so ist, dann geht die Einheit in die Binsen.

Der Mensch fühlt sich nicht mehr integriert, nicht mehr als Teil von.

Aber wer ist er dann? Was bleibt dann übrig?

 

Martin Buber sagte einst: „Kein Ich ohne Du!“

Was bedeutet das? Wieder so ein plakativer Satz.

Manchmal kommt man sich selbst vor wie ein Plakat.

An anderen Tagen hält man Plakate hoch.

Und alle machen das irgendwie. Alle halten jeden Tag ihre Plakate hoch.

Nee, was gibt es da alles zu lesen, denkt man.

Das ist Wahnsinn!

 

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