Es gibt Tage, da will man nur noch weg ! Teil III

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Man sollte nur reisen, wenn man reisebereit ist.                                                      diabolo

Drücken wir es mal kitschig aus:

Reise mit Herz !

 

Ob man nun alleine, zu zweit oder sogar in einer Gruppe reist,

man möge innerlich bereit dafür sein.

Natürlich braucht man die nötigen finanziellen Mittel,

eine gewisse Ausstattung, aber wenn man im wahrsten Sinne des Wortes

nicht von seinem Reiseziel begeistert ist, dann sollte man es besser lassen.

Die Begeisterung schafft für einen kein Reisekatalog

und auch keine fette Geldbörse.

Es geht um die Identifikation mit dem Reiseziel.  Gibt es eine Art Ergriffenheit?

Ist man beseelt von Land und Leuten, wo man hin will?

Möchte man etwas erfahren von den anderen Menschen und deren Kultur?

Dafür muss man auf sie zugehen, sie fragen, sich mit ihnen austauschen.

„Wie siehst du die Welt?“

„Wie läuft das Leben hier?“

 

Ali Baba zehn Handtaschen zum Schnäppchenpreis abzukaufen,

sich bei Hugo Sanchez eine fette Wampe mittels Sangria anzusaufen

und Zanderfilet zu fressen als ob es kein Morgen gäbe,

das hat nichts mit Reiselust zu tun, eher mit Zivilisationsfrust.

Das große Fressen zu veranstalten, während andere darben und am Hungertuch nagen,

hat durchaus auch etwas mit Dekadenz zu tun, auch wenn dieses Wort

seit Guido Westerwelle, zu trügerischer Berühmtheit gelangt ist.

Man darf und sollte  durchaus von Reisekultur sprechen.

Nicht wenige denken bei diesem Wort zuerst an ihren Kulturbeutel,

in dem sich Rasierschaum, Zahnbürste, Haarfestiger und Nagelschere befindet.

Sie stehen vor dem Spiegel, zupfen sich die Nasenhaare,

aber erkennen weder sich selbst noch die anderen.

 

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Es gibt Tage, da will man nur noch weg ! Teil II

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Die einfache Art zu reisen,                                                                                       sete

auf Komfort und dem Modell – all inclusive zu verzichten,

entspricht nicht dem Zeitgeist.

Alles muss heutzutage dabei sein,

und das möglichst schnell und billig.

 

Speed-Travelling.

Drei Tage Ägypten, zum Mitternachtsshoppen nach New York,

Bauchtanzabend in Tunis, Mittagssause in Barcelona.

Schnell hin und noch schneller wieder zurück.

Kurz mal die andere Kultur sehen und befingern,

aber bloß nicht aufnehmen.

Das wäre dann des Guten zuviel,

denn man könnte vielleicht auf andere Gedanken kommen.

Der Kontrast könnte auch einige Fragen aufwerfen.

Schlimmstenfalls wäre das eigene Weltbild in Gefahr.

Wer bin ich? Was tue ich hier?

Und wer sind die anderen Menschen?

Sie leben auch, aber anders.

Dieses Andere weckt zwar Neugier, aber noch größer ist die Angst davor.

Also verbunkert man sich in einer Hotelanlage mit hohen Mauern darum.

Wenn nötig, ist der Fünf-Sterne Palast auch mit Stacheldraht verziert,

denn draußen lauern die Armen.

 

 

Die Zeiten, als Hippies noch mit Rucksack unterwegs waren,

und der Welt – Love & Peace – wünschten, ihre langen Haare auf dem Kailash

oder in Katmandu wehen ließen, das ist mittlerweile etwas fürs Museum.

Diese Art, Träume zu leben, ist ähnlich weit entfernt, wie der Mond von der Erde.

Das karge, einfache Dasein, hat seinen Sinn, seine Bedeutung, verloren.

 

Der Reisende fühlt sich nicht nur unwohl,

wenn er seinen Technik-Park aus Tablet-PC,

Smartphone, Minidrucker …etc., nicht an Bord hat,

ihm fehlt die grundlegende Sicherheit.

Man ist lieber permanent online und vernetzt, wenn auch nur virtuell.

Real ist man eigentlich gar nicht dabei, weil man keine Zeit hat.

Man ist ständig beschäftigt, läuft genauso auf Hochtouren, wie die Terrabytes

der Festplatten.

Suleika wird 300 mal beim Bauchtanz abfotografiert, man macht so viele Bilder

von den Pyramiden wie die Bauwerke Steine aufweisen.

In Barcelona wird das Mittelmeer in seine Einzelteile zerlegt.

Dann packt man es ein und ist stolz auf die fette Beute.

„Ich war am Meer!“ twittert man in die Welt.

 

Man klickt sich durch die Reise.

Ein Snapshot reiht sich an den anderen.

Aufnahme, Cut, Aufnahme Cut, Aufnahme Cut…

Am Ende ist man endlich wieder zu Hause.

Eigentlich war man nie weg.

 

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Es gibt Tage, da will man nur noch weg ! I

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Das Wetter ist beschissen, auf dem Brocken fällt Schnee          st_chely

und in Dreis Tiefenbach hagelt es Tennisbälle aus Eis.

Willkommen Ende Mai!

Willkommen im Siegerland!

Wollemonat.

Tonnenmonat.

Diesen herrlichen Monat, als solches  seit der Wetteraufzeichnung

verehrt, kann man wahrlich in die Tonne kloppen.

Schlittenfahrt durch den Mai!

„Et schickt!“

Nein wir sind nicht aus Zucker, auch keine Jammerlappen.

Aber wir leben nun einmal nicht in Grönland und unsere Heimat

heißt auch nicht Spitzbergen.

Und so gibt es dieser Tage reichlich Zwiesprache mit dem Wettergott,

mit Claudia Kleinert, mit Herrn Thiersch und Inge Niedeck.

Sven Plöger überschlägt sich in seinem Wetterstudio,

haut sich auf seinen kahlen Schädel, dem der Morgenfrost das letzte Haar weggefressen hat.

 

Wie nicht anders zu erwarten ist, sind die Leute mies drauf,

was im Siegerland keine Kunst, sondern Alltag ist.

Natürlich gibt es Ausnahmen, aber die bestätigen eben nicht die Regel.

Man schaut in Gesichter, die an Eisen- und Stahlskulpturen erinnern.

Gemeißeltes Leben mit Schweregarantie.

Da kommt es nicht von ungefähr, dass der Autor, der wohl im Siegerland lebt,

aber kein Siegerländer ist, an Frankreich denkt.

Zur linken Seite liegt ein Buch von Robert Louis Stevenson:

„Reise mit dem Esel durch die Cevennen“.

Die Cevennen sind auch ein hartes Pflaster, wird manch einer einwenden.

Das stimmt wohl.

Aber, wenn man sie durchreist hat, landet man am Mittelmeer

und nicht auf dem Westerwald.

 

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Es gibt Tage, da denkt man an Albert Camus IV

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Ob die Welt mehr oder weniger absurd                                               camus_absurde

heutzutage ist, verglichen mit Camus‘ Zeiten,

wer will das beurteilen oder entscheiden?!

Absurditäten hat und wird es immer zuhauf geben.

Albert Camus hat sich umfassend mit dem Absurden befasst,

jenem Zwiespalt oder Graben,

zwischen Individuum und Welt.

 

Der Geist, das Fleisch, die Emotion, sie sind sehnsüchtig.

Demgegenüber enttäuscht die Welt. Sie hält nicht, was sie verspricht.

Sie desillusioniert den Menschen, schlimmstenfalls grenzenlos.

Was übrig bleibt, sind Zyniker, hasserfüllte Menschen, taubstumme Gestalten auf zwei Beinen.

Unterschiedliche Formen und Arten von Autismus,

die den modernen Menschen einkerkern, fesseln und zugleich ausstoßen,

sorgen für Gefühle der Isolation und des Nichtverstehens.

 

Der Brückenschläge in die heutige Zeit, gibt es mehr als genügend.

Aber einfache Vergleiche, so würde wohl Albert Camus auch heute bezeugen,

verbitten sich. Was aber Camus auch heute einfordern würde:

„Lucidité“ –  mit klarer Sicht auf die Dinge, das Leben erkennen und aushalten.

Ohne Illusionen und ohne Tricks der Transzendenz, das Leben gelassen annehmen und leben.

Keine Frage, ein hoher Anspruch !

 

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Es gibt Tage, da denkt man an Albert Camus III

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Tipasa liegt in Algerien.                                                                                      camus_tipasa_nah

Und dorthin wollte Albert Camus zurückkehren.

In seinen Mittelmeeressays findet sich ein Text

mit dem Titel:

„Heimkehr nach Tipasa“

Es ist das Licht des Mittelmeeres, es ist eine Kultur,

die sich deutlich unterscheidet von den Zentraleuropäern.

Letztere haben laut Camus auf der ganzen Linie versagt.

Und um das deutlich zu machen, bittet er als Kontrast

die alten Griechen auf die Bühne seiner Betrachtungen.

Mythen und Götter, geben dem Menschen eine Richtung, unterweisen ihn,

zeigen ihm seine Grenzen auf.

Die Zentraleuropäer aber, haben Gott getötet. Ihnen geht es nur noch um Macht und eigene Größe.

Das beschrieb Albert Camus bereits 1954.

In diesem Jahr erschien „Heimkehr nach Tipasa“ in Paris.

Und in seinem Buch „Der Fall“ lässt er Clamens sagen:

„Kennen Sie übrigens Griechenland? Nein? Um so besser.

Was hätten wir dort schon zu suchen? Wir müssten reinen Herzens sein…“

 

Die Zentraleuropäer sind aber nicht reinen Herzens.

Sie haben nicht nur andere Völker okkupiert und kolonialisiert,

sie haben auch laut Camus die Schönheit verbannt.

Kalte, gesichtslose Städte, kalte, charakterlose Menschen.

Im Vergleich zu der Kultur der alten Griechen, entbehren die Zentraleuropäer jeglicher Würde,

Schönheit und Maß.

Wo früher Gott oder Götter waren,

an diese Stelle haben sich die Zentraleuropäer selbst gestellt.

 

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Es gibt Tage, da denkt man an Albert Camus II

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„Licht und Schatten“, so heißt eines seiner Werke.                            Camus_herzfrieden_nah

In diesem Grundthema, findet sich so gut wie alles,

wodurch die menschliche Existenz geprägt ist.

Vielleicht kann man sagen, je heller die Ausstrahlung,

umso dunkler der Schattenwurf;

das auch auf den Menschen bezogen,

was aber in der Regel negiert wird.

 

In Algier hat Camus das vorgefunden,was man Schönheit und Schrecken,

des Menschseins nennen kann.

Die Jugend, so sah es Camus, ein an Lebenslust und Lebensdrang,

nicht zu überbietendes Dasein. Leidenschaft, Schönheit, Prahlerei und Erotik.

Unter dem sonnengefluteten Himmel von Algier, beobachtet er den Tanz

auf dem Vulkan, bis er erlischt.

Das geschieht mit der Heirat in jungen Jahren und der Ankunft der Kinder.

Die Jugend endet schlagartig. Von nun an, dreht sich alles nur noch um

Arbeit und andere Formen der Existenzsicherung.

 

Albert Camus kannte das Viertel Belcourt wie seine Westentasche,

der Stadtteil der einfachen Leute, die man auch gewöhnlich als klein bezeichnet.

Tatsächlich, so Camus, sind es gerade diese Menschen, die wahre Größe zeigen,

denn das Leben in diesem Viertel von Algier, ist erbarmungslos und trostlos.

Es gibt eine „Straßenmoral“, die sehr eigenwillig und überschaubar ist.

Keine langen philosophischen, literarischen Traktate, sondern ein funktionables,

prägnantes Gesetz aus Ehre, Stolz und Treue.

Das  Glück der Jugend war kurz und heftig.

Alles was danach kommt, ist Kampf, ein Ertragen und Aushalten.

Aber dennoch ist es Heimat, mit der man sich verbunden fühlt.

Es gibt Menschen, die sich lieben, zueinander stehen, und damit werden Gewissheiten

geschaffen, die dem Herzen einen Frieden angedeihen lassen.

Inwieweit er dann tatsächlich gedeiht, ist eine andere Frage…

 

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Es gibt Tage, da …

2 Kommentare


Es gibt Tage, da radelt man                                         Tagebuch_camus_freiheit

im Sonnenschein durch das Siegerland,

und entdeckt die Schönheit der Natur.

Würde es hier weniger regnen, ja …

Aber es fällt hier mehr Regen als in London,

so besagt es eine Aufzeichnung und darum zieht

es mich auch immer wieder in den Süden…

oder dorthin, wo die Sonne scheint.

Hin zum Licht, hin zur Wärme !

Dazu passt auch gut Albert Camus mit seinem Text:

„Hochzeit des Lichts“.

 

Der in Algerien aufgewachsene französische Schriftsteller meinte einst:

„Einige Städte aber, die das Glück haben, am Meer zu liegen –

und unter ihnen Algier -, öffnen sich dem Himmel wie

ein Mund oder eine Wunde.

Was wir in Algier lieben, gehört allen:

das Meer an jeder Straßenecke, die Lichtfülle, die Schönheit der Rasse.“

Die Wärme lässt den Menschen sich entfalten. Er blüht auf, gedeiht,

fühlt sich wohl.

Das Licht lässt die Farben tanzen. Es gibt eine Vielfalt an Kontrasten.

„Das Land (…) begnügt sich zu geben, und zwar im Überfluss“, so Albert Camus.

 

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