“Hochzeit des Lichts” Albert Camus II

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„Wir gehen der Liebe und der Lust entgegen“,                             Kiss_double

so steht es auf Seite 10 bei Albert Camus.

Die Wirren und Leiden des Krieges vergessen,

die Kämpfe beenden, nicht als Resultat von Müdigkeit,

sondern das Ergebnis eines Reifeprozesses, der zu

neuen Blüten führt.

„Wir suchen weder Belehrung noch die bittere Weisheit der Größe.“

Bei Albert Camus sind keine Ratschläge zu finden. Mit Behauptungen hält er sich auf angenehme Art und Weise zurück,

bis auf wenige Ausnahmen. Dieser Mann, dieser Autor, hatte zuvor nicht wenige Steinbrüche des Lebens

erfahren, beackert und gesehen. Er war selbst ein Teil dieser bitteren Realitäten, die ihn aber nicht haben bitter

und abweisend werden lassen. Sowas fällt nicht vom Himmel, wird nicht geschenkt, sondern ist das Ergebnis

von Arbeit, klarer Beobachtung und Entscheidungen. Und Albert Camus war ein guter Beobachter.

Ohne die Realitäten um ihn herum zu verleugnen, zu missachten, gibt er schon eingangs seines Buches,

zu Beginn seiner Reise, die Richtung vor:

„Sonne, Küsse und erregende Düfte – alles Übrige kommt uns nichtssagend vor.“

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„Hochzeit des Lichts“ Albert Camus I

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Es ist der Versuch einer Vermählung.                                         Palme_Dernbach2011

Es ist das Ende mehrerer Wege.

Und es ist zugleich eine Geburt,

die wahrlich unter Schmerzen stattfand.

Mehrfachs geboren und gestorben,

abgeschliffen von den Erlebnissen und Gezeiten,

erlebt Albert Camus erneut Algerien, sein Geburtsland.

In mehrfacher Hinsicht empfindet er die Stadt Algier, Dschemila, Tipasa.

Eine erbarmungslose Sonne, eine gnadenlose Hitze, ein bezauberndes Licht.

Die pure Intensität des Daseins, inklusive des Verfalls und  Sterbens.

Albert Camus ist kein Schriftsteller der Illusionen, noch ein Mann der gewaltigen und überschäumenden Sätze.

Er legt eine Ernüchterung an den Tag, die der Landschaft ähnelt, durch die er reist.

Camus sieht die Sandkörner, hebt sie auf, schaut sie an und überlässt sie dann wieder dem Wind.

Kein Festklammern, kein Behaupten, kein Versuch der Kontrolle. Die Kämpfe sind vorüber,

er sieht die Wunden, die Verletzungen, das Elend und die Einsamkeit. Alles das war schon längst in ihm vorhanden,

hatte er oft genug erlebt, um es sehen und verstehen zu können. Und vielleicht deshalb war er auch fähig,

die Schönheiten dieser Landschaften, das überschäumende Leben der Jugend geniessen zu können.

Ein Genuss ohne Naivität, ohne banal zu sein.

„Die Hochzeit des Lichts“, ist eine tiefsinnige Beschreibung algerischer Menschen und der Landschaft,

in der die Hoffnungslosigkeit nicht in Resignation mündet, sondern in verschiedenen Formen

der Stille, des Ertragens und der Würde.

Es gibt keinen Gott, so Camus, der schützend die Hand über einen hält.

In Algerien und an vielen anderen Orten dieser Welt, leisten sich die Menschen keine Mythen, keine Poesie,

keine Gemälde, weil ihre Umgebung gnadenlos ist. Nach einer kurzen und intensiven Blüte der Jugend,

wird das Dasein zur Last. Die Schönheit, die Erotik, die Leidenschaften, sie werden schon nach wenigen Jahren

zerrieben, zersetzt und geschmolzen. Es gibt keine Wiederkehr, ausser für gut betuchte Menschen,

die es in jedem Land gibt. Aber auch sie haben ihren Preis zu zahlen. Niemand kann sich den Grundbedingungen des

Lebens entziehen, gleich wo und wie er lebt. Was sich unterscheidet, ist der Ort, die Persönlichkeit, die Kultur.

Und es ist die ewige Natur, die die Menschen prägt und ihnen Bedingungen setzt. Albert Camus formuliert Sätze, über die

man lange Zeit nachdenken und sinnieren kann, ja, es vielleicht sogar sollte, wenn man ein Teil der Vielfalt von Leben

verstehen möchte …

 

„Hochzeit des Lichts“ von Albert Camus

Arche Literatur Verlag AG, Hamburg-Zürich

1954, 2010, 2013

Es gibt Tage, da …Teil II

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Es gibt Tage, da denkt man:                                        Paris_Flore2

Warum bekomme ich keinen Zugang? Was ist der Grund der Barriere?

Man meint, es gäbe einen Grund. Tatsächlich gibt es immer mehrere Gründe,

die einem häufig verborgen bleiben. In der Psychologie spricht man von der

black-box. Der Blick ins Gesicht, der Klang einer Stimme, die Inhalte, die Mimik, die

Gestik. Was ist mit der Art und Weise?  Es gibt viele Faktoren, die darüber

entscheiden, ob man einen Zugang bekommt. und welcher Art dieser Zugang ist.

Beziehung bedeutet nicht Zweibahnstrasse, sondern Mehrfachstrasse.

Auf sichtbaren und unsichtbaren Wegen unterwegs.

Was bedeutet es einem in Algier unterwegs zu sein?

Was bedeutet es einem, in Dschemila zu sein, was offenbart einem Tipasa?

Woher kam man, bevor man zum nächsten Ort ging? Die sprichwörtliche Herkunft ist nicht zu unterschätzen.

So kam Albert Camus aus Paris, ward aber geboren in Algerien, verbrachte dort seine Kindheit und Jugend.

Albert Camus wird aber häufig fälschlicherweise für einen waschechten Franzosen gehalten,

der den halben Tag im Café de Flor kaffeetrinkend und schreibend, sich dem savoir de vivre auslieferte.

Paris Paris! Was wird nicht alles mit dieser Stadt verknüpft?!

Mit Paris wird Albert Camus verknüpft. Und schon bekommt der Gedankenteppich ein schiefes Muster,

entstehen Löcher im Gewebe, die eine Verbindung verhindern und den Zugang blockieren.

Vielleicht träumte Albert Camus in Paris von der Liebe, aber auf eine ganz andere Art und Weise als Catarina Valente, Henry

Miller, Anais Nin oder Bill Ramsey.

Albert Camus träumte nicht von Pigalle, noch von der rue Saint Denis. Er sehnte sich nicht

nach dem Moulin Rouge, dem Alcazar oder dem Lido. Er wünschte sich zum Licht, hoffte auf eine erneute „Hochzeit des

Lichts“. Aber was bedeutete das? Wie war sein Licht, an welches er dachte?    Begehrte er, wünschte er,  hoffte er?

Konnte man vielleicht sogar von Verlangen sprechen? Oder war es eher die Süsse der Melancholie, die Trauer über den

Verlust? Albert Camus reiste nach Algerien …

Es gibt Tage, da …Teil I

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Es gibt Tage, da denkt man an Milan Kundera                                                       Camus_Dernbach_Kultur

und es gibt Tage, da denkt man an Albert Camus.

Es gibt Tage, da denkt man, man sollte nicht – man – schreiben.

Aber schreibt man – Ich – , fällt schnell das Wort „Egoist!“

„Für wen hältst du dich?“

Wenn diese Frage ernst gemeint wäre, dann könnte es ja interessant werden,

ist sie aber oft nicht. Sie ist nur eine kleine Ausgabe der üblichen Psychospielchen,

derer es eine grosse Auswahl gibt. Es wird sich nicht in Authentizität geübt, sondern im Vorwurf,

in der Demonstration eines peinlichen und unangemessenen Machtgebarens.

Der Vorwurf wird mehr oder weniger, subtil plaziert. Und damit wird Unfrieden gesät,

es wird mit Konfliktstoff gezündelt. Diese mehr oder minder niederträchtige Art, erwächst aus Macht und Ohnmacht,

Neid und Gier. Minderwertigkeitsgefühle werden plötzlich zu Überlegenheitsgefühlen transformiert.

Man trumpft gross auf, selbst in der Abwesenheit.

Ist man nicht da, hat man auch nichts zu bekennen, nichts zu verantworten.

Mehr oder weniger exklusive Rückzüge, sprechen aber trotzdem eine Sprache, unreflektierte Poltergeister sowieso.

Karl Krauss meinte mal, dass wenn die Sonne tief steht, selbst Zwerge lange Schatten werfen würden.

Es gibt Tage, da denkt man an Milan Kundera und Albert Camus. Wie heisst es so schön:“Die Mischung machts!“

Das Gewebe erkennen, die Muster entziffern. Als Albert Camus durch die Ruinen von Dschemila schritt,

hatte er diesen Prozess weitgehend hinter sich gelassen. Er gab sich dem Wind und der Geschichte hin.

Kein Widerstand, kein Aufbegehren, kein Versuch der Kontrolle.

Ein- und ausatmen, schauen, nicht sehen wollen, nur schauen und fühlen.

Aber war er weiter als Tomas bei Milan Kundera, als dieser nach Prag zurückkehrte?

Die Rückkehr in ein besetzes Land. Wofür? Für Teresa.

Die Zwerge werden wie immer schnell mit der Antwort unterwegs sein.

Und die Furchtsamen werden schweigen oder schreien …

Vorsicht Helikopter ! Teil VII

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„Ich möchte über Humor sprechen“,                                                    Countdown_Dernbach2011

sagte der Schulpsychologe und Präsident des Deutschen

Lehrerverbandes Josef Kraus, eingangs seiner Rede vor

Eltern und Kindern.

Die Zeiten sind kompliziert und rasant geworden.

Die technischen und wirtschaftlichen Entwicklungen, wachsen vielen

Menschen über den Kopf, erschrecken und verwirren sie.

Politik und Kirche, haben versagt und versagen weiterhin!, so das Fazit

vieler Menschen, die sich resigniert und frustriert von ihren einstigen Leit- und Flankengebern verabschieden.

Was folgt ist Wut, Trauer, Rückzug und und Niedergeschlagenheit. Beste Vorraussetzungen für Gewalt und Unglück.

In einer aktuellen Studie wurden deutsche Jugendliche nach ihrem Befinden befragt. Wie fühlt ihr euch?

 

Wie kommt euch das Leben in dieser, unserer Gesellschaft vor?

Ein beträchtliche Anzahl der deutschen Jugendlichen zog für sich folgendes Fazit: Wir fühlen uns unglücklich!

Die Frage darf nicht nur erlaubt sein, sie muss auch gestellt werden, warum das so ist? Woher kommt dieses

Unglücklichsein? Wir haben keinen Krieg, keinen Hunger, jeder hat ein Recht auf ein Dach überm Kopf und Essen.

Bildung wird unterstützt und gefördert. Es gibt Tafeln und Gutscheine für die Armen. Und wer nicht völlig blöd ist, kann

günstig bis kostenlos, ein Schwimmbad, eine Stadtbibliothek oder ein Kino besuchen. Musik auf Mp3-Playern gibt es

tonnenweise und mit dem Anschauen von Filmen, können die Kids locker ihr halbes Leben verbringen.

Also, warum fühlt sich ein beträchtlicher Teil der deutschen Jugend unglücklich?

 

In Anlehnung an Milan Kundera, könnte man von einer unerträglichen Schwere des Seins sprechen.

Leichtigkeit und natürliches Beschwingtsein: Fehlanzeige!  Humor? Spiel? Kreativität?

Alles das, setzt Offenheit voraus. Die Kanäle müssten geöffnet sein, damit das Leben fliessen kann.

Schaut man sich diese Gesellschaft an, dann gleicht sie eher einem Sumpf, einem einerseits maroden,

ruinösen, verlogenen Gebilde, andererseits einem sich rasant drehenden Karussell,

wo einem übel werden kann. Viele kommen nicht mehr mit, sind nicht mehr erreichbar noch ansprechbar.

Das ist so ungefähr das Schlimmste, was einem Menschen und einer Gesellschaft passieren kann.

Man redet nicht mehr, schottet sich ab, errichtet Mauern und ideologische Stacheldrahtzäune.

Das Leben ist keine Spielwiese mehr, sondern ein Gang durch ein Minenfeld.

Und wenn es ganz schlecht läuft, wird aus dem Gang ein Spurt!

Dabei kann man sich wahrlich nicht glücklich fühlen …

Vorsicht Helikopter ! Teil VI

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Wenn die „Spiegel“-Autorin Kerstin Kullmann                       zauberer_hoolahoop

die Vernachlässigung von Kindern beschreibt,

und dabei den Schulpsychologen Josef Kraus

zu Wort kommen lässt, werden einige Fragen

aufgeworfen und es stellen sich einige Fragen.

Worin besteht die Vernachlässigung?

Was sind ihre Folgen?

Vernachlässigt werden kann viel.

Die körperliche, die emotionale und die seelische Gesundheit des Kindes.

In dieser Trias spiegeln sich Handeln und Nichthandeln, Wärme und Kälte,

Nähe und Distanz, Bezug und Nichtbezug, Reden und Schweigen,

Anwesenheit und Abwesenheit.

In der Psychologie gibt des den gängigen Begriff der Präsenz.

Präsent sein, bedeutet da sein mit allen Sinnen.

In einer funktionalistischen, durch und durch spezialisierten Gesellschaft,

wird diese breit angelegte Art von Präsenz geradezu blockiert, sabotiert, sanktioniert und degradiert.

Es herrscht die Einseitigkeit.  Sie wird in einem Übermass praktiziert und diktiert,

dass oft einem die Luft zum freien Atmen fehlt.

Damit verengen sich die Räume, die Empfindungsräume, die Kommunikationsräume

und die Handlungsräume.

Es sind keine Spielräume, sondern Funktionsräume.

Wen wundert es da, dass ebenso die Erziehung von Kindern funktionalisiert wird,

die Kinder selbst werden zur Funktion…

Man verlangt von ihnen auf fast allen Ebenen, dass sie funktionieren,

wie ihre Erziehungsberechtigten, ihre Vorbilder und ihre Schreckensbilder.

Schlimmstenfalls wird schon die Kindheit zu einem „Killer-Spiel“…

Vorsicht Helikopter ! Teil V

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Die Kinder werden transportiert, kontrolliert,                                      Menschenwürde_popart_dernbach

gerettet und beschossen.

Beschossen?  Ja !

Von den eigenen Eltern oder was davon übrig blieb.

Die „Spiegel“-Autorin Kerstin Kullmann hat den Titel:

„Kampfauftrag Kind“ über ihren Artikel gesetzt.

Von wem kam und kommt der Auftrag?

Wenn der Auftrag erledigt ist, erhalten dann die Eltern einen Lohn,

ein Gehalt oder Honorar?

Über allem steht der Kampf!

Um es vorwegzunehmen: Kampf wird nicht immer honoriert, nicht einmal quittiert.

Der Kämpfe gibt es viele.

In einer zerfaserten Gesellschaft, wo sozialer Zusammenhalt kaum noch eine Rolle spielt,

nehmen die Kämpfe zu.

Und wenn man sich an Statistiken orientiert, die eher noch geschönt sind,

dann leben ein Fünftel der Bürger Deutschlands im Bereich der Armutsgrenze.

Dort werden keine Schönheitspreise verteilt und man sollte „das Kind beim Namen nennen“,

wie man so sagt.

An manchen Orten herrscht Krieg!

Manchmal fehlen einem die Worte  für das, was man erlebt.

Dann wählt man Worte, die unpassend oder nicht hinreichend erscheinen.

Gerne wird mit plakativen Vokabeln hantiert und das nicht nur in den Medien.

Auch in den Familien geht es barsch, verbal willfährig zu.

Dort haut man nicht mal einen, sondern ständig einen raus!

Es ist der real existierende Unfriede.

Die Autorin Kerstin Kullman erwähnte, soweit ich mich erinnere, nicht die Alleinerziehenden,

die einen grossen Teil der Erziehungsberechtigen ausmachen.

Bei ihnen ist der Druck besonders hoch. Und wo der Druck hoch ist, da bleibt vieles auf der Strecke.

Das Wort „Vernachlässigung“, welches im Artikel irgendwo auftaucht,

klingt geradezu harmlos für das, was man alltäglich live und in Farbe erlebt.

Es ist nicht nur der Kampf für, sondern auch gegen die eigenen Kinder!

Das mag man vielleicht nicht so recht glauben und äussern, aber die vermeintlich

Liebsten, die Goldstücke, die kleinen Herzileins, werden von ihren eigenen

Erziehungsberechtigen drangsaliert und attackiert.

Das Gros der Gesellschaft schaut dabei gerne weg.

Sie könnten auch ins Grundgesetz schreiben lassen:

Die Würde des Kindes ist antastbar!

Es würde kaum noch jemanden wirklich und wahrhaftig aufregen,

bis auf ein paar PolitikerInnen, die gerade Wahlkampf machen

für ihre Mandate, ihre Sitze und ihre Diäten.

Wenn es darum geht, sind sie sofort da und wollen helfen!

Danach hört und sieht man kaum noch etwas von ihnen…

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