Schwungvoll fuhr ich die steile Auffahrt zum Innenhof          planwagen_schild

eines hübschen Fachwerkhauses hinauf.

Um es gleich zu sagen, es wimmelt in Heid nur so

von Fachwerkhäusern, Balken, Grashalmen,

Traktoren, Pflügen, Katzen und Kunst.

Die Hunde sind friedlich.

Die meisten Menschen, die dort leben, auch.

Natur hat wohl eine beruhigende Wirkung auf die Seele,

die so gerne auch mal baumeln möchte, aber leider selten darf.

In Heid scheint das anders zu sein, auch weil dort Kunst eine wichtige Rolle spielt.

Kunst im Alltag, ist ein völlig anderer Ansatz,

als das Bestreben nach dem Besonderen oder Elitären.

Wenn Kunst zu schaffen, mit welchen Mittel auch immer,

täglich praktiziert wird, dann verändern sich nicht nur Einstellungen des Menschen,

sondern auch seine Gefühle.

 

Im Innenhof von Sir Jupp, waren als ich ankam, schon einige Leute

um ein Fass Kölsch versammelt. Jupp zapfte gerade ein frisches, kühles Früh,

jenes Bier, welches nicht nur in Köln gerne getrunken wird.

Ich gab nochmal Gas auf die letzten Meter und wurde begrüsst:

„Ja, ja, hast vorher am Dorfbrunnen noch ’ne Pause gemacht und

Dir noch ’ne Pille eingeworfen!“

Man schien mir diesen grandiosen Spurt zum Ende der Etappe nicht abnehmen zu wollen,

als ob sich Literat und Schnelligkeit, ausschliessen würden.

Diese Entschlossenheit zum Finale meiner Tour, hatte gleich zu Beginn des Wiedersehens,

für beträchtlichen Eindruck gesorgt. Gut, wir hatten uns schon eine Weile nicht mehr gesehen.

Welches Bild jeweils zuletzt in der Erinnerung beim Mitmenschen haften blieb,

das ist selten bekannt. Aber die Truppe von Sir Jupp ist nicht verlegen,

noch mangelt es ihr an Humor.

„Klar Leute!“ antwortete ich. „Ich habe hundert Meter von hier das Trikot gewechselt,

Magnesium, Calzium, Vitamine B5, B12 und die Farbstoffe E 412, 478 eingeworfen.

Eigentlich wollte ich ja freihändig hier hinauf fahren, aber …“

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