Die Heider Kunst-Tour

findet alle zwei Jahre statt.from_top

Ein Dorf präsentiert Kunst,

Musik & Literatur.

Im Mittelpunkt stehen die Künste.

Es war mittlerweile die fünfte Kunst-Tour,

die man auf die Beine gestellt hatte.

Diese 600 Seelengemeinde zieht 6000 Besucher an.

Aus der anfänglichen Schnaps- oder Würfelidee, ist über die Jahre

ein bekanntes Ereignis geworden, ein Magnet über die Region hinaus.

Aus dem Ereignis sind schon Freundschaften entstanden oder es

bestanden schon Freundschaften zuvor, die durch die Kunst-Tour

weiter vertieft wurden.

Jupp, den ich schon lange kenne, betrieb einst das Café Noir in Siegen.

Dort war ich Stammgast und hielt einige Lesungen.

Jupp brachte mit seinem Café frischen Wind in die Stadt.

Seine flotten Sprüche, erreichen höheres kabarettistisches Niveau,

und was bräuchte der Siegerländer mehr als alles andere,

die Leichtigkeit des Humors. Man muss nicht immer dicke Bretter bohren.

Es geht auch einfach, leicht und beschwingt.

In Norddeutschland setzt man Segel, im Siegerland fährt man Traktor.

In Kölle nimmt man sich eher liebevoll auf die Schippe.

Im Siegerland kloppt man mit der Schippe.

Jupp, den gebürtigen Kölner verschlug es zunächst ins Siegerland.

Da trafen und treffen schon zwei Welten aufeinander, die Kölner und die Siegerländer

Mentalität. Da ich selbst kein gebürtiger Siegerländer bin, weiß ich, was das bedeutet.

Meine Wurzel liegen in Rheinland-Pfalz und in Norddeutschland. In beiden Regionen jeweils

sehr nördlich gelegen, ergeben sich zwei Kontrapunkte, zwei Kontraste,

die, wenn sie auf die Siegerländer Mentalität treffen, zuweilen für allerhand Reibung sorgen.

 

Der Kölner Spruch: „Öt ös noch ömmer joot gejangen“, trifft nicht zu.

Wie in vielen Regionen, werden oftmals scharfe Grenzen gesetzt.

Eine Provinz will sich gegen die andere behaupten, durchsetzen, sie übertrumpfen,

mit oftmals kläglichen Ergebnissen.

Die Worte, ebenfalls in Köln beheimatet: „Leben und leben lassen“, die man auch in

Frankreich ansiedeln könnte, konnten im Siegerland, warum auch immer,

keine stärkeren Wurzeln ausbilden. Auf die Wittgensteiner schimpft man, sie seien Hinterwäldler,

auf die Olper hat man einen besonders scharfen Blick, vieleicht weil dort die Katholiken hausen.

Das Siegerland hingegen ist protestantisch. Was allen hingegen gemein ist, es gibt reichlich Wald

und Wiese, gutes Brot und reichlich Bier.

„Willste erst duschen?“ fragte Jupp.

„Ich nehm‘ erst ma en Kölsch! Durchatmen und langsam ankommen …“

 

Ich schaute in die Gesichter der Anwesenden und Ankommenden.

Den kenn‘ ich, der kommt mir bekannt vor, die habe ich doch schon mal gesehen,

der sagt mir gar nichts, der kommt aus Köln, der aus Aachen und auch die Pfalz war vertreten.

Es führte die Weinstrasse sozusagen direkt nach Heid. Neben Kölsch gibts bei Jupp auch immer

guten Dornfelder aus der Pfalz.

Der Mann ist vernetzt, würde man wohl heute sagen, aber ohne sich ums Internet zu scheren.

Seine Website ist nicht mehr als ein Bruchstück aus der Steinzeit, welches in Fragmenten

seine Kulturscheune beschreibt. Dazu bietet Jupp noch Wandern mit Eseln an.

Pilger. Wandern. Reisen.

Die Welt langsam und bewusst wahrnehmen, sich ihr nähern, sie entdecken.

„Tach Willi, Mensch lange nicht mehr gesehen!“

„Machste immer noch Radtouren?“ fragte Willi.

„Komme gerade aus der Südsee Dänemarks.“

„Alles mit dem Rad?“

„Nee. Zug und Rad in Kombination. Wir müssen ja keine Helden mehr sein.

das war mal mit zwanzig und so. Da wurde gekeult. Heute reise ich …!“

 

Mir fiel diese Band ein – „Wir sind Helden“.

Wie kann man sich nur so einen Namen geben …?!

Sie hätten sich auch – Wir sind Schildkröten – oder – Wir sind Schmetterlinge – nennen können.

Immer dieses deutsche Heldentum.

Exportweltmeister. Kegelweltmeister. Biertrinkerweltmeister.

Waffenverkaufsweltmeister. Kartoffelsuppenweltmeister, Dachlattenweltmeister…

Immer diese Weltmeisterei bis in die Unerträglichkeit hinein.

Diese Wir-sind-die-Besten-Krankheit.

Nachdem wir nicht Kriegsweltmeister wurden, müssen wir nun Eventweltmeister sein.

Eine lange Kette zieht sich da durch die Geschichte. Dieses angestrebte und verfolgte Primusdasein.

The first, the last, the everything…

 

„Tach Willi! Lange nicht mehr gesehen.“

Noch ein Willi. Mehr als drei Willis kann ich mir nicht merken.

Wer war dieser Willi, wo kam jener her…?

War Willi ein Künstler, ein Musiker oder ein Fischverkäufer?

Es gab auch einen Charlie, eine Roswita, eine Beate, eine Nicole, einen Bernd…etc.

Und dann tauchte plötzlich Joe, der Gitarrist auf. Oder hatte ich mich getäuscht?

Das Gesicht kam mir bekannt vor. Nur etwas passte nicht. Ich wusste aber nicht was.

Der Kerl kam doch aus Grünebach. Aber was hatte der denn mit den Kasachen zu tun?

Mindestens zwei Kasachen waren dort. Die kannte ich nicht.

Wo hatte Jupp die denn aufgetrieben?

Es sollte auch eine Französin unter den Gästen und Mitwirkenden sein.

Das interessierte mich natürlich besonders …

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