Nach Mitternacht hatten dann alle Beteiligten                                             perkussionskasten_sepia

der Session eine Erscheinung.

Die Band und beteiligte Sänger waren gerade

zu Höchstform aufgelaufen, da stand Herbergsvater Jupp

im Eingang der Scheune, dem es ganz offensichtlich an Lust

fehlte, „Auf der Reeperbahn nachts um halbeins“ mitzusingen.

Er sah ziemlich zerknittert aus, trug aber keinen Bademantel,

wie man das aus Filmen mit Jack Lemon und Walter Mattheau kennt.

„Könnt ihr mal den Riemen vom Traktor nehmen!!!  Es gibt Leute, die wollen schlafen!!!“

Ivan Jordanowicz schaute Jupp an. Dann schauten wir uns an.

Das war Jupp, der Kölner Poet, kurz, knapp und prägnant.

Aus seiner Sicht, der Paukenschlag zur rechten Zeit.

Selbst der Perkussionist Victor, schien für einen Moment seinen Gesichtsausdruck zu ändern.

Es wäre interessant gewesen, wenn man erfahren hätte, was er bei Jupps

nicht geplantem Auftritt gedacht hatte.

Wir würden es wohl niemals erfahren.

 

Augenblicklich herrschte Ruhe, wie damals  beim Schulausflug

in Berchtesgaden, als der Lehrer plötzlich im Zimmer stand

und wir nicht schnell genug die Kippen ausbekamen.

Man schaute sich gegenseitig betroffen an, aber es war klar,

wer im Besitz der Meinungshoheit war.

Als wir noch Schuljungen waren, ließen wir es auf zwei, drei Runden ankommen.

Aber nun im fortgeschrittenen Alter beiderseits, wurden die Gitarren eingepackt,

das Licht gelöscht und die Scheune geschlossen.

Am nächsten Morgen ab acht Uhr sollte es Frühstück geben,

denn um elf Uhr ging die Kunst-Tour los.

Dann würde der kleine Ort Heid gestürmt, berrannt, begutachtet.

Volksauflauf.

Es würden viele Besucher kommen, tausende von Kunst- und Bratwursthungrigen.

Die Wettervorhersage war ausgezeichnet.

Wir konnten mit Kaiserwetter rechnen…

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