Es gibt Tage, da denkt man an Milan Kundera                                                       Camus_Dernbach_Kultur

und es gibt Tage, da denkt man an Albert Camus.

Es gibt Tage, da denkt man, man sollte nicht – man – schreiben.

Aber schreibt man – Ich – , fällt schnell das Wort „Egoist!“

„Für wen hältst du dich?“

Wenn diese Frage ernst gemeint wäre, dann könnte es ja interessant werden,

ist sie aber oft nicht. Sie ist nur eine kleine Ausgabe der üblichen Psychospielchen,

derer es eine grosse Auswahl gibt. Es wird sich nicht in Authentizität geübt, sondern im Vorwurf,

in der Demonstration eines peinlichen und unangemessenen Machtgebarens.

Der Vorwurf wird mehr oder weniger, subtil plaziert. Und damit wird Unfrieden gesät,

es wird mit Konfliktstoff gezündelt. Diese mehr oder minder niederträchtige Art, erwächst aus Macht und Ohnmacht,

Neid und Gier. Minderwertigkeitsgefühle werden plötzlich zu Überlegenheitsgefühlen transformiert.

Man trumpft gross auf, selbst in der Abwesenheit.

Ist man nicht da, hat man auch nichts zu bekennen, nichts zu verantworten.

Mehr oder weniger exklusive Rückzüge, sprechen aber trotzdem eine Sprache, unreflektierte Poltergeister sowieso.

Karl Krauss meinte mal, dass wenn die Sonne tief steht, selbst Zwerge lange Schatten werfen würden.

Es gibt Tage, da denkt man an Milan Kundera und Albert Camus. Wie heisst es so schön:“Die Mischung machts!“

Das Gewebe erkennen, die Muster entziffern. Als Albert Camus durch die Ruinen von Dschemila schritt,

hatte er diesen Prozess weitgehend hinter sich gelassen. Er gab sich dem Wind und der Geschichte hin.

Kein Widerstand, kein Aufbegehren, kein Versuch der Kontrolle.

Ein- und ausatmen, schauen, nicht sehen wollen, nur schauen und fühlen.

Aber war er weiter als Tomas bei Milan Kundera, als dieser nach Prag zurückkehrte?

Die Rückkehr in ein besetzes Land. Wofür? Für Teresa.

Die Zwerge werden wie immer schnell mit der Antwort unterwegs sein.

Und die Furchtsamen werden schweigen oder schreien …

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