Es ist der Versuch einer Vermählung.                                         Palme_Dernbach2011

Es ist das Ende mehrerer Wege.

Und es ist zugleich eine Geburt,

die wahrlich unter Schmerzen stattfand.

Mehrfachs geboren und gestorben,

abgeschliffen von den Erlebnissen und Gezeiten,

erlebt Albert Camus erneut Algerien, sein Geburtsland.

In mehrfacher Hinsicht empfindet er die Stadt Algier, Dschemila, Tipasa.

Eine erbarmungslose Sonne, eine gnadenlose Hitze, ein bezauberndes Licht.

Die pure Intensität des Daseins, inklusive des Verfalls und  Sterbens.

Albert Camus ist kein Schriftsteller der Illusionen, noch ein Mann der gewaltigen und überschäumenden Sätze.

Er legt eine Ernüchterung an den Tag, die der Landschaft ähnelt, durch die er reist.

Camus sieht die Sandkörner, hebt sie auf, schaut sie an und überlässt sie dann wieder dem Wind.

Kein Festklammern, kein Behaupten, kein Versuch der Kontrolle. Die Kämpfe sind vorüber,

er sieht die Wunden, die Verletzungen, das Elend und die Einsamkeit. Alles das war schon längst in ihm vorhanden,

hatte er oft genug erlebt, um es sehen und verstehen zu können. Und vielleicht deshalb war er auch fähig,

die Schönheiten dieser Landschaften, das überschäumende Leben der Jugend geniessen zu können.

Ein Genuss ohne Naivität, ohne banal zu sein.

„Die Hochzeit des Lichts“, ist eine tiefsinnige Beschreibung algerischer Menschen und der Landschaft,

in der die Hoffnungslosigkeit nicht in Resignation mündet, sondern in verschiedenen Formen

der Stille, des Ertragens und der Würde.

Es gibt keinen Gott, so Camus, der schützend die Hand über einen hält.

In Algerien und an vielen anderen Orten dieser Welt, leisten sich die Menschen keine Mythen, keine Poesie,

keine Gemälde, weil ihre Umgebung gnadenlos ist. Nach einer kurzen und intensiven Blüte der Jugend,

wird das Dasein zur Last. Die Schönheit, die Erotik, die Leidenschaften, sie werden schon nach wenigen Jahren

zerrieben, zersetzt und geschmolzen. Es gibt keine Wiederkehr, ausser für gut betuchte Menschen,

die es in jedem Land gibt. Aber auch sie haben ihren Preis zu zahlen. Niemand kann sich den Grundbedingungen des

Lebens entziehen, gleich wo und wie er lebt. Was sich unterscheidet, ist der Ort, die Persönlichkeit, die Kultur.

Und es ist die ewige Natur, die die Menschen prägt und ihnen Bedingungen setzt. Albert Camus formuliert Sätze, über die

man lange Zeit nachdenken und sinnieren kann, ja, es vielleicht sogar sollte, wenn man ein Teil der Vielfalt von Leben

verstehen möchte …

 

„Hochzeit des Lichts“ von Albert Camus

Arche Literatur Verlag AG, Hamburg-Zürich

1954, 2010, 2013

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