Es gibt Tage, da denkt man an Albert Camus VIII

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Algier, so schrieb Albert Camus,                                                       Tagebuch_camus_freiheit

„verlangt klare sehende Seelen,

die keinen Trost brauchen“.

Die Armenviertel sind untröstlich. Sie sind brutal.

Jeder Tag ist ein Kampf ums Überleben.

Ohne Glaube überlebt man nicht.

Vielleicht vegetiert man dahin, zerfällt ganz langsam,

blüht nie wieder auf, wie einst in der Jugend.

Es herrscht ein Mangel an vielem.

Was bleibt?

Camus weiter zu Algier:

„Es will, dass man sich zu seiner Klarheit wie zu einem Glauben bekennt.“

Und so geschieht es denn auch. Eine radikale Umgebung erzeugt extreme Strömungen.

Der Gleichmut ist trügerisch, das Palaver auch.

Unter der Oberfläche ticken Zeitbomben, halbaktive Vulkane, die jederzeit ausbrechen können.

Hätten einige Politiker und Militärs, Albert Camus gelesen, sie wären vielleicht nicht in den Krieg gezogen.

Aber, da Politiker und Militärs, in der Regel dumm sind, nach Macht streben und hegemonial ausgerichtet sind,

ziehen sie blind in den Krieg, wollen erobern und ausbeuten.

Sie könnten es wissen, mit wem sie es zu tun bekommen. Aber sie schauten und schauen stets weg,

sei es aus Eitelkeit, Ruhmsüchtigkeit oder schlichter Dummheit.

Lügen tun sie alle. Informationen werden manipuliert und frisiert.

Und dann schickt man naive Sunnyboys in den Krieg, die dann ausrasten und mit modernster Militärtechnik

Cowboy spielen dürfen, bis ihr Konvoi in die Luft fliegt.

Es geschah im Namen der Freiheit, werden beide Seiten behaupten.

Nur argumentieren und interpretieren sie anders.

Wessen Freiheit? Um wessen Freiheit ging es?

Was für eine Art von Freiheit?

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Es gibt Tage, da denkt man an Albert Camus VII

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Fürchtet euch nicht – diese mögliche Botschaft                                                      Camus_klare_nennung_dinge

klingt heraus, schwingt mit, schreit auch manchmal

in der Stille von Dschemila.

Aus großartigen Bauwerken der Geschichte wurden Ruinen.

Aus Ruinen wurde wieder Stein, Sand und Staub.

Der ewige Wandel, frisst auch an den Heiligtümern der Macht.

Die Natur erledigt das Protztum, die Unbelehrbarkeit der Helden und Kriegsherren.

In Stein gehauene Göttinnen, werden vom Zahn der Zeit ihrer Schönheit beraubt.

Alles ist vergänglich. Das verdrängt der Mensch. Er klammert sich an irgendetwas,

sucht nach Bestätigung eigener Ansichten, Absichten und Hoffnungen,

strebt nach uneingeschränkter Regentschaft. Das ist Europa, das war Europa.

Aber so wird Europa nicht mehr sein.

Aus der Expansion wird ein rollback.

Was das anbetrifft, ist die Geschichte ein guter Lehrmeister.

Aber ein Menschenleben wird nicht ausreichen, um das Ausmass des Wandels

auch nur annähernd zu erfassen. Zu kurz ist die Zeitspanne eines Lebens.

Und somit ist die Schwierigkeit vorgegeben, welcher Sprache man sich angesichts der Vorgänge bedient?

Es gibt nicht viele Menschen, die befähigt sind, gut zu beobachten und die Beobachtung in exakter

Sprache auszudrücken. Dafür müsste man das Elementare immer wieder herausfiltern,

was wiederum Zeit bräuchte, die heutzutage niemand mehr hat. Es regiert der Zeitdruck.

Aber es ist nicht nur der Umstand des Zeitmangels, welcher zur Ungenauigkeit und Verzerrung der Tatsachen führt,

es ist auch der Mangel an Bildung. Wo es keine breite und tiefgehende Bildung gibt,

ist die Fehleinschätzung der Lage vorprogrammiert, fallen die Resultate entsprechend dürftig aus.

Einfachheit ist nicht gleich Einfachheit.

Es gibt die Einfachheit, die auf Dummheit gründet. Und es gibt Einfachheit als das Resultat eines langen Prozesses,

der nach tieferer Erkenntnis strebt…

Es gibt Tage, da denkt man an Albert Camus VI

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Worin besteht Reichtum, worin besteht Armut?                                                  camus_arme_sepia

Das Wasser glitzert in der Sonne, man nimmt kein Bad,

man leistet sich ein Bad, so erklärt Camus die Sprache

der Algerier. Die Jugend setzt aufs Fleisch.

Schönheit und Genuss. Eine kurze, heftige Blüte des Lebens.

Danach wird recht deutlich, der Abgesang eingeleitet und verwaltet.

Es gibt keine Klöster, keine Terrassen, keine Gemälde, keine Literatur, keine farbenreichen Landschaften.

Alles das, was vom Verfall ablenken könnte, fehlt.

 

Eine brutale Reduktion der Seinsmöglichkeiten

Die Hitze ist erbarmungslos, die Landschaft auch. Es fehlt an Arbeit und somit an Einkommen.

Dort ist es nicht die Entdeckung der Langsamkeit, es ist das Leiden an der Langsamkeit.

Nichts scheint sich zu bewegen. Eine Wüste des Lebens, gegen die nur das hohe Mantra der Wiederholungen

zu helfen vermag.

Wenn etwas Sicherheit suggeriert und teilweise schafft, dann sind es die Wiederholungen.

Sie setzen eine Struktur, bilden ein System. Ohne dergleichen, würde der Mensch Gefahr laufen, verrückt zu werden.

Ihm würde die Gnadenlosigkeit der Natur bewusst, die Aussichtslosigkeit der Gesellschaft, die keine Alternativen bietet.

Es gibt keine Spielräume, es gibt keine Fluchträume. Da bleibt nur der Glaube, der sich unter diesen Bedingungen

felsenfest ausbildet. Der Rest ist Palaver. Es gibt keinen Mythenreichtum wie in Europa, so Camus.

Diesen Luxus des Seins, hat die Sonne verbrannt.

Die harten Grenzen des Seins, führen in die Reduktion, leiten den Menschen in enge Bahnen,

zeigen ihm, was Sterben bedeuten kann und ist.

 

 

Es gibt Tage, da denkt man an Albert Camus V

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Wie lange braucht man,                                                                                                       camus_idee

um eine eigene Idee zu entwickeln?

Albert Camus meinte, unter zehn Jahren, wäre da nichts zu machen.

Also zehn Jahre schleifen, feilen, bohren, suchen, fragen, beobachten…

Was für ein Kontrapunkt zu den heutigen Gewohnheiten,

einfach mal schnell Behauptungen aufstellen, schnell mal ein Buch lesen

und dann behaupten, man hätte es und den Autor verstanden.

Aber was heisst verstehen?

Wer sich keine Zeit nimmt, wird auch nichts verstehen.

Demzufolge ist eine rastlose Gesellschaft, eine, die versucht, alle Prozesse zu beschleunigen,

auch eine dumme Gesellschaft. Der Zeitdruck sorgt für Ungenauigkeit und Oberflächlichkeit.

Es entsteht eine Zerfaserung, eine Fragmentierung. Skandale sind die scharfen Splitter,

die alltäglich wie Geschosse, auf die Menschen abgefeuert werden, bis es denen die Sprache verschlägt.

Die Medien geben bei diesem Desaster den Takt vor, die Digitalisierung verwandelt den Zirkus

in ein Irrenhaus. Der Wahnsinn kennt keine Grenzen, die Medien auch nicht.

Und mit dem Wahnsinn wird viel Geld verdient.

Das hätte sich Albert Camus nicht angetan, er wäre aus Paris geflohen und hätte in der Provence die Ruhe gesucht.

Aber, er hätte sich nicht zur Ruhe gesetzt. Er hätte das Desaster analysiert, und durchdacht.

Und er hätte es beantwortet…

 

 

 

 

 

 

Es gibt Tage, da denkt man an Albert Camus IV

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Die Albert-Camus-Festwochen sind eröffnet.                                                           camus_algierliebe

Wer da nicht alles mitfeiert?!

Es wird erinnert, verglichen, assoziiert.

Man kürt Camus zum Helden, zum philosophischen Übervater,

den wir dieser Zeiten vielleicht gut gebrauchen könnten,

dort wo es an Anstand, Würde und Richtung fehlt,

dort wo man sich nach Unbestechlichkeit und Wahrheit sehnt,

wie ein einsamer Wanderer in der Wüste, umgeben von fluglahmen Vögeln,

die nicht nur an Aas picken, sondern sich selbst gegenseitig auffressen.

Da fällt einem der Flug der jungen Sportler ein, deren Absturz in den Siebziger Jahren des letzten Jahrhunderts in den

Anden.

In Ermangelung von Nahrung, begannen sie ihre toten Kameraden aufzuessen,

um zu überleben.

Das war und ist Existenzialismus, wie ihn Albert Camus aufgegriffen, beleuchtet und hinterfragt hätte.

Es gibt Eis-, Sand-, Geröll- und Wasserwüsten. Wer dort leben muss, aus welchen Gründen auch immer,

der weiss um Grenzen und Grenzüberschreitungen, der weiss um Niederlagen und Entsetzen.

Das grausame Lied der Ohnmacht.

Albert Camus hat sich intensiv damit befasst, wie Menschen auf Erbarmungslosigkeiten reagieren.

Es gibt die verschiedensten Muster und Gewebe, die zeit- und epochenübergreifend sind.

Die Natur gibt die Bedingungen vor, der Mensch gestaltet sie im Rahmen seiner Möglichkeiten,

er begehrt auf, er revoltiert, er geht in die Knie, er verzweifelt, er verirrt sich, er versinkt im Treibsand.

Man sollte Albert Camus nicht einen oder zwei Tage feiern, um ihn dann wieder zu begraben,

wie es die Medien so tun.

Man sollte Camus auferstehen lassen.

Wir brauchen ihn mehr denn je …

Es gibt Tage, da denkt man an Albert Camus III

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Einige denken dieser Tage an Albert Camus.                              camus_zeitknüll

Da liegt „Die Zeit“, dieses dicke Stück Papier,

welches der Briefträger unsanft in den Schlitz

des Kasten gedrückt, gequetscht, gepresst hat,

endlich auf meinem Küchentisch.

Der Briefträger hat Albert Camus übel mitgespielt.

Der zweite Tod des Albert Camus?

Nein, der Briefträger ist und war, nur einer der Täter.

Es gibt auch Schreibtischtäter, es gibt ahnungslose Täter, es gibt unbewusste Täter.

Und dann gibt es Leute, die wissen ganz genau was sie tun.

Das reicht vom Briefträger bis zum Feuilleton.

„Der Mann, der uns Gott nahm“ – so lautet der Titel von Iris Radisch zum 100. Geburtstag von Albert Camus.

Und dann geht es weiter: „Er glaubte an nichts…“

Wenn Geschenke auf solche Art und Weise verpackt werden, dreht sich wohl der „Beschenkte“

posthum im Grab um.

Was wäre in Albert Camus vorgegangen, wenn eine angesehene Literaturkritikerin ihm solch einen Titel

zum Geburtstag geschenkt hätte? Wie hätte er geantwortet? Hätte er überhaupt geantwortet?

Vielleicht hätte Camus gar nicht weitergelesen?

Wahrscheinlich hätte er sich eine Kippe angesteckt und den Ofen vorgeheizt.

Es ist kühl dieser Tage. Man möchte es warm haben.

Irgendwie wirkt der Titel wie eine Beleidigung. Was hätte man alles für Titel setzen können!

Aber nun prangt dieser Titel auf dem Titelblatt, nicht einmal auf den hinteren Seiten,

wo man ihn übersehen, ja überschlagen könnte.

Hätte Frau Radisch nicht besser zitiert, wie sie es weiter hinten im Feuilleton getan hat?

„Er sagte: Hab keine Angst!“

Auch Titel können ängstigen, vor allem, wenn ein Gigantismus in ihnen steckt,

der geradezu erschreckt, denn Albert Camus hat mehr gegeben als genommen.

Aber das muss man erst einmal verstehen…

Es gibt Tage, da denkt man an BMW et al

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Waren es nun 690 000 Euro Spende, oder etwas mehr?                                                 Taubenkunst

Die Wahlplakate der CDU,

die Flyer für den „erfolgreichen“ Wahlkampf 2013,

sind nun allemal bezahlt. Die Familie Quandt machts möglich.

Man gab schon zu Hitlers Zeiten mächtig Gas, wie eine TV-Dokumentation

belegt. Bei den Enkeln, von Reue keine Spur. Was solls mit der Vergangenheit?

Die Zwangsarbeiter hatten halt Pech. Zur falschen Zeit am falschen Ort.

Die Maschinen müssen laufen, der Zweck heiligt die Mittel.

Und wo Krieg geführt wird, da fallen mehr als Späne.

Da fallen Menschen, Menschenrechte, Würde und Anstand. Alles geht in die Brüche, nur die Macht nicht.

Aber der Krieg ist schon lange vorbei, oder?

Jetzt ist man nobel. BMW – Bayerische Motorenwerke. Edel. Erfolgreich. Mächtig.

Und so nimmt Wirtschaft Einfluss auf Politik. Manche sagen: Wirtschaft kauft sich Politik.

Aber nicht nur die Politik, kaufen sich die reichen Leute. Sie kaufen sich ganze Länder und ihre Ressourcen.

Sie kaufen sich Richter, Staatsanwälte und Verteidiger. Wo kein Richter ist, da ist auch kein Kläger.

Und wenn es Widerstand gibt, dann wird geschmiert und abserviert.

Alles geschieht top-gekleidet, très chic, diskret und verschwiegen.

So werden Deal für Deal, durchgezogen. Das geschieht mit militärischer Präzision.

Die Politik wird zum Befehlsempfänger, zum korrupten Untergebenen,

der lächelnd in die Kamera heuchelt, wohlwissend, dass er bezahlt wird.

„Wir leben in einem Rechtsstaat.“

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