Die Albert-Camus-Festwochen sind eröffnet.                                                           camus_algierliebe

Wer da nicht alles mitfeiert?!

Es wird erinnert, verglichen, assoziiert.

Man kürt Camus zum Helden, zum philosophischen Übervater,

den wir dieser Zeiten vielleicht gut gebrauchen könnten,

dort wo es an Anstand, Würde und Richtung fehlt,

dort wo man sich nach Unbestechlichkeit und Wahrheit sehnt,

wie ein einsamer Wanderer in der Wüste, umgeben von fluglahmen Vögeln,

die nicht nur an Aas picken, sondern sich selbst gegenseitig auffressen.

Da fällt einem der Flug der jungen Sportler ein, deren Absturz in den Siebziger Jahren des letzten Jahrhunderts in den

Anden.

In Ermangelung von Nahrung, begannen sie ihre toten Kameraden aufzuessen,

um zu überleben.

Das war und ist Existenzialismus, wie ihn Albert Camus aufgegriffen, beleuchtet und hinterfragt hätte.

Es gibt Eis-, Sand-, Geröll- und Wasserwüsten. Wer dort leben muss, aus welchen Gründen auch immer,

der weiss um Grenzen und Grenzüberschreitungen, der weiss um Niederlagen und Entsetzen.

Das grausame Lied der Ohnmacht.

Albert Camus hat sich intensiv damit befasst, wie Menschen auf Erbarmungslosigkeiten reagieren.

Es gibt die verschiedensten Muster und Gewebe, die zeit- und epochenübergreifend sind.

Die Natur gibt die Bedingungen vor, der Mensch gestaltet sie im Rahmen seiner Möglichkeiten,

er begehrt auf, er revoltiert, er geht in die Knie, er verzweifelt, er verirrt sich, er versinkt im Treibsand.

Man sollte Albert Camus nicht einen oder zwei Tage feiern, um ihn dann wieder zu begraben,

wie es die Medien so tun.

Man sollte Camus auferstehen lassen.

Wir brauchen ihn mehr denn je …

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