„Ein Friedhof war unsere Kulturwelt  (…)                                                               Schreimaschine

umstanden von verlegenen und verlogenen Trauernden,

die viel dafür gegeben hätten, wenn sie an die Blechtafeln

noch hätten glauben können, die ihnen einst heilig gewesen waren.“

Der Steppenwolf schaut sich die  Bürger an, wie sie einen

Dichter nach dem anderen zu Grabe tragen, begleitet von

einem schaurigen Schauspiel und einer grausamen Mechanik,

die jedes aufrichtige Gefühl zunichte machen.

Man gibt vor betroffen zu sein, ist es aber in Wahrheit nicht. 

Kein echter Schmerz, keine echte Trauer, so denn auch keine echte Liebe.

Die Lebensmechanik siegt über das Gefühl.  Sie suggeriert Sicherheit und Gemeinsamkeit.

Ein Rädchen greift exakt ins andere, bewegt die Herde, stiftet Scheinidentität und suggestive Anteilnahme.

Das letzte Geleit für die Kultur, ist ein Stück fader Streuselkuchen, ordentlich gezuckert,

damit man nicht ahnt, wie schlecht seine Qualität ist.

Hermann Hesses „Steppenwolf“ würde in heutigen Zeiten von Facebook, Twitter & Co.,

sich ähnlich verwundet, verletzt und irritiert fühlen, wie einst.

Vielleicht wäre sein Ekel noch grösser, denn die heutigen Zeiten bieten weit mehr Möglichkeiten als jene, in denen

Hesse gelebt hat.

Eine neue Art von Gleichgültigkeit, Verlogenheit und Unheiligkeit, hat sich rasant ausgebreitet.

Von Mechanik des Lebens zu sprechen, erscheint weit untertrieben. Ein rasanter Irrsinn, man könnte es auch

Schwachsinn im wahrsten Sinne des Wortes nennen, ergreift alle Lebensbereiche.

Babylonische Illusionsgebäude schiessen jeden Tag aufs Neue massenhaft in die Höhe, um noch am selben Tag

wieder einzustürzen.

Es bleibt gar keine Zeit mehr für Besinnung und Trauer, noch für aufrichtige Anteilnahme oder gar Liebe.

Alles wird beklickt und weggeklickt, aufgesogen und ausgekotzt.

 

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