Ein Sammelsurium aus Täuschungen                                                                            lit_hands_steppen_nah

und groben Vereinfachungen,

inklusive Selbsttäuschungen,

so schaut „Der Steppenwolf“mehr auf die Welt als in die Welt.

Ein absurdes Theater, von vermeintlich normalen Menschen

aufgeführt:

“ (…) eine Vergewaltigung des Wirklichen zugunsten einer

plausiblen Erklärung“, so steht es bei Hermann Hesse.

Die Welt wird sich zurechtgebogen, weil sie anders nicht zu ertragen ist,

aber auch, weil der Bürger zu bequem, zu egozentrisch, zu ängstlich ist.

Man ist gut angepasst, scheut die wahrhaftige Selbstoffenbarung, scheut den Preis,

den man für Authentizität zu zahlen hätte.

Der artige Professor ist ein gelehrter Kriegstreiber, der Kriegsgegner an die Wand stellt,

zumindest geistig. Er denunziert, attackiert, beschmutzt, und zelebriert gleichzeitig den netten Mann

der vorgibt, an tiefergehender Kommunikation interessiert zu sein, womit das Geflecht der Lügen

den Anfang nimmt und sich immer weiter verzweigt.  Seine Frau macht gute Miene zum bösen Spiel.

Man benutzt sich gegenseitig, um halbwegs sicher und billig über die Runden zu kommen.

Das ist dem „Steppenwolf“, dem „Dichter, dem einstigen Freund der Musen, dem Weltwanderer,

dem glühenden Idealisten“ unerträglich. Er befindet die Maskerade als lächerlich, lässt sich dennoch ein Stück auf

sie ein, flüchtet aber später entsetzt und angewidert, ins Wirtshaus.

Die ihm vor die Füße hingeworfenen Schein-Brocken der Wärme, dieser garstige Schluck Liebe und Anerkennung,

versiegt wie das Wasser in der Wüste. Er schwankt zwischen Welt- und Selbstverachtung, schaut diesem nicht

ruhenden Pendel zu, welches schwer an seinem Halse hängt.

 

 

 

 

 

 

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