to write is to be XVIII

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Einst feierte sich die Netzgemeinde                                         Arundhati_roy

als große demokratische Bewegung,

als Vorreiter einer in die Realtität

umgesetzte Utopie.

Das Paradies schien zum Greifen nahe,

gelandet ist man in einem Alptraum,

der nun von einigen Aposteln dieser Bewegung

beweint und betrauert wird.

Mancher leistet sogar Abbitte, ob seiner grenzenlosen Naivität, wobei die Abbitte mehr nach Geschäft, als nach wahrer Erkenntnis riecht. Kapituliert hat da niemand, es wird nur der Spiess in die andere Richtung gewendet, weil die Naivität von der Realität im Eiltempo überholt worden ist.

Wie sollte im Internet eine neue demokratische Bewegung möglich sein, die die Welt zum Guten verändern würde? Wo sollten die Ordnungskräfte in einer globalen Informationstechnologie herkommen und auf welchem Wege sollten sie ordnen können, was da millisekündlich über die Datenautobahnen jagt? Die Apostel und ihre Jüngerschaft, die Gurus der Bits-&-Bytes-Generation, hatten zur Schulzeit offenbar weder am Politik- noch am Erdkundeunterricht, bewusst teilgenommen. Von globalen Machtverhältnissen und ihren Wirkkräften, hatten sie ähnlich viel Ahnung, wie der Wetterhahn auf dem Kirchturm von der Religion, die unter ihm praktiziert wird.

Freiheit wird nicht dadurch errungen, indem man ständig FREIHEIT kräht.

Nicht nur die Piratenpartei erfuhr, dass Realpolitik nach den Regeln von Machtverhältnissen funktioniert. Realpolitik findet auch im Internet statt, genauso wie Realwirtschaft. Die global player bestimmen, was, wo und wie passiert, und nicht ein paar Laptop-boys & Laptop-girls, die sich eine Demokratie zusammenträumen, die es weder vorher gegeben hat, noch nachher geben wird.

In diesen Zusammenhängen war manche Hausfrau wesentlich intelligenter, als die Display-Träumer und Internet-Gläubigen. Sie setzte sich an den Küchentisch, stellte die Spülmaschine an und schrieb einen SM-Roman, der zwar sprachlich unter aller Kanone ist, sich aber glänzend verkauft.

That’s life…

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to write is to be XVII

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Literatur beschreibt Leben,                               antenne_ball

ist Leben, veräußert Leben.

Ob es nun ein Krimi, ein Drama,

eine Komödie oder eine Satire ist,

das Leben zeigt sich von vielen Seiten.

An der Stelle ist der Schriftsteller gefragt und gefordert,

Farbspiele und Schattierungen zu entdecken,

Konflikte zu beschreiben, genauso wie Sehnsüchte, Nöte und Begierden.

Er wird zwangsläufig die Felder der Krankheiten und Wünsche bestellen und beackern, wird die Kollisionsmöglichkeiten von Ideen und Sein, in ihren Kräften und Gewichtungen, ausloten. Er wird sich die Scherben, die Steine, die Gräser und die Bäume anschauen, er wird den Flug der Vögel beobachten.

Alles ist in Bewegung, selbst der vermeintliche Stillstand.

Die Wiederholung ist niemals eine pure Wiederholung. Auch sie ist eine Transformation, weil die Zeit nicht dieselbe ist und der Raum auch nicht. Betrachtet man den Menschen und die Elemente, nimmt man sich die nötige Zeit, dann wird man Veränderungen wahrnehmen. Somit bedarf es beim Schreiben der Information und der Details, wohlwissend, dass es niemals eine komplette Zusammenschau geben kann.Sie kann komplex sein, aber niemals komplett.

Schriftsteller sind Seismografen, deren Antennen sich in zahlreiche Richtungen bewegen…

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to write is to be XVI

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Zu schreiben, ohne zu experimentieren,                        osterhase_dog

wird schnell zu einer öden Angelegenheit.

Wessen Geist nur stringenten Mustern folgt,

wähnt sich wohl in Sicherheit,

agiert aber nicht mit Lebendigkeit.

Wer sich nicht die Freiheit gibt,

in verschiedene Richtungen zu denken, produziert Langeweile für langweilige Menschen, baut Schubladen, die das Denken abschalten und einen subjektiven Grad der Dummheit verwalten. In einer Gesellschaft, die flächendeckend auf Dummheit setzt, finden solche AutorInnen reißenden Absatz, nicht weil sie so gut denken und schreiben können, sondern weil sie genau das befriedigen, was gewollt ist.

Die grobe Simplifizierung vielschichtiger Vorgänge.

Wir machen ihnen die Welt nicht so wie sie ist, sondern wie sie ihnen gefällt. Und wenn sie ihnen nicht gefällt, dann machen wir sie für sie passend. Das gleicht dann dem Modell der Pawlowschen Psychologie. Der Leser wird abgerichtet wie ein Hund. Mit einfachen Mitteln wird er konditioniert. Gibt es Leckerlies, rotiert das Hirn wie des Hundes Schwanz. Ertönt der Befehl zur Folgsamkeit, nimmt der Leser gedanklich einen Platz ein, auf dem er solange bleibt, bis Frauchen oder Herrchen, die nächste Anweisung gibt. Das kann in der Literatur Jahre dauern. Dass man so auf den Hund kommt, wie ein Sprichwort sagt, sollte eigentlich jedem klar sein, außer den Narzissten, die sich nur selbst sehen können und wollen.

Sie waren schon krankhaft ich-fixiert, bevor sie ein Buch in die Hand nahmen…

 

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to write is to be XV

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Man achte auf die Melodien der Sprache.                                            miller

Jeder Mensch verbreitet Melodien,

auch der, der schreibt.

Quasi, musizierende Schreiber der wilderen Art,

waren Jack Kerouac, Charles Bukowski und Henry Miller.

Was Kerouac anbetrifft, so gehörte er zu den Beatniks,

die den American Way of Life ablehnten.

Sie waren nicht scharf auf eine Spülmaschine, einen Toaster, einen Wäschetrockner oder einen Carport. Und das wollte schon etwas heißen nach dem Zweiten Weltkrieg, wo flugs der Verdrängungsprozess und die nächste Materialschlacht begann.

Es war die erste Spülmittel-Revolution.

Alles sollte gereinigt werden und sauber sein. Es gab Spülbürsten in den amerikanischen Nationalfarben. No stripes but stars. Die Chrom-Limousinen glänzten wie nie zuvor. Es waren die Holy 50’s, nach dem Flug der Enola Gay. Alles schien möglich. Und auf diesen Fortschrittswahn antworteten die Beatniks mit ihren Mitteln. Erwähnt werden sollte auch J.D. Salinger, der mit feiner, gut geschärfter Klinge, die amerikanischen Plastik-Hirne zum Tanz forderte. Es war keine Bitte, es war eine Antwort. Und es war eine Abrechnung, die Henry Miller schon in den 30er Jahren zelebrierte, mit seinem Buch vom klimatisierten Alptraum. Auf den ersten Seiten seines Buches – „Wendekreis des Steinbocks“, zerlegt er regelrecht den amerikanischen Fortschritt und beschreibt das Gruselkabinett und dessen Folterbänke. Miller arbeitete bei einem Großkonzern der Telegrafen-Kommunikation, dessen Fundament ein Botensystem war. Die Boten waren die Sklaven, die nach dem Prinzip hire & fire, in die Mangel genommen wurden. Man presste die Arbeitskräfte wie Zitronen auf den letzten Lebenstropfen aus, während die dickbäuchigen Bosse sich selbstgefällig dicke Zigarren anzündeten. Der Geldadel war gutgelaunt und fest entschlossen, mit dem Leben von Menschen Katz & Maus zu spielen.

Ihr vorrangiger Genuss bestand in der Weiterentwicklung des Sklaventums, nach Recht und Gesetz. Wo Letzteres nicht passte, wurde es passend gemacht.

Zu allen Zeiten gab es Schriftsteller, die die bestehenden Herrschaftsformen der Gesellschaft oder einer Gemeinschaft, kritisch beleuchteten und ihren Motivationen auf den Grund gingen. Dazu mussten sie keine Charaktere erfinden, die Realität bot genügend Figuren, um das Schlachtfeld zu beschreiben und zu sezieren…

 

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to write is to be XIV

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Schreiben hat auch immer etwas mit Heimat zu tun.                          camus_heimat

Man beheimatet sich im eigenen Kopf,

man ist entheimatet, man sucht Heimat,

man findet Heimat.

In der Möglichkeit der Erinnerung,

liegt Segen und Fluch zugleich,

kommt es zu Abbruch und Aufbruch.

Dem Ganzen liegt kein sentimentaler Heimatbegriff zugrunde, sondern das Ansinnen, eins mit der Welt zu werden, so wie sie ist. Zweifellos keine leichte Aufgabe. Aber genau darum ringen Autoren schon seit Jahrhunderten und tun es noch heute, sofern sie seriös sind. Sie kennen beide Seiten der Medaille, die Abspaltung und das Einssein. Nur so ist eine Zusammenschau möglich, welche ein Gemälde seiner Zeit ist, eine Tür zum Innen und Außen.

Idealerweise fließen Gedanken und Worte.

Von der Quelle bis zur Mündung, ist es ein langer, zuweilen beschwerlicher Weg. Odysseus und andere, lassen grüssen. Rilke, Hölderin, Heine, Hesse, Kafka, Walser, Benjamin, Zweig, Mann, Brecht, Feuchtwanger…etc. Sie alle wussten um Heimat, sie verloren sie auf die ein oder andere Weise und versuchten sie wiederzufinden. Einige kamen durch, andere scheiterten oder kamen um. Was auch immer auf ihren Wegen geschah, sie gingen ihren eigenen Weg so gut sie konnten. Manche hatten Glück, andere Pech. Den einen leuchtete ein Stern, den anderen verdunkelte der Schatten des Daseins den Horizont, manchmal war er sogar verbaut.

Manche flüchteten und gingen ins Exil, wegen unerträglichen Zuständen, weil der Geist nicht mehr frei atmen konnte. Zu groß war die Furcht, die Beklemmung, die Abwertung des Geistes, zu groß war die Bedrohung. Und es gab vielfältige Bedrohungslagen und Bedrohungsszenarien. Sie alle zersetzten das Gefühl von Beheimatung und somit das Gefühl von Sicherheit.

Es gab zahlreiche Verluste, die es unmöglich machten, einen Schöngeist hervorzubringen. Das Leben war alles andere als schön, es war ein Kampf …

 

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to write is to be XIII

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Humor kann ein Rettungsanker sein,                                              camus_absurd_sepia

der einem hilft, den Stürmen der Absurdität

und der Widersprüchlichkeiten,

standzuhalten.

Auf beiden Seiten bietet sich eine breite Palette an,

manchmal drängt sie sich auch auf.

Dabei sind die Absurditäten und Widersprüchlichkeiten,

dem Humor zumeist überlegen, was nicht selten dazu führt, dass der Humor verflacht, erkrankt und verödet. Allzu häufig wird in die unterste Schublade gegriffen, anstatt sich die Mühe zu machen, an eine obere zu gelangen. In den unteren Kästen ist der Zynismus, der geistige Totschlag, die Kasperade der Dämlichkeiten zuhause. In dieser Schublade haust die Notwehr, die Ohnmacht und die Isolation. Auf derbe und absurde Zustände und Entwicklungen, erfolgen ebenso geartete Antworten.

Ein simples Emo- Ping-Pong, vornehmlichst mit Schmetterschlägen ausgestattet, führt in die Sackgasse. 

Ihm fehlt die Kunstfertigkeit und die Kreativität. Sprach man früher von Originalen, also humorvollen Menschen mit eigenem Charakter, kann man heutzutage den Spruch eines italienischen Fußballtrainers  heranziehen:

„Flasche leer!“

Der Bodensatz ist geblieben, der einfache Griff in die unterste Schublade, ständig kopiert und unters Volk gekotzt und gegrunzt. Die Dämlichen sind erheitert, klopfen sich die Schenkel blau, und die anderen sind entsetzt und schockiert. Andere sagen sich:

„Jetzt feuern wir zurück!“

Wer am Ende noch lacht, bleibt offen …

 

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to write is to be XII

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Schreiben ohne Herz,                                                                             fünf10_cup_ballpen_herz

ist wie Suppe ohne Salz.

Aber nicht nur das.

Es fehlen auch die lebenswichtigen Vitamine

und Mineralstoffe.

Fragen Sie nicht ihren Arzt oder Apotheker,

befragen Sie sich selbst, wenn Sie jemals daran denken

etwas zu schreiben.

Was haben Sie wirklich zu sagen? Kommt es aus den Tiefen des eigenen Inneren?

Über wieviel Menschenkenntnis verfügen Sie?

Der Prozess läuft zwischen Ich und Du, zwischen Eigenwelt und Außenwelt. Wenn das Herz die Antriebswelle ist, werden sich die Ergebnisse vom Schreiben nach Zeitgeist, abgrenzen. Der Zeitgeist bedient Trends, das Herz Äonen. Somit ist das Schreiben mit Herz auch keine Kitschparade von Gedanken, denn der längere Lauf der Zeit, entbehrt nicht nur dem Kitsch, er wirft ihn über den Haufen. Es ist nicht das Ende der Romantik, aber sie steht nicht im Mittelpunkt, ebenso wenig wie ein staubtrockener Realismus, dem jeglicher Humor abhanden gekommen ist. Eine vermeintlich reine intellektuelle Leistung im Sinne des Schreibens, hat den Intellekt schon verwirkt, weil ihr die emotionale Intelligenz fehlt.

Wieviel Grundgefühle hatte noch der Mensch?

 

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