Es leben die Diskrepanzen.                               camus_diary_Künstler_Freiheit

Wer ernsthaft schreibt,

hat sich mit ihnen zu befassen,

wenn er etwas verstehen will,

wenn er etwas darstellen will.

Es gibt klassische Gegensatzpaare,

es gibt Widersprüche, es gibt Aufspaltungen. Da scheint es nicht übertrieben zu sein, von einer Borderline-Gesellschaft zu sprechen, deren Hauptmerkmale die Diskrepanzen und Gegensätze sind. Zwischen den Eckpunkten liegen tiefe Gräben. Wohl dem, der noch springen kann, der noch das Material hat, Brücken zu bauen. Was die schreibende Zunft anbetrifft, so kann man von sozialer Verantwortung sprechen, also die Mittel, die man hat, auch für das Gemeinwesen und dessen Erkennen, einzusetzen. Jedoch wird vor voreiligen Schlussfolgerungen gewarnt, wie auch vor einer Naivität, das Schreiben könnte die Gesellschaft im großen Stil verändern, sie tut es vielleicht hier und da im kleinen, überschaubaren Umfeld, wenn überhaupt.

Das ist zweifellos eine ernüchternde Erkenntnis, die zu der Frage führen kann:

„Warum soll ich überhaupt schreiben?“

Wo seriöse Geistesarbeit auf brutale Art und Weise entwertet wird, stellen sich die Sinnfragen. Warum Denken, in einer sinnentleerten Umwelt? Warum das Denken aufschreiben und womöglich veröffentlichen? Wer gibt schon gerne den einsamen Rufer auf der Müllhalde? Wer zieht in eine Schlacht ohne adäquate Waffen?

Der schreibende Windmühlenkämpfer sollte über eine gute Portion Humor verfügen, bei dem Schwachsinn, der ihn erwartet, auf ihn lauert und ihn bedroht. Als wären die eigentlichen Anforderungen des Schreibens nicht schon Arbeit genug, so sieht er sich mit einem Ausmaß an Oberflächlichkeit und Dummheit konfrontiert, die man auch die Diktatur des Banalen nennen kann.

Schaut man sich die Wesenszüge einer Diktatur an, dann weiß derjenige, der noch einen Funken Geist und Mitgefühl besitzt, welch enorme Gegensätze dort aufeinanderprallen. An diesem Kern scheiden sich nicht nur die Geister, hier wird der Kern an sich traktiert, attackiert und gespalten.  Selbst der seriöse Schreiber wird dann nicht mehr um das ein oder andere Bekenntnis herumkommen, was ihm eigentlich fern liegt. Aber bei Tatbeständen einer Diktatur, darf der seriöse Schreiber nicht schweigen, selbst wenn er mit tauben Ohren und verbundenen Augen zu rechnen hat und konfrontiert wird. Dem Banalen liegen Vorurteile zugrunde, und jeder, der sich eingehend mit Vorurteilen beschäftigt hat, weiß um deren betonierende Substanz.

Ihre Stabilität spottet jedem Bunker…

 

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