Es gibt Tage, da …II

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Zeitgeist und Herzensangelenheiten,   lebenhart

vertragen sich häufig nicht.

Schneller, höher, weiter,

oder die Kriterien „noch besser“,

„noch leistungsfähiger“, „noch tougher“,

überfordern einen beträchtlichen Teil der Menschen, sorgen für ein Klima, welches gekennzeichnet ist von Druck und Angst.

Seien Sie flexibel, austauschbar, anpassungsfähig und schnell. Multitasking oder alles auf einmal? Ein ständiger Wechsel der Ebenen, bei gesteigertem Tempo und gleichzeitiger Ausweitung der technischen Informationen und Anforderungen.

„Kann ich noch mithalten?“ – fragen sich viele Menschen.

„Bin ich genug wert, um anerkannt zu werden?“

Die Leistungsanforderungen, die Leistungskataloge, die Leistungskriterien, sind nicht nur umfangreich, sondern werden ständig weiter ausdifferenziert. Minutiös wird dokumentiert und festgehalten, was einem Menschen zusteht und was nicht. Dabei geht es nicht nur um Geld- und Sachleistungen, sondern auch um Zuwendung und Zeit. Das, was von oben verordnet und verortet wird, setzt sich in der Psyche der Menschen ab.

„Ihnen stehen 12 Minuten Gespräch pro Tag zu ! Das reicht !“

Erwartungshaltungen verändern sich, es entsteht eine neue Art von engem Anspruchsdenken, dem „die Oberen“, die diese Marschroute ausgeben, selbst nicht gerecht werden. Dafür gibt es alltäglich genügend Beispiele in Politik und Wirtschaft, aktuell beim Militär, bei den Medien sowieso, und im sozialen Bereich fatalerweise auch. Man meint zu bündeln und verknappt immer mehr, reduziert und baut ab, um die Leistungsfähigkeit vermeintlich zu erhöhen. Was man früher Erbsenzähler nannte, sind heute Fakten-Fetischisten, denen der Blick aufs Ganze abhanden gekommen ist.

Man handelt mit der Suggestion der Perfektion und perfektioniert die Suggestion

Schwächen sind nicht erwünscht, Fehler kann man sich angeblich nicht leisten. Und sollten sie doch einmal auftauchen, dann muss man sie verdrängen, verleugnen oder verstecken. Die Meute, welche auch immer, scheint stets auf der Lauer zu liegen, auf der Suche nach dem „Nicht-genug-wert“, nicht leistungsfähig genug oder dem wirtschaftlich-sozialen Faktor:

Zu teuer, sprich, nicht rentabel … oder zu langsam, zu weich, zu mitfühlend, zu hinterfragend,eben, viel zu gut für diese Gesellschaft…

 

 

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Es gibt Tage, da …

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Wenn die Blätter sich verfärben,

der nächste Wechsel

der Gezeiten ansteht,camus_dinge_Welt_sepia2

dann hält man vielleicht inne,

versucht wieder eine

Zusammenschau,

als Übung, das Wesentliche nicht zu verstehen,

aber doch in Ansätzen zu erkennen.

Dafür muss man zurückschauen, dorthin blicken, was war.

Erst danach folgen Abgleiche mit der Gegenwart, oder eben im Wechsel, so wie sich auch die Zeiten ändern. Vielleicht helfen einem bei dieser Zusammenschau Schriftsteller, die sich vor allem mit der menschlichen Existenz und der Natur, befasst haben. Deren Fokus lag und liegt, auf den Grundelementen und Grundgefühlen, also bei den Rahmenbedingungen des Menschen. Was bestimmt den Menschen? Wovon ist er umgeben?

Wie ist es mit den Zeitgeistern bestellt?

Siegen VII

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Brief – Letter – Lettre                           dernbach_letter_sepia

Es kommt die Zeit,

da werden wieder mehr Briefe

geschrieben.

Grau ist der Himmel,

kühl die Luft,

Regen fällt.

Vor die Türe geht man nur mit Widerwille. Einkehr halten, an wen denken? Wem sich mitteilen? Ganz klassisch auf Papier, bei Kerzenschein. Ein Hauch von Melancholie vielleicht? Auf jeden Fall sagt der Sommer: Adieu…

Was uns vom Sommer blieb? Was gab es in diesen Monaten? Nicht allzu viel Sonne, so erscheint es zumindest. Ständiges Umbruchwetter, Szenenwechsel en masse. Und genau deshalb setzt man sich hin und schreibt einen Brief. Das ist ein gutes Stück Literatur, wie es seit Jahrhunderten gepflegt wurde, ein Akt der Verinnerlichung und Klärung. Es wird in Ruhe betrachtet. Man nimmt sich Zeit und das bewusst.

Keine schnelle Tipperei auf ein Display, keine Ruckzuck-Gedanken, noch Sätze.

Minutenlang kann man über einen Satz nachdenken, ihn verändern, ihn erspüren. Und damit erspürt man nicht nur sich selbst, sondern auch die Empfängerin oder den Empfänger.

Es ist eine eigene Art von Poesie, es ist eine Reise durch  Gedanken- und Erlebenswelten, von Schönheit, aber auch Wagnis geprägt. Man stellt Fragen, macht Aussagen, erfühlt die eigenen Positionen und Richtungen, und das nicht ohne Zweifel. Ein Brief ist kein Behauptungswerk, sondern ein Gemälde. Solche Prozesse müssen reifen. Schau und Zusammenschau, in Ruhe und mit Zeit. Das ist verschriftlichte Wertarbeit, das ist Kunst, das ist Wertschätzung.

Ob man sich das heutzutage noch leisten kann?

Man sollte es …

 

Siegen VI

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Gegrillte, asiatische „Nachbar-Katze“, 140919asiatenkatze2

frisch serviert von „Bild“.

Das ist aufregender,

investigativer Journalismus,

wie ihn sich nicht nur

Karnevalsgesellschaften wünschen.

Auch die Gastronomie ist hoch erfreut,

zeigt sich dankbar,

für stets neue Rezeptvorschläge,

die von der Ideenschmiede des Staatsorgans kredenzt werden.

Kurz angebraten, mit einer Schärfe versehen, die selbst „dem Asiaten“ einen erstaunten Augenaufschlag beschert. Die Kochvereinigung „Alter Hase“ aus Vietnam, bestellte sofort ein „Bild“ – Jahresabo, in Laos wurde ein Gourmet-Guide  auf den Markt gebracht: „Year of the Cat“. Thailand gedenkt eine Katzenhaftpflichtversicherung einzuführen und in Kambodscha gibt es seit gestern einen Katzentanz als Table Dance. Seitdem gehen in den Nachtclubs nicht mehr die Lichter aus.

Nur die chinesische Führung zeigte sich wenig amused, was da im wahrsten Sinne des Wortes, von „Bild“ als Schlagzeile unters Volk geworfen wurde. Man verfasste eine Protestnote, ob sie abgeschickt wurde, ist bisher nicht bekannt. Aus internen Kreisen der chinesischen Führung war zu erfahren, dass bei weiterer Diskriminierung und Verunglimpfung, man in Erwägung ziehen würde, Truppen zu schicken. Man wolle aber die Verhältnismäßigkeit der Mittel noch einmal abwägen und möglichst präzise antworten.

Denkbar wäre auch ein Einsatz der neuen chinesischen Drohne „Wilder Kater“.

Derzeit würden noch die Luftaufnahmen vom  „Bild-Hauptquartier“ in Deutschland ausgewertet, so ein Sprecher des chinesischen Verteidigungsministeriums.

„Wir sprechen von Krise!“ – so Herr Wung Fu.

Der „Asiate“, sei eine üble Form der Suggestion, die nicht hingenommen werden könne, so empörte sich auch der Geschäftsmann Bruce Tea aus Hongkong. Er würde fortan weder Schweine, Rinder, Lämmer, Rehe, noch Hasen, aus Deutschland importieren. Für den wirtschaftlichen Schaden, den der deutsche Handel dadurch erleiden würde, übernähme er keine Verantwortung.

Die chinesische Gazette „Offener Koffer“ aus Peking, holte denn auch sofort zum Gegenschlag aus:

„German Attack ! Deutscher besteigt chinesisches Schwein!

Danach gab es Sauerbraten.“

 

Siegen V

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„Das waren noch Zeiten…“,                            group_sit

so hört man einige Leute reden,

der ein oder andere,

beschwört sogar,

wie schön es damals war.

Anstatt im Jetzt zu leben,

denkt man rückwärts, verklärt, demonstriert und vergisst dabei wesentliche Details.

Prinzipiell kann man in jede Richtung denken, sofern man es kann.

Das nennt man dann Meinungsfreiheit, Esprit oder die Lust an der Kommunikation. Lustvoll miteinander reden, sich austauschen und ergänzen, ist so ganz anders, als das Behaupten und sich über den anderen Menschen stellen. Gelegentlich fragt man sich, woher letztere Antriebskräfte rühren?

Hin und wieder, ist die Rede vom Teamgeist.

Das Team sei der Star. Ja, wenn es so wäre, dann müsste sich reziprokes – sprich wechselseitiges Verhalten – ausmachen lassen. Jeder gibt, jeder nimmt…und das wird nicht verrechnet. Werner Schneyder meinte mal, der Fehler sei es, in Gefühle zu investieren anstatt sie zu verschenken. Andere sagen, man bekäme im Leben nichts geschenkt. Letzteren Nihilisten möchte man gerne widersprechen, sofern sie einen lassen. KontrollfetischistInnen pachten jedoch die vermeintliche Meinungsfreiheit nur für sich, sind gar nicht gewillt, dialogisch, trialogisch, quattrologisch…zu kommunizieren, was ja auch nicht einfach, aber möglich  ist. Es ist auch gar nicht so schwer, sofern Wille und Lust, vorhanden sind. Wer aber Barrikaden errichtet, darf sich nicht beschweren, wenn nichts zu ihm dringt.

Es geht um Lebens- und Seinsmöglichkeiten…

 

Siegen IV

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Let the good times roll… oder                    altsatdtwg_i

man feiert die Feste wie sie fallen.

Verkaufsoffener Sonntag, oh Herr, in Kombination mit dem Altstadtfest. Da kommt man am Bahnhof an, schaut sich um: Menschenmassen, dekoriert mit ausgestellten Autos, Grillbuden und Infoständen. Sogar Schafe hat man herangekarrt. Arme Viecher.

Alles drängelt und schlängelt sich, bis in die Oberstadt. Geschickt durch die Gassen, entgeht man dann doch noch der Ameisenstrasse der Zweibeiner. Zwischenstation beim Café Planlos. Waffeln de Luxe, ein paar Zeilen in Georg Stefan Trollers „Pariser Esprit“ lesen und einen Kaffee nehmen. Durchatmen und dann weiter. An der Marienkirche wirds charmant, musikalisch und bewegend. Altstadtfest mit guter Laune. Das Wetter spielt mit, die Menschen auch.

„Das gibt es aber nur einmal im Jahr“,

bekennt eine junge Frau, die spontan auf der Terrasse ihres Hauses ein kleines Café eröffnet hat.

„Öfters sollte man das machen…“

Eine kleine Bühne, ein Musikduo mit Klassikern, dazu eine lustige Studenten-Wohngemeinschaft, die für Bewirtung und gute Laune sorgt. Man trifft Freunde und Bekannte, hält ein Schwätzchen und trinkt ein Bierchen.

Solch eine Art von Gemütlichkeit, lässt man sich gerne bieten…spricht über Gott und die Welt, beschwört den guten Geist der Kultur, welcher eben nicht durch Eventzirkus befördert wird, sondern durch individuelles Engagement und kreative Ideen. Sie gilt es zu unterstützen und zu entwickeln. Und das ist nicht primär eine Frage des Geldes, sondern der Einstellungen. Welche Arten im Vordergrund stehen, das lässt sich relativ schnell erkennen. Und ist man sich nicht sicher, so wirft man ein paar Kiesel ins Wasser des Geschehens und schaut, was passiert…?

 

 

 

Siegen III

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Wildwechsel und Briefwechsel,  Taube_HERBST2

zweifellos gibt es hier

mehr Wildwechsel.

Hirsche, Hornochsen,

Karnickel und Wildschweine.

Die Füchse halten sich für schlauer als sie sind,

die Kühe schauen etwas deppert drein.

In der Nachbarschaft spricht man von der Perle der Natur oder von Siegen-Wittgenstein. Das Sauerland grüsst von nebenan. Die Stahl- und die Holzwirtschaft, das sind die Trümpfe der Region, neben dem Siegerländer Schwarzbrot und dem derben rollenden „R“ und anderen Sprachvarianten, die so manchem Besucher schon die Schuhe ausgezogen haben.

Die Tauben sind eifrige Spaziergänger, mögen aber auch den Tiefflug. Das kann man auch einigen  Bürgern  bescheinigen, die gerne tief ins Glas schauen und über Gott und die Welt, Bescheid wissen. So geben sie auch ständig Bescheid, lieben die Behauptungen, die Anklagen, die Klagen und die Missgunst.

Ist es nicht überall so? – möchte mancher fragen… 

Nein!

Die Hügelketten sorgen für eine Art Eingeschlossenheit, die eben nur so, in Mittelgebirgen zu finden ist. Es ist eine closed area, mit entsprechenden Bestimmungsfaktoren. Enge. Mangel an Aussicht. Beschränkter Horizont. Das gibt die Natur schon vor. Und der Mensch passt sich freudigst oder notgedrungen an, wobei die Freude eher selten in den Gesichtern zu entdecken ist. Nein, es sind eher Varianten von Härte, die die erste Geige spielen.

Unbekümmert davon, ziehen die Tauben weiterhin ihre Kreise …

 

 

 

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