Brief – Letter – Lettre                           dernbach_letter_sepia

Es kommt die Zeit,

da werden wieder mehr Briefe

geschrieben.

Grau ist der Himmel,

kühl die Luft,

Regen fällt.

Vor die Türe geht man nur mit Widerwille. Einkehr halten, an wen denken? Wem sich mitteilen? Ganz klassisch auf Papier, bei Kerzenschein. Ein Hauch von Melancholie vielleicht? Auf jeden Fall sagt der Sommer: Adieu…

Was uns vom Sommer blieb? Was gab es in diesen Monaten? Nicht allzu viel Sonne, so erscheint es zumindest. Ständiges Umbruchwetter, Szenenwechsel en masse. Und genau deshalb setzt man sich hin und schreibt einen Brief. Das ist ein gutes Stück Literatur, wie es seit Jahrhunderten gepflegt wurde, ein Akt der Verinnerlichung und Klärung. Es wird in Ruhe betrachtet. Man nimmt sich Zeit und das bewusst.

Keine schnelle Tipperei auf ein Display, keine Ruckzuck-Gedanken, noch Sätze.

Minutenlang kann man über einen Satz nachdenken, ihn verändern, ihn erspüren. Und damit erspürt man nicht nur sich selbst, sondern auch die Empfängerin oder den Empfänger.

Es ist eine eigene Art von Poesie, es ist eine Reise durch  Gedanken- und Erlebenswelten, von Schönheit, aber auch Wagnis geprägt. Man stellt Fragen, macht Aussagen, erfühlt die eigenen Positionen und Richtungen, und das nicht ohne Zweifel. Ein Brief ist kein Behauptungswerk, sondern ein Gemälde. Solche Prozesse müssen reifen. Schau und Zusammenschau, in Ruhe und mit Zeit. Das ist verschriftlichte Wertarbeit, das ist Kunst, das ist Wertschätzung.

Ob man sich das heutzutage noch leisten kann?

Man sollte es …

 

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