Auf schmalem Grat – Reinhold Messner

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Grenzgänger                   

Foto: (c) Piper Verlag

Foto: (c) Piper Verlag

wecken unser Interesse,

sie werfen Fragen auf,

warum sie so sind?

Außerhalb der gängigen Ordnung

folgen sie einem eigenen System,

widersetzen sich und scheren aus.

Dafür braucht man Mut,

denn für das Verlassen gängiger Ordnungssysteme, bekommt man Gegenwind, womöglich Ablehnung. Das Neue schreckt, und das beide Seiten. Die Hintergründe bleiben häufig im Verborgenen, es sei denn, ein Grenzgänger macht Karriere. Dann folgt mediales Interesse und Suche. Das Anderssein wird plötzlich zur Begehrlichkeit und Sensation.

Reinhold Messner bezeichnet sich selbst als Grenzgänger und Abenteurer. Diesen Typ von Mensch reizt die Gefahr, das Erleben intensivster Gefühle. Bergsüchtig, so wie er oftmals beschrieben wird, sei er nicht, so Messner. Aber womöglich ein von Zwang bestimmter Wiederholungstäter, wofür seine stattliche Sammlung von Gipfelbesteigungen steht. Messner ist nicht nur Extrembergsteiger, sondern hat auch Expeditionen in verschiedenste Länder unternommen.

Die Begegnung mit Menschen anderer Kulturen, bedeutet einerseits Grenzen zu überschreiten, aber vor allem Grenzen zu respektieren und zu achten. Das Fremde weckt Interesse, wo bei anderen Menschen Unbehagen und Ablehnung entsteht, ob des Unbekannten. Die aktuellen Entwicklungen in der Gesellschaft zeigen das im Großformat. Xenophobie. Fremdenangst. Das Fremde schreckt, man grenzt sich deutlich ab, und das beiderseitig. Damit werden Chancen der Bereicherung leichtfertig vertan und aufs Spiel gesetzt.

Grenzgängerei ist kein Spiel

Sie verlangt Disziplin und Konzentration, Durchhaltevermögen und den Willen zur Entdeckung. Respekt vor dem Berg, Respekt vor dem Menschen. In kleinsten Schritten unterwegs, aber eben voran oder hinauf. Suche nach möglichen Wegen und Passagen, das aber nicht vorrangig alleine, sondern mit anderen geteilt. Die für eine Zeit gut gehüteten Geheimnisse, werden später als Erfahrung zur Verfügung gestellt. Wer tiefer in die Thematik einsteigt, wird deren Übertragbarkeit auf das Leben womöglich erkennen und nachspüren können. Hektik und Stress am Berg, wie auch im Leben als solches, können fatale Auswirkungen haben. Geduld ist gefragt, aber auch die Fähigkeit, Fehler korrigieren zu können, Routen zu ändern.

Zum Gipfel führt nicht nur ein Weg …

 

                                                                            Stefan Dernbach

Foto: © Piper Verlag 2014

„Über Leben“

Reinhold Messner

Malik / Piper Verlag 2014

ISBN 978 – 3 – 89029 – 450 – 6

Reinhold Messner ist zur Zeit auf Vortragsreise durch Deutschland,

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„Über Leben“ Reinhold Messner – Im Namen der Erfahrung

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Lebensrückblicke können ein Geschenk sein, besonders jene, wo die Protagonisten ein reichhaltiges und vielfältiges Sein anzubieten haben. Der Extrembergsteiger Reinhold Messner liefert in seinem Buch „Über Leben“ eine Zusammenschau, aber auch eine Positionierung seines Lebens. Gleich zu Beginn des Buches, erwartet den Leser ein Zitat von TSCHUANG-TSE:

Alle kennen den Nutzen des Nützlichen,

aber niemand versteht den Nutzen des Nutzlosen.“

( c) Piper Verlag

( c) Piper Verlag

Dieses Zitat ist ein Kontrapunkt zu der Entwicklung moderner Gesellschaften, die sich der Effizienz und der Versicherung verschrieben haben. Nutzen, ausnutzen und ausbeuten, steht auf ihren Fahnen geschrieben. Hinzu kommt ein höllisches Tempo. Diesem Modell, welches mittlerweile rundum digitalisiert und technisiert ist, steht Messner kritisch bis ablehnend gegenüber. Was heutzutage als Abenteuer verkauft wird, ist zumeist kein Abenteuer, weil stets mit Netz und doppeltem Boden inszeniert wird:

„Wild sein ist heute vielfach nur Attitüde“, so Messner.

Tatsächlich ist aus dem einstigen Abenteuer Bergsteigen ein Massentourismus geworden, der je nach Lage des Geldbeutels, bis ins Himalaya führt. Bergsteiger-Karawanen mit Rundumservice, ziehen die Gipfel rauf und runter.

Reinhold Messner ist in der Bergregion Südtirols aufgewachsen, welche heute noch seine Heimat ist. Der inzwischen Siebzigjährige blickt zurück auf sein Aufwachsen in einer kinderreichen Familie, die stets mit der Natur verbunden und traditionell ausgerichtet war. Tradition bedeutete Orientierung, aber auch vorgeschriebener Weg. Sie schuf Zusammenhalt, war aber auch von Strenge und Gängelei geprägt. Eine enge Spur, derer die meisten Menschen ihr Leben lang folgen. Messner bricht aus dieser Spur aus, will seine eigenen Erfahrungen machen. Sein Freiheitsdrang wirkt stetig.

Nach anfänglichen Wanderungen und Klettertouren mit den Eltern, beginnt der junge Messner mit seinen Brüdern und Partnern, einen Gipfel nach dem anderen in den Dolomiten zu erklettern. Der Lernprozess am Berg, ist ein Lernprozess fürs Leben. Es lauern Gefahren, die die Wachsamkeit und Vorstellungsfähigkeit ausbilden. Schon vor der Besteigung ist der Berg, die Route, im Kopf gezeichnet. Dennoch beinhaltet das Bergsteigen Risiken, die das Leben kosten können. Das ist nichts für Hasardeure oder Zweifler. Es müssen Entscheidungen getroffen werden. Trotzdem sind zahlreiche gewissenhafte und gut ausgebildete Bergsteiger ums Leben gekommen. Lag es an übertriebenem Ehrgeiz, an falscher Einschätzung der Lage? Oder überraschte die Natur durch Lawinen, Wetterwechsel und Steinschlag?

Das Thema Angst spielt eine wichtige Rolle. Sie wird durch Erfahrung und Handlung auf ein Minimum reduziert, sogar als Antriebsfeder genutzt. Sich selbst und sich seiner Umgebung bewusst werden, Instinkten vertrauen, deren Zeichen und Impulse dem Verstand überlegen sind, darauf kommt es an.

Das Buch „Über Leben“ von Reinhold Messner zeichnet die Psychologie und Entwicklung des Bergsteigens, die Auseinandersetzung des Menschen mit sich selbst und der Natur. Dabei kommt der Frage der Verortung eine wichtige Rolle zu. Wo und wie, ist man beheimatet? Es gibt eine äußere und eine innere Heimat. Im Idealfall wachsen sie zusammen…

Stefan Dernbach

Foto: © Piper Verlag 2014

Über Leben“

Reinhold Messner

Malik / Piper Verlag 2014

ISBN 978 – 3 – 89029 – 450 – 6

Reinhold Messner ist zur Zeit auf Vortragsreise durch Deutschland,

am 25. Januar ( 18:00 Uhr ) auch in Siegen. ( Siegerlandhalle )

Infos: Reisefibel