Loslassen II

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Was bindet, was gibt Freiräume?                               geisterbahn

Diese Frage ist nicht einfach zu beantworten.

Bindung gibt Sicherheit

und wer Sicherheit empfindet,

der hat auch einen Schlüssel zum Freisein. Was man auf und mit Sand baut, hält aber nicht lange. Grundsicherheiten sind die Voraussetzung, um loslassen zu können. Wer sich ständig in Unsicherheit wähnt, sich von wem oder was auch immer bedroht fühlt, der kann nicht wirksam loslassen. Es mangelt dann an innerer und äußerer Freiheit, zu denken, zu fühlen, zu handeln. In Zeiten, wo ständig Gegensatzpaare produziert werden, wird auch Angst und damit Unsicherheit geschürt. Wir leben in einer Entweder-oder-Gesellschaft, die Gegensätze en masse zum System macht. Das Gegeneinander ist fest installiert. Die Botschaften lauten: „besser“, „höher“, „überlegen“, „stärker“, „attraktiver“, „erfolgreicher“, „dynamischer“, „mächtiger“, „schneller“…etc.

Wo solche Kriterien das System bilden, werden automatisch Gräben gezogen, Diskrepanzen erzeugt.

Auf der anderen Seite entstehen demzufolge Angst, Unterlegenheitsgefühle, Schwäche, Erstarrung, Selbstzweifel und Ohnmacht. Das hat sowohl auf gesellschaftlicher wie auch für das individuelle Sein gravierende Folgen. Für eine Gruppe wird Überlegenheit und für die andere Gruppe Unterlegenheit installiert. Es wird kein Miteinander sondern ein Gegeneinander angestrebt und umgesetzt, bis es in den Köpfen und Gefühlen fest verankert ist. Dieser Prozess ist von Reibung und Dynamik geprägt. Es entsteht eine hohe Intensität und Spannung. Beide Seiten ringen miteinander, demzufolge wird auch viel produziert an Gedanken, Gefühlen und Handlungen. Es wird aktiviert bis hin zum Extrem. Beide Seiten werden angefeuert, wobei aber die Gegebenheiten und Richtungen völlig andere sind, auch die Motive. Eine Seite strebt Überlegenheit an, wobei sie die Bedingungen von Anfang an hat, die das ermöglichen, die andere kämpft um ihr Sein, schlimmstenfalls um ihre Existenz…

Loslassen

2 Kommentare


Wovon man nicht alles loslassen kann, wenn man kann. Nein, loszulassen ist alles andere als eine einfache Angelegenheit. Mit wem und was ist man alles verbandelt, verwickelt, vielleicht sogar verstrickt! Es beginnt schon mit der eigenen Geschichte,die zeitlebens die eigene bleibt und nur begrenzt veränderbar ist.

herzmeer

Kombiniert mit der eigenen Persönlichkeit, entwickeln sich Muster und Gewohnheiten.Werden diese zu starren Gebilden, wächst der Druck auf den Menschen.Und Druck verhärtet, verleitet zum Rückzug, verursacht Verschiebungen und Verdrängungen. So wird aus der Vielfalt von Gefühlen und Handlungen, nachvollziehbare Einfalt.

Im Kopf fängt alles an. Dort beginnt und endet die Freiheit, wird sie gewährt und verweigert.

Das ist nicht nur eine eigene Angelegenheit, sondern auch stets das Ergebnis unserer Beziehungen, unseres gesellschaftlichen Umfeldes, in denen wir die Akteure sind. Das bedeutet, wir treffen Entscheidungen. Sind wir aktiv oder passiv? Gestalten wir oder lassen wir uns von einem vermeintlichen Schicksal verwalten, welches wir als unveränderbar erachten. Inwieweit man die Wahl hat, steht auf einem anderen Blatt geschrieben.

Autonomie fällt nicht vom Himmel, sie muss errungen werden. Auch durch loslassen von Ansichten und Handlungen. Was tut mir gut? Was brauche ich? Man entscheidet sich für etwas oder gegen etwas. Das wird aber nicht sofort offenbar. Manchmal dauert es lange, bis die Muster erkennbar werden, die Veränderungen wirksam. Sind sie destruktiv, steht man vor der Frage, ob sie sich verändern lassen? Möchte man sie verändern? Kann man sie verändern?

Ist es möglich loszulassen?

Die Macht der Gewohnheit ist nicht zu unterschätzen. Warum sollte man sie verändern? Wie könnte man sie verändern …?