Autorenlesung als Überraschung, das kann gelingen oder daneben gehen. Wenn man nicht weiß, was einen erwartet, lässt man es (einfach) geschehen. Der Autor Frank Berzbach war mir bis gestern unbekannt, das hat sich nun reichhaltig geändert und somit die Form. Berzbach, der sich in seinem aktuellen Buch mit „Formbewusstsein“ befasst, gelang es, die nicht einfache Thematik dem Publikum in Zürich anschaulich darzustellen. Keine typische Lesung! Der Kölner Autor moderierte seine Thematiken, ohne zu monologisieren. Kein von Oben-herab, sondern eine Beleuchtung des Menschen von verschiedenen Seiten.

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„Wir sind geprägt von der Form“, so Frank Berzbach.

Der alltägliche Rhythmus, bestehend aus Aufstehen, Anziehen, Essen, Arbeit, Beziehungen, Medien… wiederholt sich, darin erkennbar persönliche Rituale, Gewohnheiten und Leidenschaften. Inwieweit ist man sich diesen bewusst? Katholik Berzbach schlug Brücken zum Zen-Buddhismus.

„Form ist Leere, Leere ist Form“,

zitierte er einen alten Meister, von denen es im Buddhismus zahlreiche gibt. Bewusstsein, Achtsamkeit, Leben zusammenführen, nicht mit dem Ziel Erleuchtung zu erlangen, das wäre zu weit gegriffen, sondern um für Harmonie zu sorgen. Wer den Autor erlebt, merkt schnell, dass es sich bei Berzbach um keinen esoterischen Weichspüler handelt. Einfache Lösungen gibt es nicht, wohl aber Rahmenbedingungen, die das Innere prägen. Zweifellos liegt dem Autor das alte Wissen am Herzen, welches bis heute überlebt hat, aber gefährdet ist. Die alltägliche Überflutung des Menschen durch Reize, gefährdet den Rahmen. Mediale Zuschüttung, dominiert von Fragmenten und Banalitäten…die das alte Wissen um die Existenzmöglichkeiten des Menschen untergräbt, flutet, manche würden sagen, kontaminiert.

In diesem gewaltigen Verdrängungsprozess gibt es aber immer auch die Rufer in der Wüste.

Frank Berzbach ist einer von ihnen…ob er sich dabei manchmal einsam fühlt, ließ er nicht durchblicken. Eine Kämpfernatur, die in ihm steckt, war jedoch unübersehbar. Nein, Berzbach gibt sich nicht leicht zufrieden, so erschien es zumindest. Kein Kniefall vor „heiligen Kühen und Ochsen“ der schreibenden Zunft, wenn das, was sie von sich geben, Berzbach nicht schlüssig erscheint. Er möchte gerne auf Herz und Nieren prüfen, abgleichen, wohlwissend, dass man nicht alles vergleichen kann. Nach der Prüfung kommt das Zusammenführen der Erfahrungen. Daraus entstehen Gedankenbilder, die auf Erkenntnis beruhen und die der kreative Mensch dann mit anderen Menschen teilt. Er behält sie nicht für sich, weil sie kein Besitz sein können. Jeder Mensch bedient sich bei anderen Menschen, aber was fängt er damit an…?  Welche Form gibt er seinen Erfahrungen und wie gibt er sie weiter…?

Frank Berzbach , „Formbewusstsein“ , erschienen im Hermann Schmidt Verlag

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