Siegen VII

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Brief – Letter – Lettre                           dernbach_letter_sepia

Es kommt die Zeit,

da werden wieder mehr Briefe

geschrieben.

Grau ist der Himmel,

kühl die Luft,

Regen fällt.

Vor die Türe geht man nur mit Widerwille. Einkehr halten, an wen denken? Wem sich mitteilen? Ganz klassisch auf Papier, bei Kerzenschein. Ein Hauch von Melancholie vielleicht? Auf jeden Fall sagt der Sommer: Adieu…

Was uns vom Sommer blieb? Was gab es in diesen Monaten? Nicht allzu viel Sonne, so erscheint es zumindest. Ständiges Umbruchwetter, Szenenwechsel en masse. Und genau deshalb setzt man sich hin und schreibt einen Brief. Das ist ein gutes Stück Literatur, wie es seit Jahrhunderten gepflegt wurde, ein Akt der Verinnerlichung und Klärung. Es wird in Ruhe betrachtet. Man nimmt sich Zeit und das bewusst.

Keine schnelle Tipperei auf ein Display, keine Ruckzuck-Gedanken, noch Sätze.

Minutenlang kann man über einen Satz nachdenken, ihn verändern, ihn erspüren. Und damit erspürt man nicht nur sich selbst, sondern auch die Empfängerin oder den Empfänger.

Es ist eine eigene Art von Poesie, es ist eine Reise durch  Gedanken- und Erlebenswelten, von Schönheit, aber auch Wagnis geprägt. Man stellt Fragen, macht Aussagen, erfühlt die eigenen Positionen und Richtungen, und das nicht ohne Zweifel. Ein Brief ist kein Behauptungswerk, sondern ein Gemälde. Solche Prozesse müssen reifen. Schau und Zusammenschau, in Ruhe und mit Zeit. Das ist verschriftlichte Wertarbeit, das ist Kunst, das ist Wertschätzung.

Ob man sich das heutzutage noch leisten kann?

Man sollte es …

 

Freundschaft VIII

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Wie schön es doch ist,                                                                 bikeline_dernbach

sich an Freunde erinnern zu können.

Welch herrliche Zeiten wurden erlebt.

„When you’re down and troubled,

and you need a helping hand…

and nothing, nothing is going right…“

( Carol King / James Taylor in „You’ve got a friend“ )

 

Ja, man fühlte sich gut aufgehoben, geborgen, also weit mehr als willkommen. Die Freundschaft als geistig-emotionales Nest, wärme- und lichtspendend, erhellend und erheiternd. Was war man nicht alles für Wege gegangen, um diese Freundin oder diesen Freund, aufzusuchen und die Zeit miteinander zu teilen. Auch, wenn es manchmal nur ein paar Tage oder „nur“ Stunden waren, sie waren es wert.

Man machte sich auf den Weg für den anderen und für sich selbst

Paris, Uppsala, Mallorca, Lissabon, die Pyrenäen, Bordeaux, Pau, Aachen, Kassel, Berlin, Flensburg, Obersdorf,

Hachenburg, unvergessen Lamia ( Griechenland ), Ithaka,  dann Paderborn, Hetzdorf / Uckermark, Heringen,  …

Alsen ( Dänemark ), Torsballig, Osnabrück, Zürich …etc.

Hätte es all diese Wege nicht gegeben, das Leben wäre ärmer, sehr viel ärmer.

Die verschiedensten Erfahrungen lagen auf den Wegen und grüssten. Es gab Überraschungen, Entdeckungen, Kultur und Landschaften, die einem nie mehr verloren gehen. Im wahrsten Sinne des Wortes bereicherte die Freundschaft, durch alles was sie war. Vieles konnte anfangs und danach, nicht durchschaut oder geplant werden. Anderes wurde geschenkt und beschert, mit dem nie und nimmer, zu rechnen war. Manchmal sehnte man sich, man schlug sich die Nächte um die Ohren, weil es einfach schön war. Stundenlange Gespräche als Zeitreisen & Lebensreisen. Das waren die Resultate.

Man lässt sich ein und erfährt Leben & Nähe, man erfährt einen Menschen und seine Umgebung näher als andere.

Warum?

Weil es Vertrauen und einen Willen zur Gemeinsamkeit gibt, weil man sich gegenseitig etwas wert ist. Es gibt Prädikate, die sich im Laufe der Zeit entwickeln, es gibt Instinkte und Lebenserfahrungen. Es gibt die Lust und das Staunen.

Vor manchen Erfahrungen verneigt man sich … wird still und ruhig.

Das Leben hatte einem nicht nur wieder etwas beigebracht, es hatte einen beschenkt…und dabei ging es primär nicht um intellektuelles Wissen ( z.B. bezüglich anderer Kulturen ), was auch  sehr viel wert ist, nein, es ging um die Erfahrung einer gemeinsamen emotionalen Sprache, die weit tiefer reicht als der Intellekt.

Es ging nicht um Argumente, es ging nicht um geistige Überlegenheit oder Wettstreit. Solches kann man in jedem Seminar bekommen oder in einer Klosterschule in Tibet oder Indien.

Nein, es war faszinierend zu erleben, dass es eine internationale Sprache der Gefühle gab…

 

 

Freundschaft VII

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Es wirkt der Geist, es sprechen die Grundhaltungen.              hut_badeabteilung

Dagegen kann niemand etwas machen

und das ist gut so !

Die Freundschaft wird aus vielen Quellen gespeist,

auch das entzieht sich des Menschen Kontrolle.

Man kann Freundschaft gestalten, sie aber kontrollieren zu wollen,

das ist ein Trugschluss, der bestenfalls mit Schafen und Hunden funktioniert. Das ist aber dann eine andere Art von Freundschaft. Die Freundschaft zwischen Menschen, bleibt vielfältig und mehrstufig, sie ist gefächert und gemustert. Das ist nicht immer einfach, beinhaltet aber eine Vielzahl von Möglichkeiten des Seins, die der Hund oder das Schaf nicht bieten können. Der Hund wedelt mit dem Schwanz, das Schaf blökt, aus welchem Anlass auch immer. Das kann mal ganz nett sein, aber wirklich lebenserfüllend ist es wohl nicht, es sei denn, es handelt sich um einen eher schlicht gestrickten Menschen, der die grobe Vereinfachung des Seins ansteuert. Das ist natürlich legitim, aber inwieweit befriedigend, bleibt dahin gestellt. Gemessen an den Möglichkeiten, ist  die grobe Vereinfachung von Vorgängen in einer Freundschaft zwischen Menschen, zumindest aus meiner Sicht weder wünschenswert noch anstrebenswert.

Warum?

Nun, das Potenzial würde nicht annähernd aktiviert noch ausgeschöpft.

Das kann nun wahrlich nicht befriedigend sein … weil der menschliche Geist doch so viel zu bieten hat … und auch des Menschen Gefühle, ein prächtiges Farbenspiel sind.

Wer möchte darauf freiwillig verzichten und warum?

 

Freundschaft V

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Der Blick zu und die Erfahrung                                         camus_freiheit_schönheit

mit anderen Kulturen,

ist ein wichtiger Gradmesser,

möchte man etwas mehr über das Wesen

der Freundschaft verstehen.

Eine grundsätzliche Haltung

ist die Beachtung des Entgegenkommens und der Gleichberechtigung. Jemandem entgegenkommen, ihn aufsuchen und ihm begegnen, das sind nicht nur Grundhaltungen von Freundschaft, das sind die Hauptmotivationen, die eine Freundschaft von einer Alltagsbeziehung unterscheiden. Man freut sich darauf den anderen Menschen zu sehen, teilt nicht nur die Zeit, sondern auch das Erleben und die Befindlichkeiten. Man erzählt wie es einem geht, mal mehr mal weniger, aber das ist gerade das Schöne an der Freundschaft, dass man sich gegenseitig austauscht. Hiebei kommen unterschiedliche Ebenen zum Zuge.

Freundschaft ist grundsätzlich keine Einbahnstrasse

Es gibt Kulturen, die sich gerne des Smalltalks bedienen. Er ist eine Art Einleitung, Entlastung und Raumöffnung. Man könnte ihn auch Ouvertüre nennen. Ein Fehler ist es, wenn man meint, dieser Smalltalk sei Ausdruck und Spiegelung von Oberflächlichkeit oder mangelndem Wissen. Nicht nur die Briten beweisen das Gegenteil. Der Smalltalk ist ein Ritual und in jeder Freundschaft gibt es eine Vielzahl von Ritualen. An ihnen lässt sich erkennen, was die Freundschaft ausmacht und bestimmt, inwieweit welche Qualitäten vorhanden sind. Rituale geben Sicherheit und schaffen Vertrauen. Ein Übermass an Ritualen hingegen, verhindert das Fliessen, die Lebendigkeit und die Wirksamkeit.

In vielen Kulturen gibt es ausgeprägte Formen der Höflichkeit, die es zu beachten gilt,

die man zunächst erst einmal kennen muss, sollte man sich auf fremdes Terrain begeben wollen. Die Höflichkeitsformeln gelten aber auch für jede Art von Freundschaft. Gerade in arabischen, asiatischen und afrikanischen Kulturen, empfiehlt es sich diese einzuhalten. Die ein oder andere Missachtung wird dem Fremden verziehen, weil man ihm Unkenntnis unterstellt, in der Freundschaft unter Gleichen jedoch, ist die Einhaltung dieses Kodex Pflicht. Ein weiterer zentraler Gesichtspunkt der Freundschaft ist die Wechselseitigkeit. Auch das ist altes Menschheitswissen, tradiert und zelebriert, seit Jahrtausenden. Einseitigkeit kommt bei Hilfsbedürftigkeit zum Zuge, ansonsten steht über der Freundschaft das Wort und die Tat, im Sinne von reziprokem Wollen und Verhalten. Dabei geht es nicht um späteres Aufrechnen und Verrechnen, sondern um die Erkenntnis, dass  die Waage stets austariert werden muss. Auch das ist ein Ritual, ein freundschaftsrelevantes, welches für Wohlgefühl sorgt.

Was der jeweilige Freund oder die jeweilige Freundin, auf die Waage legt oder in die Freundschaft einbringt, ist naturgemäss verschieden. Jeder steuert etwas anderes bei, weil jeder über andere Fähigkeiten und Möglichkeiten verfügt. Man schätzt sie, erfreut sich an ihnen.

Wahre Freundschaft lebt Vielfalt anstatt Einfalt …

to write is to be XII

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Schreiben ohne Herz,                                                                             fünf10_cup_ballpen_herz

ist wie Suppe ohne Salz.

Aber nicht nur das.

Es fehlen auch die lebenswichtigen Vitamine

und Mineralstoffe.

Fragen Sie nicht ihren Arzt oder Apotheker,

befragen Sie sich selbst, wenn Sie jemals daran denken

etwas zu schreiben.

Was haben Sie wirklich zu sagen? Kommt es aus den Tiefen des eigenen Inneren?

Über wieviel Menschenkenntnis verfügen Sie?

Der Prozess läuft zwischen Ich und Du, zwischen Eigenwelt und Außenwelt. Wenn das Herz die Antriebswelle ist, werden sich die Ergebnisse vom Schreiben nach Zeitgeist, abgrenzen. Der Zeitgeist bedient Trends, das Herz Äonen. Somit ist das Schreiben mit Herz auch keine Kitschparade von Gedanken, denn der längere Lauf der Zeit, entbehrt nicht nur dem Kitsch, er wirft ihn über den Haufen. Es ist nicht das Ende der Romantik, aber sie steht nicht im Mittelpunkt, ebenso wenig wie ein staubtrockener Realismus, dem jeglicher Humor abhanden gekommen ist. Eine vermeintlich reine intellektuelle Leistung im Sinne des Schreibens, hat den Intellekt schon verwirkt, weil ihr die emotionale Intelligenz fehlt.

Wieviel Grundgefühle hatte noch der Mensch?

 

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to write is to be XI

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Schreiben kann  ein Leidensweg sein.                                                   Comps_Kapelle

Manche Bücher werden wahrlich unter Schmerzen geboren.

Doch bis es soweit ist, gehen Autorinnen & Autoren

lange, verzweigte Wege, suchen die Labyrinthe

der menschenlichen Existenz auf.

Sie schmoren in der Hölle, schauen in Abgründe

und irren durch Dornengestrüpp.

MASTER OF DESASTER oder DAS ENDE DER HAPPY HOUR

Sie gehen dahin, wo die Luft dünn wird, die Wege eng, bis zum STOP-SCHILD.

Auf diesem Weg machen sie Bekanntschaft mit allen möglichen Gefühlslagen, Gedankenvarianten und konkreten Handlungen und Nichthandlungen. Grenzen werden betrachtet, Mauern erspürt. Das beeinhaltet zwangsläufig Psychologie, geht aber über sie hinaus, da die Sphären nicht immer erklärbar sind. Gereifte Autoren halten sich deshalb mit Erklärungen zurück, wissen, dass Moral ein zweischneidiges Schwert ist und eine vermeintliche Unmoral weit häufiger anzutreffen ist, als der Normalbürger es gemeinhin zugibt.

Es ist eine Expedition zu den Gipfeln der Widersprüche …

 

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to write is to be IV

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„Schreiben Sie nur über etwas,                                                             husum_Zeit_sepia

was Sie selbst erlebt und erfahren haben“,

sagte einst ein weltberühmter Schriftsteller,

in Zeiten, wo sich Bücher noch über Jahre entwickelten,

wo sie reifen durften, wie eine Frucht am Baum.

Der Schreiber malt mit Worten

und sollte mehr als die Grundfarben in seiner Palette führen,

sollte ein guter Beobachter der Szenerien sein, ein guter Zuhörer.

Dann kann er, wie man sagt, aus dem Vollen schöpfen. Und wer aus dem Vollen schöpfen will, sollte Zeit mitbringen. Nachdenken braucht Zeit, Denken noch viel mehr. In diesem Falle spricht man auch von Geistesarbeit. Aber das Schreiben ist nicht nur Geistesarbeit, sondern Gefühlsarbeit. Albert Camus grüsst mit Sisyphos, Henry Miller mit klimatisierten Alpträumen, Jack Kerouac mit Abenteuern auf der Strasse des Lebens.

„ON THE ROAD.“

Und spätestens auf dieser Strasse wird nicht mehr von Arbeit, sondern von Abenteuer gesprochen, und nicht nur gesprochen, sondern es wird gelebt, erfahren, erlitten und befeuert.

„Kein Licht ohne Flamme“, sagte einst Albert Camus.

Und jede Flamme braucht Sauerstoff…

 

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