to write is to be VI

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Das Tagebuch liegt auf dem Tisch,                                                                camus_freiheit_schönheit

der Kugelschreiber steckt zwischen den Fingern,

selten hinter dem Ohr, in der Tasse befindet sich Kaffee

mit einer Milchspur versehen, die die Bitterkeit mildert.

Es gibt das innere und das äußere Publikum,

Figuren und Menschen, verschiedenster Art.

Man hat Vorstellungen von Schönheiten und Hässlichkeiten,

Willkommenheiten und Abstößigkeiten.

Selten geht es um das Entweder-Oder, eher um die Skala, manchmal von 1 bis 10, dann von 1 bis 100, gelegentlich auch um die Skala von 1 bis 1000. Alles was darüber liegt, ist reine Spekulation. Sich mit dem schier Unmöglichen zu befassen, es zu denken, mag reizvoll sein, entbehrt aber zugleich einer Grundlage. Das Spiel mit dem Alles-Ist-Möglich, führt in Sphären, die leicht überreizen und auch überfordern. Als Selbstzweck wird es schnell langweilig und absurd, wirkt künstlich konstruiert.

Wer Abenteuer sucht, kann sie auch im realen Leben finden, in Menschen und ihren Umgebungen.

Man sitzt im Café und schaut sich um, lauscht den Klängen, den Monologen und Dialogen. Alles Akteure, Handlungsreisende, Empfänger, Konsumenten, Mitbürger, Alleinbürger, Koalitionäre, Behaupter, Traditionsfetischisten, Leistungsträger, Beamte, Hausfrauen, Arbeitnehmer, Erwerbslose, Rentner, Reiche, Arme, Glückliche und Unglückliche.

Wer will da behaupten, man könne im Café nichts lernen. Manche Schriftsteller behaupteten sogar einst, das Café sei besser als jede Schule und müsse den Vergleich mit einer Universität nicht scheuen. Ob das heute noch so ist, wer weiß?  Die Zeiten haben sich geändert, die Inhalte auch. Manche Themen sind aber auch zeitunabhängig, haben schon immer beschäftigt und werden es auch weiterhin tun.

Wie steht es um die Freiheit? Was ist Schönheit? Was hat es mit der Gleichgültigkeit auf sich? Was ist Erfolg? Wer hat Macht? Wer hat Ohnmacht? Wo liegen die Grenzen? Was bedeutet Akzeptanz? Wie steht es um die Tradition? Was ist Fortschritt? Der Fortschritt im Rückschritt oder der Rückschritt im Fortschritt?

Es stellen sich viele Fragen und man erhält viele Antworten…

 

Der Autor dieses Schreib- & Fotoprojektes, dankt Ihnen für Ihre Förderung & Unterstützung.

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Im Namen der Kommunikation …

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Es gibt Tage, da denkt man an Erich Fromm,                                                                odeoncupmit

Carl Rogers, Viktor Frankl und Paul Watzlawick.

Es geht um Formen der  Kommunikation, der Erfahrung von Sinn,

der Verarbeitung von Leiden und ihrer Bewältigung.

Alles ist Kommunikation, auch das Schweigen, die Nichtbeteiligung,

die Abwehr, der passive Widerstand.

Andererseits dort, wo auf Teufel-komm-raus kommuniziert wird,

mangelt es häufig an Qualität, Reflektion und Differenzierung.

Ein Post jagt den anderen, eine Schlagzeile versucht die nächste zu toppen.

Die Rasanz geht nicht nur auf Kosten der Tiefgründigkeit, sondern fördert auch die Zersetzung von Haltbarkeit und  Sinn. Man überprüft nicht mehr, man spürt nicht mehr nach, man setzt nicht mehr zusammen, sondern wird ein Teil der flächendeckenden Fragmentisierung, die konträr zum menschlichen Bedürfnis steht, sich als Einheit zu empfinden, eine Einheit anzustreben und sie aktiv zu bilden.

Der Geschwindigkeitsrausch ist nicht die Ausnahme, sondern die Methode, der Mainstream, das Ziel. Kombiniert man nun die Geschwindigkeit mit der Masse an Information, dann ist das durchschnittliche Gehirn eines Menschen überfordert. Überfordert sind aber auch die Gefühle, die einem permanenten Schleudergang ausgesetzt werden. Kein Innehalten, kein Nachspüren, keine wirksame und wirkliche Beteiligung. Am Ende steht die Klick-Unkultur und die Verarmung der Sprache.

Es würde an Zeit mangeln, so lässt es sich vernehmen. Es ist wohl eher so, dass man sich keine Zeit nimmt…

Es gibt Tage, da denkt man an Albert Camus IX

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Nach dem Licht suchen,                                                 camus_sonne_Küsse_düfte_sepia

sich bescheinen lassen,

sich mit dem Licht vereinen.

„Hochzeit des Lichts“,

eine Hochzeit, die im Süden stattfindet,

dort wo die Uhren, falls überhaupt vorhanden, anders ticken.

Es tickt die Ursprünglichkeit, und zwar sehr langsam.

Und ansonsten lauscht man der Natur und ihren Gesängen,

die auffordern, still zu werden.

Ein Anhalten,  Innehalten, eine Introversion, beschienen vom Licht.

Weg von den Rushhours, weg vom Grau, weg von einer krankhaften Betriebsamkeit,

welche nicht nur die Ruhe, sondern auch den Frieden zerstört.

Das Licht verändert, wärmt, erhellt und erheitert.

Die Erde bietet Substanz, Gestein, Staub.

Dazwischen leben Blumen und Sträucher, die ihre Düfte verschenken …

 

 

Es gibt Tage, da denkt man an Albert Camus VI

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Worin besteht Reichtum, worin besteht Armut?                                                  camus_arme_sepia

Das Wasser glitzert in der Sonne, man nimmt kein Bad,

man leistet sich ein Bad, so erklärt Camus die Sprache

der Algerier. Die Jugend setzt aufs Fleisch.

Schönheit und Genuss. Eine kurze, heftige Blüte des Lebens.

Danach wird recht deutlich, der Abgesang eingeleitet und verwaltet.

Es gibt keine Klöster, keine Terrassen, keine Gemälde, keine Literatur, keine farbenreichen Landschaften.

Alles das, was vom Verfall ablenken könnte, fehlt.

 

Eine brutale Reduktion der Seinsmöglichkeiten

Die Hitze ist erbarmungslos, die Landschaft auch. Es fehlt an Arbeit und somit an Einkommen.

Dort ist es nicht die Entdeckung der Langsamkeit, es ist das Leiden an der Langsamkeit.

Nichts scheint sich zu bewegen. Eine Wüste des Lebens, gegen die nur das hohe Mantra der Wiederholungen

zu helfen vermag.

Wenn etwas Sicherheit suggeriert und teilweise schafft, dann sind es die Wiederholungen.

Sie setzen eine Struktur, bilden ein System. Ohne dergleichen, würde der Mensch Gefahr laufen, verrückt zu werden.

Ihm würde die Gnadenlosigkeit der Natur bewusst, die Aussichtslosigkeit der Gesellschaft, die keine Alternativen bietet.

Es gibt keine Spielräume, es gibt keine Fluchträume. Da bleibt nur der Glaube, der sich unter diesen Bedingungen

felsenfest ausbildet. Der Rest ist Palaver. Es gibt keinen Mythenreichtum wie in Europa, so Camus.

Diesen Luxus des Seins, hat die Sonne verbrannt.

Die harten Grenzen des Seins, führen in die Reduktion, leiten den Menschen in enge Bahnen,

zeigen ihm, was Sterben bedeuten kann und ist.

 

 

Es gibt Tage, da denkt man an Albert Camus V

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Wie lange braucht man,                                                                                                       camus_idee

um eine eigene Idee zu entwickeln?

Albert Camus meinte, unter zehn Jahren, wäre da nichts zu machen.

Also zehn Jahre schleifen, feilen, bohren, suchen, fragen, beobachten…

Was für ein Kontrapunkt zu den heutigen Gewohnheiten,

einfach mal schnell Behauptungen aufstellen, schnell mal ein Buch lesen

und dann behaupten, man hätte es und den Autor verstanden.

Aber was heisst verstehen?

Wer sich keine Zeit nimmt, wird auch nichts verstehen.

Demzufolge ist eine rastlose Gesellschaft, eine, die versucht, alle Prozesse zu beschleunigen,

auch eine dumme Gesellschaft. Der Zeitdruck sorgt für Ungenauigkeit und Oberflächlichkeit.

Es entsteht eine Zerfaserung, eine Fragmentierung. Skandale sind die scharfen Splitter,

die alltäglich wie Geschosse, auf die Menschen abgefeuert werden, bis es denen die Sprache verschlägt.

Die Medien geben bei diesem Desaster den Takt vor, die Digitalisierung verwandelt den Zirkus

in ein Irrenhaus. Der Wahnsinn kennt keine Grenzen, die Medien auch nicht.

Und mit dem Wahnsinn wird viel Geld verdient.

Das hätte sich Albert Camus nicht angetan, er wäre aus Paris geflohen und hätte in der Provence die Ruhe gesucht.

Aber, er hätte sich nicht zur Ruhe gesetzt. Er hätte das Desaster analysiert, und durchdacht.

Und er hätte es beantwortet…

 

 

 

 

 

 

Stefan Dernbach liest: Das Leben des Gouda III

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Wenn der Autor dieser bescheidenen                     Flyer_new_orleans_Stefan_Dernbach_web

und kleinen Schrift, die er nicht einmal Werk

nennen möchte, gegenüber vom Brunnen

seinen Kaffee trinkt, im östlichen Diwan

einen schlichten Lahmacun zu sich nimmt,

um wieder zu Kräften zu kommen,

dann schaut er erstaunt zu Vladim, wie dieser mit den neun Orden der russischen

Armee jongliert. Vladim versteht nicht nur was vom freien Spiel der Kräfte, er be-

und verzaubert die Zuschauer, versetzt sie in eine Art Trance.

Beim Zuschauen vergisst selbst die Flaschensammlerin, selbst die verschleierte Ayse

ihr täglich trocken Brot.

Die Mühen, die Leiden, die Sorgen und die Ängste, sie treten für einige Augenblicke

in den Hintergrund oder verschwinden sogar.

Man könnte Vladim auch einen Meister der Transzendenz nennen.

Es gelingt ihm scheinbar mühelos, Menschen mit verschiedensten Zuständen und

Hintergründen, die man oft als tragisch bezeichnen könnte, zu verwandeln.

Mancher würde sagen, kein Wunder bei der Berufsausbildung-

und Berufserfahrung. Aber das wäre sicherlich zu kurz gedacht…

Es gibt Tage, da …

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Es gibt Tage, da denkt man                                                      Billigdenker_Blog700_Dernbach

an indische Saddhus, man denkt an Varanasi,

an Hesse, den Bäcker, an Hesse, den Schriftsteller.

Manchmal denkt man auch an Schweizer Käse,

an billigen Gyros und Frauen in langen Abendkleidern.

Manchmal läuft einem ein Kommentar von Heribert Prantl über den

Weg, dann wundert man sich, dass Georg Stefan Troller

auch einen Facebook-Account hat.

Da sitzt der alte Troller am Rechner und facebookt. Nee, das glaubt man irgendwie nicht.

Man glaubt auch nicht, dass irgendwelche Amateure, plötzlich Landesrekorde laufen,

dass Schwätzer einen Master in Philosophie besitzen.

Es gibt Tage, da denkt man an Peter Finch in „Network“, an Heidi Kabel und Franz Beckenbauer.

Dann fallen einem wiederum Alt- und Edelrevolutionäre ein, man schmiert sich ein Käsebrot,

kocht sich einen Kaffee und isst Bienenstich. Man erinnert sich an eine Passage aus

dem Film Bodyquard, sieht Georges Brassens vor sich, denkt an die Sängerin Barbara.

„Göttingen“. Von Göttingen nach Paris, von Paris nach Massat.

Das kleine Café am Platz beim Hahn. Kleine Nebenstrassen. Alle führen nach oben.

Von einem Col zum nächsten. Zwischendurch anhalten, schauen. Wie gehts weiter?

Wo geht es weiter…?

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