Happy-Birthday-Travel (5)

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Ein Blick auf den See. Dort unten lag er.

Ruhig, verschlafen, aber auch verlockend.

Der Wagen wurde geparkt. Wir packten unseren Proviant zusammen.

Dazu hatte noch jeder von uns einen Fotoapparat dabei.

Die Reise sollte nicht nur dokumentiert,

sondern auch gewürdigt werden.

„Du kennst dich hier aus?“ fragte ich.

„Nein!“

„Das beruhigt mich. Zwei Greenhorns auf dem Weg zum Biggesee!“

„Kinofilmverdächtig!“

„Der neue Sauerland-Western.“

„Das was Helge Schneider kann, können wir auch.“

„Du meinst, doof sein?“ fragte ich.

„Wie hieß denn noch sein erster Film?“

„Keine Ahnung. Es war aber ein Western, der im Sauerland gedreht worden ist.“

„Wahrscheinlich bei Elspe.“

„Und seine Frau hieß, hieß die nicht Else?“

„Überall Zäune!“ sagte ich. „Wie sollen wir denn  an See kommen?“

„Das kriegen wir schon hin“, sagte Zapata. „Aber pass‘ bei dem Abhang auf!“

„Na toll! Da runter?“

„Muss sein.“

„Och nö. Am frühen Morgen…“

„Folge dem Späher. Durch diesen hohlen Weg müssen sie kommen.“

„Wer? Winnetou und Old Shatterhand?“

„Nein, wir.“

„Nur noch den schmalen Pfad hinunter. Pass‘ auf Äste auf!“

„Und was ist mit dem Feind, Herr Indianer?“

„Der kommt schon früh genug!“ sagte Zapata.

„Sach ma, woher wusstest du, dass man hier über die Gleise kommt?“

„Ich wusste es nicht.“

© 2012 Text / Fotos: Stefan Dernbach

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Happy-Birthday -Travel (4)

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Mit oder in Olpe, hatten wir uns nicht lange aufgehalten.

Es gab einfach keinen Grund.

Das ist schade, aber es ist so.

Es gibt Orte, die machen einen nicht an.

Das ist ja unter Menschen nicht anders.

Der Funke fehlt. Das Salz in der Suppe.

Zapata wendete den Wagen, wie es einst Kojak in:  „Einsatz in Manhattan“ tat.

Aber ohne Sirene.

„Wir werden ihn finden“, sagte Zapata.

Auf Reisen gibt es manchmal diese erhebenden Gefühle.

Man  staunt und wundert sich.

Oder es ist ganz einfach Freude.

„Nee, guck ma! Das gibt es doch nicht. Biggesee! Der Wegweiser zum Biggesee!“

„Hab‘ ich es dir nicht gesagt?“

„Du hast viel gesagt.“

„Was soll das denn heißen?“ fragte Zapata.

„Du hast über die Autobahn-Böschung philosophiert.“

„Das ist ein wichtiges Thema, mein Freund!“

Zapata sagte das mit einer Art Sicherheit, dass mir fast die Spucke wegblieb.

„Es gibt Menschen, die gehen nie die Böschung hinauf!“

„Ja und?“ fragte ich.

© 2012 Text / Fotos: Stefan Dernbach

Happy-Birthday-Travel (3)

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Man reist, man ist unterwegs.

Vorstellungen, Annahmen, Wünsche, Erwartungen.

Wodurch zeichnet sich die Besonderheit einer Reise aus?

Was sind charakteristische Merkmale?

Auf einer Reise gibt es dringende Bedürfnisse. Man schaut sich um, man ist unruhig.

Ein Trippeln von einem Fuß auf den anderen.

„Du, ich muss mal!“

„Wir müssen alle mal.“

„Zapata, das ist kein Witz!“

Mein Kumpel schaute sich um, wie das so große Entdecker an sich haben.

Ein bedeutungsschwangeres Schweigen folgte.

„Geht es etwas schneller, großer Entdecker von Olpe?“ fragte ich.

„Die nächste Toilette ist 33 Kilometer entfernt.“

„Wie bitte?“

„Das steht dort auf dem Schild.

„Welches Schild meinst du? Ich sehe hier lauter Schilder!“

„Schau mal neben dem Schild- „Springe Dortmund“, sagte Zapata.

Bist du ein guter Läufer?“

© 2012 Text / Fotos: Stefan Dernbach

Happy-Birthday-Travel (2)

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„Wo ist Olpe?“

Wir fuhren Richtung Olpe, wir fuhren um Olpe herum…

Ja, wir fuhren an Olpe vorbei, dann nochmal drumherum.

Irgendwie fuhren wir sogar zurück, was ja nicht das Wesen

einer Reise ist. Da fährt man ja fort, hat ein Ziel.

„Noch 14 Kilometer bis Olpe!“ sagte er ritterlich.

„Lass uns erstmal auf die Raststätte fahren. Entfernungen können so

relativ sein. Ich finde, es ist Zeit für einen Kaffee!“

„Hübscher Ort!“ sagte ich.

„Ja. Vor allem der Tisch“, antwortete mein Kumpel.

„Sehr stabil. Sogar mit Aufschrift: Vfl Bochum. Die Fans waren hier.“

„Revier markieren ist wichtig.“

„Da sagste was.“

„Grenzen. Überall Markierungen und Grenzen“, sagte Zapata.

„Guck dir mal die hübsche Lärmschutzwand an“, frohlockte ich. „Ist die nicht schön?“

„Diese Grün- und Blautöne!“ schwärmte Zapata.

„Ein Genuss.“

„Sag‘ mal, wo ist eigentlich Olpe?“

„Ich guck‘ mal. Wahrscheinlich hinter der Böschung.“

„Fall nicht, Reinhold Messner. Es ist noch früh‘ am Morgen!“

 

Zapata stieg also die steile Böschung dieser durch und durch beschilderten Autobahnraststätte hinauf.

Er kämpfte sich durch dichtes Gestrüpp, scheute auch nicht die Dornen.

Oben dann ein lauter Ruf, man möchte nicht sagen Schrei, aber doch laut:

„OOOOOOLLLPE!“

Zapata rief, wie große Entdecker rufen,

die nach jahrelanger Reise endlich ihr Ziel in Sicht haben.

In Sicht wohlgemerkt, was nicht Ankommen bedeutet.

Aber immerhin, ein beglückender Moment,

so beglückend, dass wir einen Pott Kaffee auf die Entdeckung von Olpe tranken.

„Zapata, wir sind noch nicht da! Oder willst du die Böschung hochfahren? Tu es nicht. Ja?

Es gibt bestimmt noch eine reguläre Ausfahrt, auch wenn hier fast alles gesperrt ist.

Wir kommen noch nach Olpe. Manchmal braucht man nur etwas Geduld…“

© 2012 Text / Foto: Stefan Dernbach

Happy-Birthday-Travel (1): Cafégänger unterwegs

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Es gibt Tage, da muss man sich auf den Weg machen.

Da hilft kein Zögern – und Zaudern ist unangebracht.

Die Tatkraft soll geprüft werden.

Es ist Freitag, der 13.

Der Tag ist ein besonderer, man nennt ihn auch Geburtstag.

Da ist ein Mann ein Mann – und reist ohne Frau,

reist schon nach wenigen Kilometern in den dicksten Nebel.

Am Steuer der Kumpel, am Ausguck man selbst.

„Wohin fahren wir?“

„Ma gucken!“

„Aber ich seh‘ nichts!“

„Kommt noch!“

Natürlich hat man Musik an Bord.

Nur weiß man nicht genau, was eigentlich auf der Scheibe drauf ist.

Ahnungslos schiebt man die CD ins Laufwerk und wartet gespannt.

„Was ist denn das?“ fragte der Kumpel.

„Der blonde Hannes!“

„Hä?“

Dann ertönte  die Glocke  und wir wussten,

es geht zwar nicht an die, aber an den See.

„Wir können auch nach St. Pauli fahren“, sagte er.

„Na ja. Wäre mal eine Abwechslung als immer zur Blauen Lagune!“

Derweil sang der blonde Hannes: „Komm‘ doch liebe Kleine, sei die meine, sei mir treu…“

Ach, diese Treueschwüre.

Ist man sich selbst treu? Wem ist man treu?

Wann ist man treu?

Aber solche Fragen stellt man nicht am frühen Morgen.

Ein Blick zum Straßenschild.

Kreuztal. Auf die HTS-Schnellstraße abbiegen.

Rechtzeitig abbiegen.

Und dann waren wir auf der Bahn.

So sagen das Kerle.

Mit „Born to be wild“- dem Highway folgend.

Ein paar Frikadellen, vier Hähnchenschenkel, Kippen und Kaffee an Bord.

Man weiß manchmal nicht, wie lange eine Reise wird…

Und vor Überraschungen ist man kaum gefeit.

Der Nebel wurde immer dichter.

Highway to hell?

„Wir fahren jetzt erstmal nach Olpe!“

„Was? Olpe?“

„Wart’s ab. Olpe hat es in sich!“

„Was soll denn Olpe in sich haben?“

© 2012 Text / Foto: Stefan Dernbach