To write is to be

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Es ist nicht nur eine Aneinanderreihung von Worten, es ist weit mehr. Es ist ein Bild aus tausend Bildern. Erscheint das Wortgemälde auch einfach, wer mag behaupten, dass es so ist?  Das Buch ist ein Ergebnis, ein Blogbeitrag auch. Selbst ein Zeitungsartikel hat seine Vorgeschichte.

Alles Schreiben folgt Motivationen

 

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Was bewegte den Autor zu schreiben?

War es die Lust am Nachdenken? Waren Erlebnisse so intensiv, so direkt, so stark…, dass der tiefe Wunsch bestand, es ausdrücken zu wollen, vielleicht sogar zu müssen? Schwer denkbar, dass es die pure Lust am Schreiben war. Aber auch das kann vorkommen. Das zweckfreie Spiel mit Gedanken und Worten. Der Unterschied zu Thomas Bernhard und seiner Auffassung vom Schreiben, ist frappierend. Bei ihm dominiert die Schärfe, die gnadenlose Zielführung. Ihm gegenüber steht zum Beispiel Jack Kerouac. Er schrieb wie ein Jazz-Musiker. Bebop. Wild riffs. Man könnte noch andere Autoren anführen, die für klare Konturen sorgten, die starke Akzente setzten. Henry Miller nannte Kant einen Leisetreter. Miller forderte auf:

„Bremsen raus!“

Zugleich sagte er:

„Ich möchte die Schrecken bannen, die den Menschen daran hindern, zu seiner vollen Größe emporzuwachsen.“

Er setzte alles auf eine Karte

Das kann man heute auch noch machen, aber die Zeiten sind andere. Die Menge an Provokation und Skandalisierung, ist über die Ufer des Erträglichen geflutet. Beide verfolgen keine tieferen Absichten mehr, erreichen keine Vielschichtigkeit, wie man es sich von „guter“ Literatur erwartet, zumindest erhofft. Bloße Provokation ist langweilig und die lange Kette der Skandale, zerstört das Feingefühl. Differenzieren ist nicht mehr gefragt, sondern „Plakatierung“.

Auf Kosten tieferer Erkenntnisse, wird gekaspert, gejohlt, provoziert, angeklagt, angegriffen, bagatellisiert… im wahrsten Sinne des Wortes, schlecht buchstabiert.

Was wirklich langweilt, ist die Einseitigkeit…

 

“Die Welt des Sexus” Henry Miller II

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Wie Welt als Chaos,                   miller_sexus_zivil_unschuld

Monster,

als gefräßiger Drache.

Willkommen im Irrgarten,

den jeder mehr oder weniger

bepflanzt und durchschreitet.

Henry Miller schaut aus Mikro- und Makroperspektive, zerteilt und vergrößert, bewässert, düngt und eleminiert.

Der Feind sitzt in einem selbst – so eine seiner zentralen Aussagen.

Ohne eine eigene „Beichte“, wird der Mensch nicht weit kommen. Das Grauen ist nicht nur in der Welt zuhauf vorhanden, nein, vor allem in jedem von uns selbst. In jedem steckt mehr oder weniger ein „Mörder“, so Miller. Jeder trägt zumindest eine Mitschuld an dem Chaos  und dem Irrsinn. Zwar sieht er den Menschen als Teilchen im Getriebe eines gnadenlosen Systems, mit dem er abrechnet, aber dennoch appelliert er an die Selbstverantwortung für das eigene Werden.

Es gilt sich wieder in Richtung Unschuld zu bewegen, diese wenn nötig, kompromisslos anzusteuern.

Dabei erteilt er den Moralisten eine klare Absage, die den Schuldkomplex ständig befeuern und züchten. Sie weisen mit ihren überdimensionierten Zeigefingern immer weg von sich selbst, blockieren und sabotieren jeglichen persönlichen Fortschritt. Sie sind die leibhaftigen Erzeuger von Furcht und Angst, Sünde und Schuld. Ihre ständigen Anklagen und Forderungskataloge, verengen nicht nur Handlungsräume, sie entziehen den Sauerstoff, ersetzen den freien Blick durch eine wie immer geartete Mauer.

Und an dieser Mauer treffen sich „die normalen Irren“, die sich an Status und Sicherheit klammern. Dort findet der erbarmungslose Kampf um das Fressen oder um die Reste statt. Gegenseitige Entwürdigung und Missachtung, Gemetzel und Anklage. Im wahrsten Sinne des Wortes, eine Anklage- und Klagemauer.

Henry Miller fordert den Menschen auf, die Sackgasse zu verlassen …

 

„Die Welt des Sexus“ Henry Miller

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Der amerikanische Autor

Henry Miller, miller_sexus

bekannt für die etwas härtere Gangart

in Sachen Literatur, wurde 1891 in

Brooklyn /New York geboren.

Autobiografische Bücher

sind sein Markenzeichen,

was jedoch nicht falsch zu verstehen ist.

Kreisläufe, Spiralen, Fragmente, Geistesblitze…etc.; Miller nahm sich schon immer die Freiheit, seine Bücher stilistisch offen zu kreieren, ohne besonderen Wert auf Linearität und historische Reihenfolge  zu legen. Der Freistilschreiber aus New York, bekam mit seinem Buch „Wendekreis des Krebses“ das Label eines Sex-Gurus verpasst, welches ihm einige Scherereien einbrachte, aber auch später die Verkaufszahlen in die Höhe trieb. Sexus und Tod, sind die wiederkehrenden, die zentralen Ausgangs- und Drehpunkte.

Wer in „Die Welt des Sexus“ wilde Vögelei-Szenen erwartet, sollte sich besser woanders umschauen.

Das Buch ist eher ein Kompass für die menschliche Reise durchs Leben, ein Blick auf Klippen und Abgründe, Gipfel und Ozeane. Der Mensch rudert, kriecht, kämpft, irrt im Labyrinth. Ein gieriges Streben nach allem Möglichen, das erkannte Miller schon 1940 als er begann, die Essenzen seiner Beobachtungen und Erfahrungen aufzuschreiben. Status. Ruhm. Macht. Überlegenheit. Kampf. Krieg. Gottes Gunst. Schicht für Schicht, nimmt er sie ins Visier, hält Rückschau, blickt voraus, setzt aber auf die Gegenwart, den Augenblick.

Der Augenblick ist das, was zählt.

Er kann ein ganzes Leben erzählen, aufzeigen und beschreiben, aber nur denjenigen zugänglich sein, die offen und interessiert am Menschen sind und ihre eigenen Schiffbrüche bewusst durchlebt haben. Mehrere Male sei er in seinem Leben gestorben, so bekannte Miller einst an anderer Stelle. Ohne dieses Sterben, bleibt das Tor zur Freiheit für den Menschen verschlossen. Hemmungen und Ängste, das sind die zentralen Bremsen des Seins. Miller glaubt an den Wert der Selbstoffenbarung, konsequent im Dienste des Selbsterkennens. Das ist nichts für Kontrollfetischisten und Angsthasen, auch nichts für vermeintliche Gladiatoren, die laut Miller absurd sind und längst ausgedient haben.

Nur hat diese Welt das noch nicht begriffen …