to write is to be XIV

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Schreiben hat auch immer etwas mit Heimat zu tun.                          camus_heimat

Man beheimatet sich im eigenen Kopf,

man ist entheimatet, man sucht Heimat,

man findet Heimat.

In der Möglichkeit der Erinnerung,

liegt Segen und Fluch zugleich,

kommt es zu Abbruch und Aufbruch.

Dem Ganzen liegt kein sentimentaler Heimatbegriff zugrunde, sondern das Ansinnen, eins mit der Welt zu werden, so wie sie ist. Zweifellos keine leichte Aufgabe. Aber genau darum ringen Autoren schon seit Jahrhunderten und tun es noch heute, sofern sie seriös sind. Sie kennen beide Seiten der Medaille, die Abspaltung und das Einssein. Nur so ist eine Zusammenschau möglich, welche ein Gemälde seiner Zeit ist, eine Tür zum Innen und Außen.

Idealerweise fließen Gedanken und Worte.

Von der Quelle bis zur Mündung, ist es ein langer, zuweilen beschwerlicher Weg. Odysseus und andere, lassen grüssen. Rilke, Hölderin, Heine, Hesse, Kafka, Walser, Benjamin, Zweig, Mann, Brecht, Feuchtwanger…etc. Sie alle wussten um Heimat, sie verloren sie auf die ein oder andere Weise und versuchten sie wiederzufinden. Einige kamen durch, andere scheiterten oder kamen um. Was auch immer auf ihren Wegen geschah, sie gingen ihren eigenen Weg so gut sie konnten. Manche hatten Glück, andere Pech. Den einen leuchtete ein Stern, den anderen verdunkelte der Schatten des Daseins den Horizont, manchmal war er sogar verbaut.

Manche flüchteten und gingen ins Exil, wegen unerträglichen Zuständen, weil der Geist nicht mehr frei atmen konnte. Zu groß war die Furcht, die Beklemmung, die Abwertung des Geistes, zu groß war die Bedrohung. Und es gab vielfältige Bedrohungslagen und Bedrohungsszenarien. Sie alle zersetzten das Gefühl von Beheimatung und somit das Gefühl von Sicherheit.

Es gab zahlreiche Verluste, die es unmöglich machten, einen Schöngeist hervorzubringen. Das Leben war alles andere als schön, es war ein Kampf …

 

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Es gibt Tage, da denkt man an Kurt Tucholsky V

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Wie immer steht die Frage nach                                          tuch_office

den möglichen Brückenschlägen im Raum.

Vergangenheit und Gegenwart,

Historie und Aktualität.

Kurt Tucholsky engagierte sich für kurze Zeit parteipolitisch.

Ein Versuch, gesellschaftlich mehr Einfluss zu gewinnen, der aber alsbald

in tiefe Ernüchterung und Enttäuschung, mündete.

Er wirkte bei den Sozialdemokraten mit, stellte sich an die Seite der Arbeiterschaft,

deren Ausbeutung er mit Doping verglich.

 

„Was ist das anderes als Doping, wenn man die Bergleute in unsichere Schächte hineinjagt,

ihnen keine Zeit lässt, ihr Leben zu sichern:

arbeiten ! arbeiten! – Sie gehen drauf, wie die Fliegen …“

 

Die Widersprüchlichkeit von Parteipolitik, der Graben zwischen Reden und Handeln,

widerte Tucholsky nach einigen Erfahrungen mit der SPD an.

Parteiinterne Zerstrittenheit, war schon damals ein Markenzeichen der SPD.

Engagierte sich die Partei anfangs noch gegen die Kriegstreiberei,

war sie später mit an Bord und besang die notwendige Verteidigung des deutschen Vaterlandes.

Sie schloss faule Kompromisse mit den konservativen Kräften, um ihrem eigenen Verbot zu entgehen.

Damit war der Pakt mit dem Teufel geschlossen.

 

1914 begann der Erste Weltkrieg!

Vorab gab es ein großes gesellschaftliches Getöse und Geschrei.

Der Krieg wurde in der Presse vorbereitet. Sie heizte das Volk an, hetzte es auf.

Eine „Woge der Betrunkenheit“, schrieb Tucholsky.

Besoffen waren auch viele namhafte Autoren und Künstler.

Kurt Tucholsky hingegen schrieb:

„Uns Junge hat es umgerissen – wir stehen draußen so im Feld…“

Alle zuvor geltenden Werte und Ideale, die Tucholsky heilig waren,

gingen in die Brüche.

Von nun an herrschte nur noch Härte, Fanatismus und Furcht…

 

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Es gibt Tage, da denkt man an Kurt Tucholsky IV

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Was Tucholsky vor allem                                                                                          fassade_tucholsky

von den meisten Deutschen unterschied:

Kurt hatte Humor!

Der deutsche Bierernst, der strenge Formalismus,

das alles stachelte Tucholsky zum originellen Widerspruch an.

Er nahm nicht nur das Bürgertum auf die Schippe,

sondern führte zugleich den Adel und das Militär vor.

Kurt Tucholsky legte sich mit dem deutschen Beton an.

Diese tief eingepflanzte Härte, diese Erstarrung in Geist, Emotion und Seele.

 

Wer andere, das heißt vor allen die Schwachen traktierte, so Tucholsky,

sollte nicht ohne Rechnung bleiben.

Und Tucholskys Rechnungen, die er beglich, fielen nicht selten teuer aus.

Er stellte die Feinde der Menschlichkeit bloß, attakierte sie, machte sie in

all ihrer Beschränkung und Einfältigkeit, lächerlich.

 

Seine Waffe war das Wort.

Er prangerte die Verlogenheit der Eliten an, zog scheinbar furchtlos und mit Humor

in den Kampf. Dafür bekam er was auf die Mütze, was nicht anders zu erwarten war.

Kurt Tucholsky legte sich mit dem Apparat an. Und wie er selbst bemerkte:

„Nie lässt sich der ganze Apparat völlig übersehen.“

Die Mächtigen haben die Möglichkeiten abzuwarten, der kritische Schriftsteller aber

steht unter Druck, reagiert aus dem Gefühl und damit zumeist spontan.

Er hat keine Armee, die ihm den Rücken stärkt und ihn notfalls verteidigt.

Und das wusste natürlich die Gegenseite, was Tucholsky zumeist aber nicht die Laune

und sein Schaffen verdarb.

„Kämpfen – aber mit Freude!“ das war einer seiner Wahlsprüche.

 

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Es gibt Tage, da denkt man an Kurt Tucholsky III

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Menschen, die nur sich dem Gelde zuwenden,                           Tagebuch_tuch_nichtachtung_Schwache

den Mammon anbeten,

solche Zeitgenossen waren Kurt Tucholsky zuwider.

Er sehnte sich nach anderen Formen

und Möglichkeiten der Erfüllung,

welche aber nie zu erreichen waren,

so seine Ansicht, so sein Empfinden.

Es gab wohl Momente des Glücks und der Leidenschaft,

eine tiefe Erfüllung blieb ihm aber verwehrt.

 

Das innere Loch, die Wunden, waren zu groß.

Sein Vater war früh verstorben, seine Mutter war eine krankhaft herrschsüchtige Frau,

die versuchte alles und jeden zu kontrollieren und zu dominieren.

Die Kinder der Familie litten extrem darunter, was dazu führte, dass sie ihre eigene Mutter

ablehnten bis hin zum Hass auf sie.

Da blieb nur die Flucht in die Sehnsucht nach Nähe, Liebe und Geborgenheit,

aber auch eine Flucht hin zu Gerechtigkeit und Rebellion.

 

Die Mutter, „die Chefin“ des Hauses Tucholsky, führte sich derweil wie eine Furie auf,

verfluchte ihre eigenen Kinder, da sie ohne „die Bälger“ ein viel schöneres Leben

hätte führen können. Das war ihr ausgelebtes Grundgefühl, wobei sie mit Geld

gut versorgt war.

Eine subtile Medea, die auf verschiedene Arten die Seelen ihrer Kinder mordete.

So empfand Kurt Tucholsky seine eigene Mutter.

Das war mit ein entscheideter Grund, warum Tucholsky sich später immer auf

die Seite der Schwachen und Ohnmächtigen stellte, jene Menschen,

die in und von der Gesellschaft unterdrückt und missachtet wurden.

Er kämpfte auf verschiedenen Felder, die aber oftmals eines gemeinsam hatten:

Das Gift der Herrschaft von Eliten und Militärs, der Betrug der Mächtigen am Volk.

Die einen machten sich ein schönes Leben, die abhängigen und unterlegenen Menschen

der Gesellschaft, bissen ins Gras.

Sie ließ man bedenkenlos auf den Schlachtfeldern des Lebens sterben…

 

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Es gibt Tage, da denkt man an Kurt Tucholsky II

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Um sich einem Schriftsteller zu nähern,                                                      Tagebuch_Tuch_falsche_Töne

dafür sollte man sich Zeit nehmen.

Hop, schnell, ups, peng, blök,

klatsch, bumm, quak.

All das gehört an die Wühltische der Gesellschaft,

nicht aber in die  Natur der Kultur.

Es passt auch nicht zum Schaffen, Schwitzen, Leiden, Keulen…etc.,

eben alledem, was ein seriöser Schriftsteller vollbringt,

wenn er Texte schreibt.

Und wer will bestreiten, dass Kurt Tucholsky nicht nur ein seriöser,

sondern auch ein ehrbarer und verehrenswerter Schriftsteller war.

Diesen Kriterien genügen heutzutage nur noch wenige Schriftsteller,

die zu recht Autoren oder Schreiberlinge genannt werden.

Es gibt natürlich auch die Schreiblieseln.

 

Keine Frage, Kurt Tucholsky hätte einen ganzen Sack voll Ironie

in heutigen Zeiten zu verteilen gehabt.

Das hätte sowohl Politik, Wirtschaft als auch andere Gesellschaftsbereiche

als solches be- und getroffen.

Tucholsky hätte die Oberflächlichkeit und Kurzlebigkeit von Aussagen angeprangert.

Er hätte sich einen miesen Schauspieler nach dem anderen vorgeknöpft,

nicht weil er Lust an billiger und inflationärer Satire hatte, sondern weil er der Ansicht war,

dass die Preise, die kurz-, mittel- und langfristig bezahlt werden müssen,

nicht von denen bezahlt und beglichen werden, die den Schaden angerichtet haben

und es weiterhin tun.

Und da kann man doch wohl nicht zuschauen und die Füße hochlegen,

frei nach dem Motto: mir gehts gut, was kümmern mich die anderen Unmenschen!

Tucholsky hätte in heutigen Zeiten viel geschrieben, das steht fest,

weil er ein gutes Gespür für die falschen Töne hatte…

 

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