Liebe in Freiheit

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Schönheit? Zu oft festgelegt in Klischees und Normen, reduziert auf wenige Merkmale und Kriterien. Das ist nicht nur feste Vorgabe, das ist Starre. Schönheit bedeutet viel mehr. Schönheit des Daseins, ästhetisch, manchmal plakativ, aber offen.

„Ich liebe Dich so wie Du bist.“

Bedingungslos und ergebnisoffen, begibt man sich in den Fluss der Ereignisse, das geschieht wechselseitig mit dem Ziel, entdecken zu wollen. Aber auch hier gilt, nicht auf die Stärke (des Willens) kommt es an, sondern auf das Möchten.

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( Parc Monceau / Paris )

 

Liebe ist in ihrer Tiefe weich.

Das stellt nicht infrage, dass auch Liebe Grenzen hat. Grenzen hat jeder Mensch. Es gibt Grenzen der Belastbarkeit und Erträglichkeit, auch Grenzen der Handlungsmöglichkeiten. Die Gründe hierfür sind vielfältig, ob nun körperlich oder psychisch. Sie gilt es zu achten und zu respektieren. Das ist eine mit der Liebe verknüpfte Notwendigkeit, eine wesentlich tragende Säule ihrer selbst. Es kommt auf das Fundament an.

Man kann sagen: erst die Pflicht, dann die Kür.

Man baut nicht zuerst das Dach. Erst werden die Träger gesetzt. Das ist konkretes, praktisches Handeln. Die Aufgaben, die sich stellen, sind individuell verschieden. Sie müssen getan werden, sonst ist das Gebäude nicht stabil. Wie lange das dauert? Keine Ahnung. Das ist der Prozess, der Lauf der Ereignisse, bestenfalls der Fluss, der die Hürden nimmt…

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Die Tagebücher der Anais Nin V

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Zwischen Anais Nin und Henry Miller,                            lettre_antiquar

gab es einen regen  Briefwechsel,

der an sich schon ein großes Werk ist.

Da beide öfters ihre Wohnorte wechselten,

sie einander aber nicht verlieren wollten,

schrieben sie sich hunderte von Seiten.

Reflektionen, Beschreibungen, Erklärungen, Bitten, Wünsche, Proteste, Leidenschaften, all das findet sich in dieser Briefliebe, die mehr als eine Freundschaft war. Es treffen zwei verschiedene Charaktere aufeinander, die einander brauchen und sich wollen. Das ist die Basis für Ausdauer, Tiefgang und Leidenschaft, aber auch für Fragen. Die Lebensmodelle der beiden, könnten verschiedener nicht sein. Anais Nin, der eher sanfte, empfindsame Typ, der die Menschlichkeit sucht und beschwört, Henry Miller dagegen ist auf dem Weg einer radikalen Selbstverwirklichung, häufig ohne Rücksicht auf Verluste. Während Anais Nin die Psychoanalyse für wichtig erachtet und sie selbst erlernt und praktiziert, lehnt Miller die Analytiker ab. 

In der Verschiedenheit liegt die Fruchtbarkeit.

Anais Nin als auch Henry Miller wissen mit der Zeit, dass sie voneinander lernen können. Hat Miller anfangs die führende Rolle des Mentors, so ändert sich das Verhältnis im Laufe der Zeit, da Anais Nin an Erfahrung und Selbstbewusstsein gewinnt. Beiderseitige Belobigung und Kritik ist möglich. Man ermutigt und befragt einander, möchte sehen und verstehen. Somit ist die Verschiedenheit keine Bedrohung mehr, sondern eine Chance auf Erkenntnis, der Briefwechsel wird zum lebendigen Dokument einer Zuneigung. Man neigt sich einander zu, anstatt sich wegen Verschiedenheit abzuweisen, denn beide wissen auch um ihre Zweifel und Selbstzweifel. Millers forsches Auftreten in der Öffentlichkeit, das erkennt Anais Nin, ist auch die Beantwortung einer großen Verunsicherung, es ist eine Flucht nach vorne, die Flucht vor eigenen Dämonen und Ängsten.  Hinter dem Mut steht oftmals die Angst, die Miller versucht zu bekämpfen. Sein radikaler Weg wirft im Laufe der Zeit mehr Fragen auf, als er Antworten gibt.

 

Die Tagebücher der Anais Nin II

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Der Mensch stirbt mehrere Male,                                           Paris_Maler_dernbach

bevor das große Finale kommt.

So ist die Kindheit schon

ein Sammelsurium aus Illusionen, Hoffnungen

und Enttäuschungen.

Anais Nin blickt zurück, erkennt die Diskrepanzen zwischen einstigen Vorstellungen und der Wirklichkeit. In diesem schmerzhaften Prozess wird die große Sehnsucht nach ihrem Vater deutlich. Sie durchlebt ihre eigene Entwurzelung, ihre Selbstzweifel, ihre Ängste.

„Wenn der Mensch entwurzelt (…) wird, welkt er eine Zeitlang. Jedesmal ängstige ich mich und meine, der Zustand werde ewig dauern.“  

( Anais Nin, Tagebücher 3, S. 109 )

Sie kämpft gegen ihre Entwurzelung an, schreibt sich Menschenliebe, Loyalität und Kreativität auf ihre Fahnen. Anais Nin möchte ihr eigenes Bild herausarbeiten, ihr Ich. Damit begibt sie sich auf eine abenteuerliche Reise zwischen Ich und Du. In Paris lernt sie den Schriftsteller Henry Miller kennen und ist beeindruckt von dessen mutiger, provokanter und sexueller Literatur. Dieser Mut, zu sich selbst zu stehen, zieht sie an. Miller reißt die Fassaden nieder, zertrümmert schonungslos die vermeintlich heile Welt, die mit Lügen gepflastert ist. Der Schriftsteller ist auf seine Art entwurzelt, ein Flüchtling, der Amerika angewidert verlassen hat. Er geht volles Risiko, gibt seine Arbeit in einer großen Telegrafengesellschaft auf und lebt ein karges, wildes und chaotischen Dasein in Paris. Zu dieser Zeit führt Anais Nin ein gut abgesichertes Leben, ist mit einem Banker liiert, der ihr alle materiellen Sicherheiten bietet.

Die Literatur von D.H. Lawrence wird zunächst das gemeinsame Bindeglied zwischen Nin und Miller. Dieser Treibstoff verfehlt seine Wirkungen nicht…

Manchmal denkt man an den Jahreswechsel II

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Schnittstellen, Übergänge, Wandlungen.                                                       japanese

Gipfel oder Tal?  Dschungel oder Schlucht?

Jeder wähnt sich woanders.

Wo liegen die Gemeinsamkeiten, wo die Verschiedenheiten?

Und was fängt man mit ihnen an?  Fragen der Gestaltung.

Fragen des Seins.

Oft auch Fragen der Wertigkeiten. Wer setzt welche Skala?

Welche Maßstäbe werden angesetzt?

Wieder ein Jahr an der Grenze, im Übergang zu was?  Gibt es einen Übergang?

Oder ist es nur eine fixe Zeitidee, die dem Menschen vorgaukeln soll, es würde sich was verändern,

wo er selbst doch starr und unbeweglich ist, nicht von seinen Mustern lassen will und kann.

Gibt es einen Aufbruch, wenn ja, wohin?

Wer würde ich gerne sein? Was würde ich gerne tun?  Was liegt mir am Herzen?

Was ist mir wirklich wichtig, ohne mich zu wichtig zu nehmen.

Es sind Teile, Fragmente, die einander begegnen.

Vor allzu weitreichenden Schlussfolgerungen wird gewarnt.

Auch morgen geht der Alltag weiter … und Berge versetzt man nicht in Stunden.

Ein guter Wein reift auch nicht in Tagen…

 

 

Es gibt Tage, da denkt man an Albert Camus VIII

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Algier, so schrieb Albert Camus,                                                       Tagebuch_camus_freiheit

„verlangt klare sehende Seelen,

die keinen Trost brauchen“.

Die Armenviertel sind untröstlich. Sie sind brutal.

Jeder Tag ist ein Kampf ums Überleben.

Ohne Glaube überlebt man nicht.

Vielleicht vegetiert man dahin, zerfällt ganz langsam,

blüht nie wieder auf, wie einst in der Jugend.

Es herrscht ein Mangel an vielem.

Was bleibt?

Camus weiter zu Algier:

„Es will, dass man sich zu seiner Klarheit wie zu einem Glauben bekennt.“

Und so geschieht es denn auch. Eine radikale Umgebung erzeugt extreme Strömungen.

Der Gleichmut ist trügerisch, das Palaver auch.

Unter der Oberfläche ticken Zeitbomben, halbaktive Vulkane, die jederzeit ausbrechen können.

Hätten einige Politiker und Militärs, Albert Camus gelesen, sie wären vielleicht nicht in den Krieg gezogen.

Aber, da Politiker und Militärs, in der Regel dumm sind, nach Macht streben und hegemonial ausgerichtet sind,

ziehen sie blind in den Krieg, wollen erobern und ausbeuten.

Sie könnten es wissen, mit wem sie es zu tun bekommen. Aber sie schauten und schauen stets weg,

sei es aus Eitelkeit, Ruhmsüchtigkeit oder schlichter Dummheit.

Lügen tun sie alle. Informationen werden manipuliert und frisiert.

Und dann schickt man naive Sunnyboys in den Krieg, die dann ausrasten und mit modernster Militärtechnik

Cowboy spielen dürfen, bis ihr Konvoi in die Luft fliegt.

Es geschah im Namen der Freiheit, werden beide Seiten behaupten.

Nur argumentieren und interpretieren sie anders.

Wessen Freiheit? Um wessen Freiheit ging es?

Was für eine Art von Freiheit?

Es gibt Tage, da denkt man an Albert Camus VII

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Fürchtet euch nicht – diese mögliche Botschaft                                                      Camus_klare_nennung_dinge

klingt heraus, schwingt mit, schreit auch manchmal

in der Stille von Dschemila.

Aus großartigen Bauwerken der Geschichte wurden Ruinen.

Aus Ruinen wurde wieder Stein, Sand und Staub.

Der ewige Wandel, frisst auch an den Heiligtümern der Macht.

Die Natur erledigt das Protztum, die Unbelehrbarkeit der Helden und Kriegsherren.

In Stein gehauene Göttinnen, werden vom Zahn der Zeit ihrer Schönheit beraubt.

Alles ist vergänglich. Das verdrängt der Mensch. Er klammert sich an irgendetwas,

sucht nach Bestätigung eigener Ansichten, Absichten und Hoffnungen,

strebt nach uneingeschränkter Regentschaft. Das ist Europa, das war Europa.

Aber so wird Europa nicht mehr sein.

Aus der Expansion wird ein rollback.

Was das anbetrifft, ist die Geschichte ein guter Lehrmeister.

Aber ein Menschenleben wird nicht ausreichen, um das Ausmass des Wandels

auch nur annähernd zu erfassen. Zu kurz ist die Zeitspanne eines Lebens.

Und somit ist die Schwierigkeit vorgegeben, welcher Sprache man sich angesichts der Vorgänge bedient?

Es gibt nicht viele Menschen, die befähigt sind, gut zu beobachten und die Beobachtung in exakter

Sprache auszudrücken. Dafür müsste man das Elementare immer wieder herausfiltern,

was wiederum Zeit bräuchte, die heutzutage niemand mehr hat. Es regiert der Zeitdruck.

Aber es ist nicht nur der Umstand des Zeitmangels, welcher zur Ungenauigkeit und Verzerrung der Tatsachen führt,

es ist auch der Mangel an Bildung. Wo es keine breite und tiefgehende Bildung gibt,

ist die Fehleinschätzung der Lage vorprogrammiert, fallen die Resultate entsprechend dürftig aus.

Einfachheit ist nicht gleich Einfachheit.

Es gibt die Einfachheit, die auf Dummheit gründet. Und es gibt Einfachheit als das Resultat eines langen Prozesses,

der nach tieferer Erkenntnis strebt…

Es gibt Tage, da denkt man an Albert Camus IV

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Die Albert-Camus-Festwochen sind eröffnet.                                                           camus_algierliebe

Wer da nicht alles mitfeiert?!

Es wird erinnert, verglichen, assoziiert.

Man kürt Camus zum Helden, zum philosophischen Übervater,

den wir dieser Zeiten vielleicht gut gebrauchen könnten,

dort wo es an Anstand, Würde und Richtung fehlt,

dort wo man sich nach Unbestechlichkeit und Wahrheit sehnt,

wie ein einsamer Wanderer in der Wüste, umgeben von fluglahmen Vögeln,

die nicht nur an Aas picken, sondern sich selbst gegenseitig auffressen.

Da fällt einem der Flug der jungen Sportler ein, deren Absturz in den Siebziger Jahren des letzten Jahrhunderts in den

Anden.

In Ermangelung von Nahrung, begannen sie ihre toten Kameraden aufzuessen,

um zu überleben.

Das war und ist Existenzialismus, wie ihn Albert Camus aufgegriffen, beleuchtet und hinterfragt hätte.

Es gibt Eis-, Sand-, Geröll- und Wasserwüsten. Wer dort leben muss, aus welchen Gründen auch immer,

der weiss um Grenzen und Grenzüberschreitungen, der weiss um Niederlagen und Entsetzen.

Das grausame Lied der Ohnmacht.

Albert Camus hat sich intensiv damit befasst, wie Menschen auf Erbarmungslosigkeiten reagieren.

Es gibt die verschiedensten Muster und Gewebe, die zeit- und epochenübergreifend sind.

Die Natur gibt die Bedingungen vor, der Mensch gestaltet sie im Rahmen seiner Möglichkeiten,

er begehrt auf, er revoltiert, er geht in die Knie, er verzweifelt, er verirrt sich, er versinkt im Treibsand.

Man sollte Albert Camus nicht einen oder zwei Tage feiern, um ihn dann wieder zu begraben,

wie es die Medien so tun.

Man sollte Camus auferstehen lassen.

Wir brauchen ihn mehr denn je …

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