Schreiben warum?

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Das Tagebuch liegt auf dem Tisch. Denken an verschiedene Autoren…und Richtungen.

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Thomas Bernhard meinte sinngemäss, schreiben, weil sonst das Leben für ihn nur schwerlich zu ertragen sei. Der Umgang mit Hindernissen, Hürden und Blockaden…dem Inneren einen Ausdruck verleihen. In diesem Zusammenhang fällt Georg Stefan Troller ein:

„Das Innere wächst sich nach außen.“

Troller, der Exilant, kommt in seinen Büchern und Filmen, immer wieder auf die Brüchigkeiten des Lebens zu sprechen. Hier kann sprachlicher, in diesem Sinne schriftlicher Ausdruck, eine Hilfe und Ortsbestimmung sein. Der Schreiber drückt sich aus, so wie der Fischer den Anker wirft…ohne zu wissen, wo er landet. Die Weite kann Reiz und Schrecken zugleich sein. Dem Niemandsland steht die Verortung gegenüber. Wie lange kann man sich den Schwachsinn einer Konsum-Diktatur noch antun? Das ist nur eine Frage des Weges. Und schon ist man bei Albert Camus und der „Hochzeit des Lichts“. Jeder Schreiber wünscht sich lichte Momente…

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Denkmal

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Es kommen Tage, da möchte man nicht mehr in den Kampf ziehen, keine Verteidigungslinie mehr errichten und auch nicht mehr angreifen. Das ist in heutigen Zeiten nahezu undenkbar, aber es könnte möglich sein. Dahinter steckt kein rezeptualer, von Idealen überfrachteter Pazifismus aus einem Friedensbuch oder einem romantischen Traum, sondern Beobachtung und Erfahrung.

„War es nicht schon immer so?“ lautet die suggestive Frage.

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Oberflächlich betrachtet, könnte man das so sagen. Kriege hat es immer gegeben, Hunger und Armut auch. Das große Bla Bla hat schon mit der „Katze auf dem heissen Blechdach“ ein Denkmal bekommen. Aber das ist schon lange her. Sollte man vielleicht versuchen, eine weitere Skulptur zu schaffen? Zweifel tauchen auf. Ist nicht schon alles gesagt worden? Die Fakten liegen doch auf dem Tisch. Also nochmal über Fragestellungen nachdenken.

„Wie ist es möglich, dass ..?“

„Was ist möglich?“

„Warum ist es möglich und warum ist es unmöglich?“

Albert Camus meinte mal, es bräuchte mindestens zehn Jahre, bis man eigene Ideen hervorgebracht hätte, die man mit einem gewissen Recht vertreten könne, vielleicht dürfe. Diese vorsichtige Haltung gegenüber der eigenen Meinung verdient hohen Respekt. Eigentlich müsste sich jeder an ihr messen lassen, sich selbst an ihr messen. Gemessen wird, keine Frage. Aber wer setzt die Maßstäbe? Allgemeingültigkeit gibt es nicht, das vorneweg. Was es gibt: beobachtbare, erfahrbare Tendenzen, deren Recht auf umfassende Schlussfolgerung als solches zwar erwünscht, aber nicht vertretbar ist. Der Wunsch nach klaren, eindeutigen Antworten, ist nicht immer gegeben. Andererseits gibt es aber auch einen Hunger nach Klarheit. Wer freut sich nicht, wenn der Nebel sich lichtet…die dicken Wolken sich endlich beginnen aufzulösen.

„Was braucht es dazu?“

Das Tagebuch liegt auf dem Tisch, die Blätter sind unbeschrieben…das denkt man, aber ist es so…?

Vieles spricht dagegen…

To write is to be

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Es ist nicht nur eine Aneinanderreihung von Worten, es ist weit mehr. Es ist ein Bild aus tausend Bildern. Erscheint das Wortgemälde auch einfach, wer mag behaupten, dass es so ist?  Das Buch ist ein Ergebnis, ein Blogbeitrag auch. Selbst ein Zeitungsartikel hat seine Vorgeschichte.

Alles Schreiben folgt Motivationen

 

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Was bewegte den Autor zu schreiben?

War es die Lust am Nachdenken? Waren Erlebnisse so intensiv, so direkt, so stark…, dass der tiefe Wunsch bestand, es ausdrücken zu wollen, vielleicht sogar zu müssen? Schwer denkbar, dass es die pure Lust am Schreiben war. Aber auch das kann vorkommen. Das zweckfreie Spiel mit Gedanken und Worten. Der Unterschied zu Thomas Bernhard und seiner Auffassung vom Schreiben, ist frappierend. Bei ihm dominiert die Schärfe, die gnadenlose Zielführung. Ihm gegenüber steht zum Beispiel Jack Kerouac. Er schrieb wie ein Jazz-Musiker. Bebop. Wild riffs. Man könnte noch andere Autoren anführen, die für klare Konturen sorgten, die starke Akzente setzten. Henry Miller nannte Kant einen Leisetreter. Miller forderte auf:

„Bremsen raus!“

Zugleich sagte er:

„Ich möchte die Schrecken bannen, die den Menschen daran hindern, zu seiner vollen Größe emporzuwachsen.“

Er setzte alles auf eine Karte

Das kann man heute auch noch machen, aber die Zeiten sind andere. Die Menge an Provokation und Skandalisierung, ist über die Ufer des Erträglichen geflutet. Beide verfolgen keine tieferen Absichten mehr, erreichen keine Vielschichtigkeit, wie man es sich von „guter“ Literatur erwartet, zumindest erhofft. Bloße Provokation ist langweilig und die lange Kette der Skandale, zerstört das Feingefühl. Differenzieren ist nicht mehr gefragt, sondern „Plakatierung“.

Auf Kosten tieferer Erkenntnisse, wird gekaspert, gejohlt, provoziert, angeklagt, angegriffen, bagatellisiert… im wahrsten Sinne des Wortes, schlecht buchstabiert.

Was wirklich langweilt, ist die Einseitigkeit…

 

New Year

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Kalendarisch ist es neu, frisch und jung. 2016. Auf der Zeitachse geht es weiter, im Leben auch. Die Rückblicke sind noch nicht abgeschlossen, aber die Gedanken wandern Richtung neues Jahr.

„Eile mit Weile“?

Mehr Weile als Eile, das ist eine Richtschnur. Das eigene Maß gestalten und leben. Das hat nichts mit Egoismus zu tun, sondern mit Verwirklichung des eigenen Wesens. Jeder hat seine Baustellen, jeder seine Aufgaben. Und wenn es gut läuft, dann teilt man etwas davon, ergänzt sich, befragt sich. Die Moralkeule hat an der Stelle nichts zu suchen, eine Verrechnung auch nicht.

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Zeit muss man sich nehmen

Hinschauen und was passiert, auf sich wirken lassen. Das gelingt nur im angstfreien Raum, dort wo freies und tiefes Nachdenken erlaubt und möglich ist. Jeder Mensch braucht „Spielräume“, nicht nur Kinder, sondern auch Erwachsene. Wer ständig unter Druck ist, dem fehlen die Spielräume, alles wird eng, alles spitzt sich zu, schlimmstenfalls in einer Endlosschleife. Das Ergebnis ist Dauerstress. Und dieser Stress macht krank. Den Stress zu reduzieren, das bedeutet auch Verantwortung für sich zu übernehmen. Leistungsstress ist kein Gütesiegel, sondern die Ursache von Krankheiten. Letztere interagieren miteinander und streuen. Sie beeinflussen uns selbst und unsere Beziehungen. Das reicht von Beeinträchtigung bis hin zur Zerstörung. Ein hoher, folgenschwerer Preis.

Das „Immer-Mehr“ führt ins „Immer-Weniger“. Mehr Tempo, mehr Leistung, mehr Aufgaben …mehr Forderungen. Manche nennen das Hamsterrad oder Tretmühle. Mit Wohlsein hat das nichts zu tun und gesund ist es auch nicht. Das Recht auf Gesundheit gibt es in unserer Gesellschaft glücklicherweise noch, in anderen nicht…

 

Herbstlicht

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Das Grau hat viele Farben,                 weltruhm_Frauen_sepia

der Herbst auch.

In Zeiten der Laubbläser,

der Blattposaunen,

gilt es hier und da,

Abstand zu halten.

Es muss nicht immer Rilke sein, noch Nietzsche oder gar Stefan Zweig.

Wer die Novembrigkeit beschwört, darf sich über das Wolkenaufkommen nicht beschweren.

Rückzug und Verdichtung, gehören zweifellos zusammen. Zwischen Schotten dicht und Einkehr liegen Stufen, deren Kanten zum Stolpern einladen. Ruhig mal hinsetzen und die Szenerien wirken lassen. Dabei kann eine Rückschau durchaus dienlich sein. Wie ist dieses Jahr bisher gelaufen? Gab es Veränderungen? Wie sind die Aussichten?

Werden und Vergehen, Blüte und Verwelken, Aufstieg und Fall.

Was in den Fokus gerät oder gestellt wird, bestimmt das Klima, das Empfinden, das Sein. Es ist weder alles schlecht noch alles gut.

Es ist wie es ist, aber es bleibt nicht so …

 

Es gibt Tage, da …V

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Manche reden vom Neubeginn,              white_page

andere von Veränderung.

Einen Ort kann man wechseln,

die Geschichte nicht.

Wohl verändert sich die Geschichte,

entwickelt sich weiter,

ihr Fundament aber bleibt bestehen.

Versuche, die Basis zu negieren,

Ursprünge auszuradieren,

führt nach Absurdistan und Diskrepanzien. Ein Sammelsurium aus Spaltungen entsteht, auch Abspaltungen genannt. „Worte sind wie Schall und Rauch“, so sagt man. Auf die Taten kommt es an. Aus ihnen entstehen Fundamente und zerbröseln sie zugleich. Gibt es einen Willen, und wenn ja, wozu? Woraufhin zielt Handeln ab?

Der Uhrzeiger dreht sich weiter, die Lebenszeit schreitet voran, man könnte auch sagen, sie nimmt ab.

Was von der Geschichte übrig blieb …

kann Aussage und Frage sein.

Siegen

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Der Kalauer von Siegen

und dem Verlieren auf ganzer Strecke, kann vielfältig gedeutet werden.                  extrablatt_day_service

Nein, Siegen ist nicht der Kracher,

wohl aber deklarierte Rubensstadt.

Der Meister wurde hier geboren,

lag in den Windeln und plapperte von Malerei,

ergötzte sich an fülligen Damen und Landfrauen,

ob er Reibekuchen aß, man kann es nur ahnen.

An Historie hat Siegen etwas zu bieten, an Moderne auch.

Nach monatelanger Stadtabstinenz, man kann nicht sagen, lockte sie, so war doch ein Ruf

der Stadt zu vernehmen.

„Schau doch nochmal vorbei!“

Sowas sagt man zu Bekannten, Freunden und Familienmitgliedern. Der Ruf drang zu mir und ich machte mich auf den Weg. Mit Tagebuch und Fotoapparat, mit Entschlossenheit und Skepsis. Hatte sich in der Stadt etwas verändert, seit meinem letzten Aufenthalt? Wie stand es um die Kultur und ihr Angebot? Wie offenbarte sich das Leben in den Cafés? 

Der Herbst stand vor der Türe und die an Laub reichgefüllten Bäume begannen sich zu erleichtern. Werden. Leben. Vergehen. Was in der Natur deutlich zu beobachten ist, findet sich auch in einer Stadt…

 

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