Wenn einer eine Reise tut :XIX Zum Mittelpunkt der Birne XV

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Sein Alptraum war eine Verkettung                                          Göttin_double_dernbach

von Ereignissen.

Johann Hartklug hatte plötzlich nicht nur einen,

sondern mehrere schlechte Tage.

Vielleicht hatte er den Beginn dieser abenteuerlichen,

im Nachhinein wenig wünschenswerten Serie

nicht wahrnehmen können, vielleicht sogar nicht wollen.

Er war einfach zu beschäftigt. A working pur.

Immer auf Trab.

Ein Mann wie ein Schnellzug.

Sicher war er nicht everybodies darling, aber er hatte sich einen Rest Charme bewahrt,

dieses jedoch eher aus beruflich-taktischen anstatt liebenswürdigen Gründen.

Er konnte perfekt den kalten Engel spielen, handelte mit Gefühlen wie mit einer Herde Schweine.

Und eine Herde Schweine war an jenem verregneten Novembertag

auf einem gigantischen Gutshof in der Uckermark ausgebüchst und dabei,

einen beträchtlichen Schaden anzurichten.

 

Ein Fall für Johann Hartklug von Piepenhahn & Söhne.

Er bekam gegen 04.30 Uhr eine SMS mit der Betreffzeile: Notfall !!!

Das schreckte ihn zunächst nicht, denn Notfälle war er gewohnt, ja, sie reizten ihn sogar.

Johann Hartklug sprang aus dem Bett, in welchem er nicht alleine lag.

Er hatte sich, um sein hartes Leben als Außendienstler etwas zu verschönern,

bei einem Escort-Service eine Hostess gemietet.

Maria Garcia, zweifellos eine Schönheit mit heißem andalusischen Blut in den Adern,

war wenig begeistert als Johann Hartklug zu nächtlicher Stunde mit seinem Rasierapparat

den neuen Tag einläutete, denn ihre Schönheit gründete unter anderem auf ausgiebigem Schlaf.

In Sevilla krähte zu dieser frühen Stunde nur ein Hahn, dieser hieß Johann Hartklug,

weil er zunächst seine Krawatte nicht fand.

„Scheiße, Scheiße, Scheiße!“ rief er.

Nun hätte man sagen können,

wenn in der Uckermark 5000 Schweine ausbüchsen, darunter 400 Wildsäue,

bedarf es nicht unbedingt einer Krawatte, um zum Termin zu erscheinen.

Aber Johann Hartklug legte Wert auf gute Formen und Stil,

selbst und vor allem in Notfällen. Dahinter stand ein psychologisch kompliziertes Konzept,

welches vielleicht noch an späterer Stelle erläutert werden kann.

 

Maria Garcia konnte weder ein Konzept, noch eine Notwendigkeit hinter dieser Ruhestörung erkennen.

Sie sah sich um ihre Dienstleistung betrogen und ihre Schönheit gefährdet.

Diese Kombination hätte Johann Hartklug richtig deuten können, besser gesagt, müssen.

Aber Zeitknappheit und mangelndes Wissen, verengten den Spielraum …

 

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Uckerland XIII: Welche Richtung?

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Da gibt es einen Buchband von o´Henry:

„The roads we take“.

Zweisprachig. Da kann man auch noch

etwas Fremdsprache lernen.

Lang ist das her.

Ein Buch aus der Jugendzeit.

„Ach, lass´doch der Jugend ihren Lauf“, fällt mir ein.

Beim Schreiben fällt einem alles mögliche ein.

Gedankenreisen.

Nochmal ein Blick auf die Rosen,

nochmal unterm Apfelbaum sitzen.

Letzte Gespräche.

Die Stunden bei Ulrich Kasparick  sind gezählt.

Es geht wieder zurück nach Berlin.

Hetzdorf war eine wichtige, eine gute Erfahrung.

So Gott oder wer auch immer will,

werde ich zurückkehren.

Es gab gute Gespräche.

Ich habe mich nicht als Gast, sondern als Freund gefühlt.

Und wenn ich zu dem Schluss komme,

dann will das schon was heißen.

Als Reisender mit wenig Mitteln unterwegs zu sein,

bedeutet eben auch, auf die Freundlichkeit anderer

angewiesen zu sein.

Das ist oft eine Gratwanderung.

Diesmal ist sie gelungen.

Es geht also wieder in die Hauptstadt,

wieder Schloßstraße, wieder Hektik, wieder Gewusel.

Der Apfelbaum, die Rosen, die Weite der Landschaft und die Gespräche

mit Ulrich, haben eine angenehme Tiefe verbreitet.

Ohne zu wissen, hatte ich mich auf den Weg gemacht,

habe meiner Erfahrung vertraut.

Ich bin ja nicht zum ersten Mal mit meinem Drahtesel unterwegs.

Das einfache Reisen.

Es wird mir erhalten bleiben…

Wenn ich wieder im Siegerland bin,

werde ich die Tagebuchaufzeichnungen zu

einem Manuskript ausarbeiten.

Berlin – Uckerland – Berlin.

Kontraste zwischen Stadt und Land,

mir wohlbekannt!

Dafür muss man nicht Henry David Thoreau gelesen haben,

aber schaden tut es auch nicht, im Gegenteil.

Denn eine Reise ist Leben

und das Leben ist und bleibt eine Reise…

Uckerland XII: Gespräche

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Manchmal ist man von guten Mächten

wunderbar geborgen.

Warum das so ist, darüber werde ich schweigen.

Es kann einen genauso hart treffen und

wie will man das erklären?

Nein, es gibt nichts zu erklären und schon

gar nicht zu beweisen.

Oft ist es besser zu schweigen.

Wer schweigen kann, kann besser wahrnehmen.

Aber es gibt etwas zu beschreiben.

Gespräche in denen beschrieben und nicht

voreilig bewertet wird, die sind mir lieb.

Nach einer guten Beschreibung,

darf dann gerne eine Bewertung erfolgen,

die weitgehend persönlich bleibt.

Wer reichlich mit Allgemeinfloskeln hantiert,

eine Objektivität vorgibt, die nicht existiert,

geht schnell auf die Nerven.

 

Man sagt, man tut, man sollte, man würde …

Ach nee. Da wird die Subjektivität zur Objektivität,

die individuelle Erfahrung zum Allgemeinplatz gemacht.

Ich schätze gute Gespräche.

Was ein gutes Gespräch ist?

Denken Sie mal drüber nach !

Vielleicht lesen Sie mal etwas bei Carl Rogers nach?

Das kann bei der Orientierung helfen.

Auch gut, ist der Paul Watzlawick.

Der bringt Charme und Humor ins Spiel.

Wenn der Umgang spielerisch ist,

ist das mehr als die halbe Miete…

 

 

 

 

 

Uckerland XI: Writer on the storm

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Das Tagebuch immer dabei.

Wort für Wort, Zeile für Zeile.

Ich schreibe, also bin ich.

Studieren, notieren, aufzeichnen, skizzieren.

Wortmalereien.

Den Lauten folgen.

Schauen, beobachten.

James Joyce fällt mir ein.

Detail für Detail, einen Tag beschrieben.

Mini-Kosmos, Makro-Kosmos.

Da schaut man sich die Marmelade an und im

nächsten Moment ist man bei der Weltpolitik.

Euro-Krise, HartzIV, HartzV, Hartz-Sumpf.

Die Schere zwischen Arm und Reich,

sie wird wohl immer bleiben, weil gewollt.

Und diese sogenannte Schere, geht immer weiter auseinander.

Aus dem Sieb ist ein Trichter geworden, eine Fallgrube ohne Abdeckung.

Man gibt sich nicht einmal mehr Mühe, eine Abdeckung übers Loch zu legen.

Die Schreiberlinge versagen weitgehend,

der Journalismus hat seinen Ethos längst verspielt.

Nicht einmal mehr Pathos ist geblieben.

 

Ich sitze unterm Apfelbaum in Hetzdorf

und schreibe Tagebuch.

Das ist nicht nur Freude, sondern Aufgabe und Berufung.

Naiv bin ich, ob der Wirkkraft nicht.

Die Schreiberei ist nur ein kleines Lüftchen im großen Sturm,

manchmal ein Kampf, nicht gegen Windmühlen,

das wäre ja noch charmant,

sondern ein Kampf gegen Maschinen, Think Tanks,

und nuttige Schreiber.

Und Schreiben ist noch viel mehr…

 

 

Uckerland X: Zum Haussee

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Ein Haus am See, das wäre schön.

Es ist gar nicht so weit bis zum Haussee.

Der liegt am Rand von Wolfshagen.

Ulrich sagt, es gäbe einen schönen Weg dorthin.

Ach, die kleinen Sträßchen, denke ich.

Sowas mag ich, kenne ich aus Frankreich.

Abgelegen und weitgehend ruhig.

Verbindungsrouten von Dorf zu Dorf.

Und so mache ich mich denn in Hetzdorf auf den Weg,

vorbei an Vorgärten und Gehöften.

Es dauert nicht lange, da lande ich auf einem

nicht asphaltierten Feldweg, mit tiefen Kuhlen

und hohem Gras.

Fahren geht nicht mehr.

Also schiebe ich mein Rad. Es sind nur noch drei Kilometer bis Wolfshagen,

aber die haben es in sich.

Den Feldern entlang, wo Mohnblumen ein Rot in die Landschaft zaubern.

Hier ist bestimmt schon Goethe mit seiner Kutsche einst hergeruckelt,

aber der hat sich fahren lassen, der Dichterfürst.

Und ich? Wer sein Rad liebt, der schiebt.

Der Haussee liegt direkt am Eingang von Wolfshagen.

Gutes altes Kopfsteinpflaster führt zum Ort.

Ich denke an das Radrennen Paris-Roubaix,

fahre so gut es geht am Rande, um mir meine Felgen

nicht zu ruinieren.

Dann gehts rechts hoch auf eine Anhöhe.

Dort steht ein pompöses Denkmal mit mehreren Inschriften.

Das Gesamtkunstwerk weiß ich nicht zu deuten,

nur geht es irgendwie um Schlachten,

wo auch die Franzosen mitgemischt haben.

Ein Blick nach unten, dort liegt der Haussee.

Es gibt eine Liegewiese, die von zwei Müttern

und ihren Kindern belebt wird.

Wahrlich, wahrlich, der Osten lebt.

Es wird geplanscht, gejubelt, geweint, gesungen…

und mit Schwimmflügeln gerungen.

Ich stelle meinen Drahtesel auf die Wiese,

hole meine Badehandtuch raus und frage mich,

ob ich heil durch diese Kinderschar in den See komme?

Akklimatisieren ist angesagt…

„Mami!“ „Mami!“

Plansch. Plansch…

Fehlt nur noch, dass jemand fragt:

„Du Onkel, spielste ma Ball mit mir?“

Uckerland IX: Rosengarten

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Sonnenaufgang, Sonnenuntergang.

Sunrise, Sunset.

Das ist  schon ein Wunder mit der Sonne.

Was alles so unter der Sonne gedeiht,

zum Blühen erwacht.

Licht und Wärme.

Dazu geben wir genügend Wasser und es

kann sich ein kleines Paradies entwickeln,

eine Oase.

Vom Tisch unterm Apfelbaum aus, sieht man

den Durchgang zum Rosengarten.

Dieser Durchgang ist natürlich umrankt von Zweigen und  Blättern.

Man geht von einem Gartenraum zum nächsten.

Dort stehen die Rosen und dort soll auch eine Ruhezone gestaltet werden.

Ein Ort zum Meditieren.

Ulrich wird bald Meditationskurse anbieten.

Meditieren und Gartenarbeit.

Sowas nennt man auch Selbsterfahrung.

Was wirkt wie, auf einen selbst?

Um etwas davon zu verstehen, muss man erst einmal Gefühle zulassen und ausdrücken.

Man sollte bei sich sein können.

Worauf man dann trifft, das wird sich zeigen.

Ob man das sehen kann, ist auch andere Frage.

Gefühle tauchen auf:  Sehnsucht. Freude. Trauer. Wut. Zorn. Angst. Glück…

Licht und Schatten, liegen oftmals nahe beieinander.

Man braucht einen Spiegel, eine Rückmeldung, ein Miteinander.

„Kein Ich ohne Du“, so Martin Buber.

Die Rose ist auch ein Du.

Sie antwortet durch ihre bloße Existenz,

durch ihre Farben, durch ihren Duft.

Sie hat Dornen und weiche Blüten.

Es gibt Rosen, die ranken meterlang,

verschönern Mauern und Bögen.

Dornröschen fällt mir ein.

Der tiefe Schlaf inmitten einer Rosenhecke.

Wahrlich gut geschützt.

Besser als jeder Stacheldraht.

Wenn man die Rose auf sich wirken lässt,

fällt einem so manches ein.

Lustwandeln. Flanieren.

Französische Gärten, englische Gärten, japanische Gärten.

Und jeder Garten hat seinen Gartenmeister,

der genau überlegt, wie und was dort geschieht.

Es ist eine Kunst für sich, ein tieferes Wissen.

Wer sich in die Verbindung mit der Natur begibt,

der kann viel lernen und der kommt zur Ruhe.

 

Und wer meint, sich über die Natur erheben zu können,

der kriegt irgendwann einen auf den Deckel,

bekommt seinen Klimawandel frei Haus serviert.

Aber dann werden erst einmal Konferenzen abgehalten.

Kyoto. Sao Paulo…

Von Regenwäldern hin zu Rosenhölzern,

Vom Biosprit hin zu Monokulturen.

Und zum Mittagessen gibt es dann einen fetten Hamburger

aus der Fast-Food-Fabrik.

Prost Mahlzeit!

Oh, das ist aber dumm gelaufen, meinen mittlerweile so

einige Zeitgenossen.

Früher sagte man, es könnte ein böses Erwachen geben.

Man denke nur an den Bericht des Club of Rome aus

den Siebziger Jahren des letzten Jahrtausends.

Da hatte man schon gewarnt, was auf uns zukommen könnte und wird.

Dafür musste man kein Prophet sein.

Das hätte auch ein einigermaßen gut ausgebildetes Grundschulkind gewusst.

Erdbevölkerung wächst, was tun?

Konferenz, und wieder eine Konferenz,

noch eine Studie, noch eine Doktorarbeit.

Die Wissenschaftler raufen sich die Haare,

die Politiker besaufen sich nicht nur an ihren

eigenen Plattitüden. Auch das weiß man.

Nur, was folgert man für sich daraus?

Uckerland VIII: Essenzen

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Kontraste bilden das Wesentliche ab.

Ob man sich aber dem Wesentlichen zuwendet,

steht auf einem anderen Blatt Papier.

Wir sind zweifellos entfremdet,

im Sinne von Entheimatung.

Inwieweit das dramatisch ist,

merkt man meistens erst dann,

wenn es reichlich, manchmal zu spät ist.

In der Heimat liegen die Wurzeln.

Heimat nicht unbedingt im geografischem Sinne,

sondern vor allem emotional und geistig,

wobei die Wirkung der Landschaft nicht zu unterschätzen ist.

Uckerland, ist ein weites Land.

Räume. Freie Flächen.

Das ist übertragbar in Bildern.

Wenn man von einer Shopping-Meile aus Berlin kommt,

dann wirkt der Kontrast sehr deutlich.

Die Blickfelder sind andere

und die Geräusche auch.

Von den Gerüchen sollte man auch reden.

In der Stadt, der Geruch von Abgasen, Currywurst und Parfüm.

Auf dem Land, Blumendüfte und der Geruch von frisch gemähten Feldern.

Man sieht nicht nur die Erde, man riecht sie.

In der Stadt riecht man den Asphalt, das Polyamid, das Acryl.

Auf dem Land Essenzen, in der Stadt Kunststoffe.

Tradition und Verwurzelung, dem gegenüber eine Rasanz

der Stadt, die keine Wurzelbildung zulässt.

Das Tempo der Stadt entspricht nicht den Bedürfnissen

der Menschen, nämlich bei sich und mit sich zu sein.

Man rennt vor sich selbst davon, ist außengesteuert,

anstatt innengesteuert.

Dafür zahlt man einen hohen Preis.

Ich gehe durch die Felder und versuche anzukommen.

Raum und Zeit.

Wer hat denn in der Stadt noch Raum und Zeit?

Man kämpft um Parkplätze, will zuerst am Wühltisch sein,

das Rennen machen.

Und so rennt man jeden Tag,

in der Hofnung etwas zu gewinnen oder zumindest mitzuhalten.

Mithalten im großen Zirkus.

Was für Antriebskräfte?!

Was treibt einen an?

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