„Bin am Meer“ 2

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Die Stimme der Indianerin …

Oriah Mountain Dreamer

dage_coastwalk

 

Es interessiert mich nicht, womit du deinen Lebensunterhalt verdienst.

Ich möchte wissen, wonach du innerlich schreist

und ob du zu träumen wagst,

der Sehnsucht deines Herzens zu begegnen.

Es interessiert mich nicht, wie alt du bist.

Ich will wissen, ob du es riskierst, wie ein Narr auszusehen,

um deiner Liebe willen, um deiner Träume willen

und für das Abenteuer des Lebendigseins…“

Um das Lebendigsein geht es im Buch: „Bin am Meer“.Was sind die Kraftquellen des Menschen? Wodurch werden sie gefördert, wodurch behindert? Der Meeresguide Leif kommt nicht nur auf das alte Wissen der Indianer zurück, sondern auch auf das Wesen der Kinder, die von Natur aus spontan und unmittelbar sind. Sie sind nicht nur nahe an ihren Gefühlen, sondern dem Herzen nahe, so Leif. Neugierig wollen sie die Welt entdecken…durch zweckfreies Spiel. Die Zweckfreiheit ist dem Erwachsenen fremd. Die gesamte Existenz erscheint zweckbestimmt, was sich nicht nur in Sachzwängen äußert…sondern auch in der Interaktion.

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„Über Leben“ Reinhold Messner – Im Namen der Erfahrung

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Lebensrückblicke können ein Geschenk sein, besonders jene, wo die Protagonisten ein reichhaltiges und vielfältiges Sein anzubieten haben. Der Extrembergsteiger Reinhold Messner liefert in seinem Buch „Über Leben“ eine Zusammenschau, aber auch eine Positionierung seines Lebens. Gleich zu Beginn des Buches, erwartet den Leser ein Zitat von TSCHUANG-TSE:

Alle kennen den Nutzen des Nützlichen,

aber niemand versteht den Nutzen des Nutzlosen.“

( c) Piper Verlag

( c) Piper Verlag

Dieses Zitat ist ein Kontrapunkt zu der Entwicklung moderner Gesellschaften, die sich der Effizienz und der Versicherung verschrieben haben. Nutzen, ausnutzen und ausbeuten, steht auf ihren Fahnen geschrieben. Hinzu kommt ein höllisches Tempo. Diesem Modell, welches mittlerweile rundum digitalisiert und technisiert ist, steht Messner kritisch bis ablehnend gegenüber. Was heutzutage als Abenteuer verkauft wird, ist zumeist kein Abenteuer, weil stets mit Netz und doppeltem Boden inszeniert wird:

„Wild sein ist heute vielfach nur Attitüde“, so Messner.

Tatsächlich ist aus dem einstigen Abenteuer Bergsteigen ein Massentourismus geworden, der je nach Lage des Geldbeutels, bis ins Himalaya führt. Bergsteiger-Karawanen mit Rundumservice, ziehen die Gipfel rauf und runter.

Reinhold Messner ist in der Bergregion Südtirols aufgewachsen, welche heute noch seine Heimat ist. Der inzwischen Siebzigjährige blickt zurück auf sein Aufwachsen in einer kinderreichen Familie, die stets mit der Natur verbunden und traditionell ausgerichtet war. Tradition bedeutete Orientierung, aber auch vorgeschriebener Weg. Sie schuf Zusammenhalt, war aber auch von Strenge und Gängelei geprägt. Eine enge Spur, derer die meisten Menschen ihr Leben lang folgen. Messner bricht aus dieser Spur aus, will seine eigenen Erfahrungen machen. Sein Freiheitsdrang wirkt stetig.

Nach anfänglichen Wanderungen und Klettertouren mit den Eltern, beginnt der junge Messner mit seinen Brüdern und Partnern, einen Gipfel nach dem anderen in den Dolomiten zu erklettern. Der Lernprozess am Berg, ist ein Lernprozess fürs Leben. Es lauern Gefahren, die die Wachsamkeit und Vorstellungsfähigkeit ausbilden. Schon vor der Besteigung ist der Berg, die Route, im Kopf gezeichnet. Dennoch beinhaltet das Bergsteigen Risiken, die das Leben kosten können. Das ist nichts für Hasardeure oder Zweifler. Es müssen Entscheidungen getroffen werden. Trotzdem sind zahlreiche gewissenhafte und gut ausgebildete Bergsteiger ums Leben gekommen. Lag es an übertriebenem Ehrgeiz, an falscher Einschätzung der Lage? Oder überraschte die Natur durch Lawinen, Wetterwechsel und Steinschlag?

Das Thema Angst spielt eine wichtige Rolle. Sie wird durch Erfahrung und Handlung auf ein Minimum reduziert, sogar als Antriebsfeder genutzt. Sich selbst und sich seiner Umgebung bewusst werden, Instinkten vertrauen, deren Zeichen und Impulse dem Verstand überlegen sind, darauf kommt es an.

Das Buch „Über Leben“ von Reinhold Messner zeichnet die Psychologie und Entwicklung des Bergsteigens, die Auseinandersetzung des Menschen mit sich selbst und der Natur. Dabei kommt der Frage der Verortung eine wichtige Rolle zu. Wo und wie, ist man beheimatet? Es gibt eine äußere und eine innere Heimat. Im Idealfall wachsen sie zusammen…

Stefan Dernbach

Foto: © Piper Verlag 2014

Über Leben“

Reinhold Messner

Malik / Piper Verlag 2014

ISBN 978 – 3 – 89029 – 450 – 6

Reinhold Messner ist zur Zeit auf Vortragsreise durch Deutschland,

am 25. Januar ( 18:00 Uhr ) auch in Siegen. ( Siegerlandhalle )

Infos: Reisefibel