Schreiben warum?

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Das Tagebuch liegt auf dem Tisch. Denken an verschiedene Autoren…und Richtungen.

Herrmann_Hesse_Poster

Thomas Bernhard meinte sinngemäss, schreiben, weil sonst das Leben für ihn nur schwerlich zu ertragen sei. Der Umgang mit Hindernissen, Hürden und Blockaden…dem Inneren einen Ausdruck verleihen. In diesem Zusammenhang fällt Georg Stefan Troller ein:

„Das Innere wächst sich nach außen.“

Troller, der Exilant, kommt in seinen Büchern und Filmen, immer wieder auf die Brüchigkeiten des Lebens zu sprechen. Hier kann sprachlicher, in diesem Sinne schriftlicher Ausdruck, eine Hilfe und Ortsbestimmung sein. Der Schreiber drückt sich aus, so wie der Fischer den Anker wirft…ohne zu wissen, wo er landet. Die Weite kann Reiz und Schrecken zugleich sein. Dem Niemandsland steht die Verortung gegenüber. Wie lange kann man sich den Schwachsinn einer Konsum-Diktatur noch antun? Das ist nur eine Frage des Weges. Und schon ist man bei Albert Camus und der „Hochzeit des Lichts“. Jeder Schreiber wünscht sich lichte Momente…

Freundschaft VI

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In dem Song: You’ve got a friend“,                                                   denkmal

gesungen von Carol King oder James Taylor,

werden tragende Säulen der Freundschaft besungen.

Auch findet sich in diesem Lied das Wort: Seele.

Dieser weitreichende Begriff steht für etwas Heiliges,

welches hier und da mysteriös erscheint, niemals

zu beweisen ist, aber von Menschen immer wieder erwähnt wird.

Der Mensch hat eine Seele, die einer zarten Membrane gleicht.

Ist die Seele intakt, so nimmt sie kleinste Schwingungen auf und reflektiert sie. Besonders schön ist das bei Kindern zu beobachten, aber auch bei Menschen, die in Not sind. Auch einige Schriftsteller verfügen über eine ausgeprägte Sensibilität, die weisen Menschen ohnehin. Seien es nun Philosophen oder Vertreter von Weltreligionen, die der Verblendung nicht anheim gefallen sind, so kann man bei ihnen Fähigkeiten entdecken, über die der normale Mensch nicht verfügt. Diese Fähigkeiten sind nicht vom Himmel gefallen, wie manche gerne behaupten, sondern sind das Ergebnis eines langen und beschwerlichen Weges, der reich an Erfahrungen und Erlebnissen ist.

Schriftsteller wie z.B. Hermann Hesse, Jack Kerouac, Henry Miller …etc. verarbeiteten diese Prozesse in ihren Texten, reflektierten und meditierten, über zum Teil geheimnisvolle und bestaunenswerte Vorgänge und Erlebnisse, die nicht zu verstehen waren, aber eben doch stattfanden. Sie schauten sich die Gewebe und Muster an, sofern es welche gab. Hermann Hesses Gedicht: „Stufen“, schildert den Lebensweg in kurzer und prägnanter Form. Dort ist die Rede vom Zauber des Seins.

Freundschaft verzaubert auf vielfältige Art und Weise:

Sie lässt uns staunen, lachen, weinen, lieben, singen, begehren und träumen…und manchmal wird man demütig vor dem, was einem widerfährt und was man geschenkt bekommt…ohne es bestellt zu haben…

 

to write is to be XIV

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Schreiben hat auch immer etwas mit Heimat zu tun.                          camus_heimat

Man beheimatet sich im eigenen Kopf,

man ist entheimatet, man sucht Heimat,

man findet Heimat.

In der Möglichkeit der Erinnerung,

liegt Segen und Fluch zugleich,

kommt es zu Abbruch und Aufbruch.

Dem Ganzen liegt kein sentimentaler Heimatbegriff zugrunde, sondern das Ansinnen, eins mit der Welt zu werden, so wie sie ist. Zweifellos keine leichte Aufgabe. Aber genau darum ringen Autoren schon seit Jahrhunderten und tun es noch heute, sofern sie seriös sind. Sie kennen beide Seiten der Medaille, die Abspaltung und das Einssein. Nur so ist eine Zusammenschau möglich, welche ein Gemälde seiner Zeit ist, eine Tür zum Innen und Außen.

Idealerweise fließen Gedanken und Worte.

Von der Quelle bis zur Mündung, ist es ein langer, zuweilen beschwerlicher Weg. Odysseus und andere, lassen grüssen. Rilke, Hölderin, Heine, Hesse, Kafka, Walser, Benjamin, Zweig, Mann, Brecht, Feuchtwanger…etc. Sie alle wussten um Heimat, sie verloren sie auf die ein oder andere Weise und versuchten sie wiederzufinden. Einige kamen durch, andere scheiterten oder kamen um. Was auch immer auf ihren Wegen geschah, sie gingen ihren eigenen Weg so gut sie konnten. Manche hatten Glück, andere Pech. Den einen leuchtete ein Stern, den anderen verdunkelte der Schatten des Daseins den Horizont, manchmal war er sogar verbaut.

Manche flüchteten und gingen ins Exil, wegen unerträglichen Zuständen, weil der Geist nicht mehr frei atmen konnte. Zu groß war die Furcht, die Beklemmung, die Abwertung des Geistes, zu groß war die Bedrohung. Und es gab vielfältige Bedrohungslagen und Bedrohungsszenarien. Sie alle zersetzten das Gefühl von Beheimatung und somit das Gefühl von Sicherheit.

Es gab zahlreiche Verluste, die es unmöglich machten, einen Schöngeist hervorzubringen. Das Leben war alles andere als schön, es war ein Kampf …

 

Der Autor dieses Schreib- & Fotoprojektes, dankt Ihnen für Ihre Förderung & Unterstützung.

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Manchmal geb ich mir den “Steppenwolf ” IV

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Gibt es eine Pflicht,                                                                                                 kultbahn_uhr_sepia

gegen etwas anzuschreiben?

Hat der Autor eine Verantwortung?

Macht das Schreiben gegen Krieg, Hunger, Verletzung

und Verzweiflung, überhaupt Sinn?

Der „Steppenwolf“ hadert mit der Welt, zweifelt, ist verzweifelt.

Da trifft er plötzlich auf ein junges Mädchen, welches seiner Vergeistigung

ein Ende setzen will,  ihn auffordert, zu leben, zu tanzen, zu essen, zu schlafen.

Hermine, das Mädchen, fordert den Einzelgänger auf, Foxtrott zu lernen und mit ihr ein Tanzlokal aufzusuchen.

Sie fordert aber noch mehr vom „Steppenwolf“, sie fordert bedingungslose Gefolgschaft.

Das junge Mädchen gibt den Ton an, der ältere, vergeistigte Herr folgt ihr, bekommt die Leviten gelesen

und fühlt sich sogar wohl dabei, dass jemand in sein Gefängnis einbricht, dazu noch ein so hübsches Mädchen.

Seine Gitterstäbe hat er lange geschmiedet, aber das Mädchen lässt sich davon nicht beeindrucken,

sucht nicht lange nach einem Schlüssel, sondern bricht das Tor auf.

Natürlich gibt es Widerstände, aber Hermine setzt unbeeindruckt ihre Mission fort.

Sie fordert den „Steppenwolf“ auf, ein Grammophon und Schallplatten zu kaufen, gibt ihm Tanzstunden,

setzt eindeutige Kontraste im Namen der Lebenslust:

Fröhlichkeit, Unschuld, Leichtsinn, Schwung, Humor … das sind die Gegengifte,

die neuen Rettungsanker für den „Steppenwolf“.

Mit der Welt zu hadern, ist fortan verboten …

 

Manchmal geb ich mir den “Steppenwolf ” III

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Ein Sammelsurium aus Täuschungen                                                                            lit_hands_steppen_nah

und groben Vereinfachungen,

inklusive Selbsttäuschungen,

so schaut „Der Steppenwolf“mehr auf die Welt als in die Welt.

Ein absurdes Theater, von vermeintlich normalen Menschen

aufgeführt:

“ (…) eine Vergewaltigung des Wirklichen zugunsten einer

plausiblen Erklärung“, so steht es bei Hermann Hesse.

Die Welt wird sich zurechtgebogen, weil sie anders nicht zu ertragen ist,

aber auch, weil der Bürger zu bequem, zu egozentrisch, zu ängstlich ist.

Man ist gut angepasst, scheut die wahrhaftige Selbstoffenbarung, scheut den Preis,

den man für Authentizität zu zahlen hätte.

Der artige Professor ist ein gelehrter Kriegstreiber, der Kriegsgegner an die Wand stellt,

zumindest geistig. Er denunziert, attackiert, beschmutzt, und zelebriert gleichzeitig den netten Mann

der vorgibt, an tiefergehender Kommunikation interessiert zu sein, womit das Geflecht der Lügen

den Anfang nimmt und sich immer weiter verzweigt.  Seine Frau macht gute Miene zum bösen Spiel.

Man benutzt sich gegenseitig, um halbwegs sicher und billig über die Runden zu kommen.

Das ist dem „Steppenwolf“, dem „Dichter, dem einstigen Freund der Musen, dem Weltwanderer,

dem glühenden Idealisten“ unerträglich. Er befindet die Maskerade als lächerlich, lässt sich dennoch ein Stück auf

sie ein, flüchtet aber später entsetzt und angewidert, ins Wirtshaus.

Die ihm vor die Füße hingeworfenen Schein-Brocken der Wärme, dieser garstige Schluck Liebe und Anerkennung,

versiegt wie das Wasser in der Wüste. Er schwankt zwischen Welt- und Selbstverachtung, schaut diesem nicht

ruhenden Pendel zu, welches schwer an seinem Halse hängt.

 

 

 

 

 

 

Manchmal geb ich mir den “Steppenwolf” II

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„Ein Friedhof war unsere Kulturwelt  (…)                                                               Schreimaschine

umstanden von verlegenen und verlogenen Trauernden,

die viel dafür gegeben hätten, wenn sie an die Blechtafeln

noch hätten glauben können, die ihnen einst heilig gewesen waren.“

Der Steppenwolf schaut sich die  Bürger an, wie sie einen

Dichter nach dem anderen zu Grabe tragen, begleitet von

einem schaurigen Schauspiel und einer grausamen Mechanik,

die jedes aufrichtige Gefühl zunichte machen.

Man gibt vor betroffen zu sein, ist es aber in Wahrheit nicht. 

Kein echter Schmerz, keine echte Trauer, so denn auch keine echte Liebe.

Die Lebensmechanik siegt über das Gefühl.  Sie suggeriert Sicherheit und Gemeinsamkeit.

Ein Rädchen greift exakt ins andere, bewegt die Herde, stiftet Scheinidentität und suggestive Anteilnahme.

Das letzte Geleit für die Kultur, ist ein Stück fader Streuselkuchen, ordentlich gezuckert,

damit man nicht ahnt, wie schlecht seine Qualität ist.

Hermann Hesses „Steppenwolf“ würde in heutigen Zeiten von Facebook, Twitter & Co.,

sich ähnlich verwundet, verletzt und irritiert fühlen, wie einst.

Vielleicht wäre sein Ekel noch grösser, denn die heutigen Zeiten bieten weit mehr Möglichkeiten als jene, in denen

Hesse gelebt hat.

Eine neue Art von Gleichgültigkeit, Verlogenheit und Unheiligkeit, hat sich rasant ausgebreitet.

Von Mechanik des Lebens zu sprechen, erscheint weit untertrieben. Ein rasanter Irrsinn, man könnte es auch

Schwachsinn im wahrsten Sinne des Wortes nennen, ergreift alle Lebensbereiche.

Babylonische Illusionsgebäude schiessen jeden Tag aufs Neue massenhaft in die Höhe, um noch am selben Tag

wieder einzustürzen.

Es bleibt gar keine Zeit mehr für Besinnung und Trauer, noch für aufrichtige Anteilnahme oder gar Liebe.

Alles wird beklickt und weggeklickt, aufgesogen und ausgekotzt.

 

Manchmal geb ich mir den „Steppenwolf“

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Er streift durch die Lande und ist nirgendwo zu Hause.                                     stepp_book_front_sepia

Der Sicherheit entronnen, ihr entflohen,

wurde er zum Sonderling, zum Aussenseiter, der schlichte Mauern

liebte und mit ihnen sprach.

„War das, was wir Kultur nannten, was wir Seele, was wir schön,

was wir heilig nannten, war das bloss ein Gespenst,

schon lange tot und nur von uns paar Narren

noch für echt und lebendig gehalten…“ ???

( Hermann Hesse )

Kein Jedermann zu sein, wo doch alles nach Anpassung schreit, sie fordert und einklagt,

mündet beim Steppenwolf in Zerrissenheit, Einsamkeit und Aufspaltung.

Halb Mensch, halb Tier, so kommt sich Harry Haller vor, dem es nicht gelingt, diese beiden Seiten

zu versöhnen, zu einem sinnvollen Ganzen zu führen. Mit der Bürgerlichkeit kann er nicht, aber er kann auch nicht

von ihr lassen, denn er ist eines ihrer Kinder.

Etwas Revolte, etwas Rebell, aber nie ganz, nie wirklich volles Risiko.

Ein unzufriedener Mensch, der auch andere unglücklich macht, der den Konflikt permanent ausdünstet,

den Konflikt des Menschseins, von dem das Bürgertum nichts wissen und hören möchte.

Die Entfremdung verhindert den Brückenschlag.

Ein Stück Literatur, welches auch in heutige Zeiten passt …